Dauertest-Zwischenbilanz: Kawasaki Z 1000

Halbzeit-Stand

Nach mehr als der Hälfte der Dauertest-Distanz stellt sich die Kawasaki Z 1000 einer ersten Zwischenbilanz mit Tipps für die besten Reifen und Teilen aus dem Zubehörprogramm.

Foto: Archiv
Auf dem Weg zum modernen Klassiker? Die Z 1000 im MOTORRAD-Dauertest.
Auf dem Weg zum modernen Klassiker? Die Z 1000 im MOTORRAD-Dauertest.
Eigentlich sollte nach exakt 25000
Kilometern der Halbzeitpfiff für die
Kawasaki Z 1000 ertönen. Dass die »Zett«, wie sie liebevoll im Z-1000-Forum genannt wird, mittlerweile schon gut 33000 Kilo-
meter auf der Uhr hat und sich damit
deutlich in der Nachspielzeit befindet, zeigt die Beliebtheit des giftgrünen Naked Bikes in der Redaktion.
Besonders nicht so groß gewachsene Menschen schätzen die geringe Sitzhöhe und das gute Handling der 1000er. Selbst auf längeren Strecken und sogar auf
Urlaubsreisen wurden der Z 1000 für ein
Naked Bike von verschiedenen Fahrern gute Toureneigenschaften attestiert. Allein die Vibrationen, die bei 7000 Umdrehungen ihren Höhepunkt finden, stören. Sie lassen zum einen die Hände einschlafen, zum anderen machen sie es dem Fahrer unmöglich, ein klares Bild vom rückwär-
tigen Verkehr in den zitternden Spiegeln
zu bekommen. Nach etwa 15000 Kilo-
metern forderten die ewigen Schwingungen ein erstes Opfer: Das Nummernschild riss in der Mitte auseinander. Nicht jedermanns Komfortwünsche für längere Touren erfüllt zudem die Sitzbank.
Unabhängig, ob Urlaubsfahrt oder Spritztour über die Hausstrecke, bei der
Z gilt es, unbedingt die Reserveleuchte
zu beachten. Wenn die blinkt, heißt es:
auf dem schnellsten Weg zur nächsten Tanke. Einträge im Fahrtenbuch von einer sehr geringen Reichweite auf Reserve, was letztlich mit Schiebebetrieb endete, sind keine Seltenheit. 16,8 Liter passen in den laut Hersteller 18 Liter fassenden Tank, wenn der Motor schon die ersten Aussetzer hat. Bei flotter Fahrweise auch über die Autobahn und einem Durchschnittsverbrauch von gut sechs Litern reicht es trotzdem für akzeptable Reichweiten von mindestens 250 Kilometern.
Besonderes Augenmerk erfordert bei der Z 1000 auch die Reifenwahl, reagiert sie doch sehr sensibel auf unterschiedliche Gummis. So hat MOTORRAD die Kandi-
daten der Reifenempfehlung in erster Linie unter dem Gesichtspunkt Fahrverhalten unter die Lupe genommen. Ein ausführlicher Reifentest, in dem drei der Probanden in den Größen 120/70 und 180/55 ZR 17 auf der Suzuki GSX-R 750 teilgenommen haben, ist in MOTORRAD 11/2004
erschienen. Die gelungenste Vorstellung auf der Kawasaki liefert überraschenderweise der alte Michelin Pilot Sport ab, der in diesem Vergleich nur vertreten war, da für den Nachfolger Pilot Power noch keine Freigabe vorliegt. Der Pilot Sport überzeugt auf der Z 1000 mit guter Rückmeldung vom Vorderrad, was auf dem Naked Bike nur den wenigsten Reifen gelingt, sowie aufgrund geringer Aufstellneigung trotz des breiten 190er-Hinterreifens. Zudem bietet der Michelin sehr guten Grip, der sogar schnelle Runden auf der Nordschleife zum Genuss macht. Vorausgesetzt, die Fahrwerksabstimmung passt.
Da die »Zett« weder an der Gabel noch am Federbein über eine Druckstufeneinstellung verfügt, ist es umso wichtiger,
die Zugstufeneinstellung und die Federvorspannung in die richtige Position zu bringen. Während das Federbein eher hart abgestimmt ist, schlägt die Gabel eine softere Gangart ein. Bis auf zwei Ringe vorgespannt und die Zugstufendämpfung eine dreiviertel Umdrehung geöffnet, verrichtet sie ihre Arbeit aber sehr ordentlich. Das Federbein sollte zirka zwei Zentimeter vorgespannt werden, außerdem die Zugstufe um eindreiviertel Umdrehungen öffnen. Mit dieser Einstellung funktioniert das Fahrwerk sowohl auf der Nordschleife wie auch auf buckeligen Landstraßen.
Neben der aggressiven, dennoch gefälligen Optik besticht die Z 1000 mit ihrem Triebwerk. Mit gemessenen 128 PS steht die Kawa gut im Futter und stellt jeder-
zeit genug Leistung zur Verfügung. Na
ja, meistens zumindest, denn im unteren Drehzahlbereich zwischen 3000 und 5000 Umdrehungen wünscht man sich für ein souveränes Vorankommen mit einem solch auffälligen Naked Bike etwas mehr Punch. Abhilfe sollte eine Vier-in-eins-Auspuffanlage von Termignoni schaffen. Natürlich nur unter Beibehaltung des Retro-Looks in Form eines megaphonförmigen Endschalldämpfers. Ansonsten wäre es Frevel, Hand an die schöne originale Vier-in-zwei-in-vier-Auspuffanlage zu legen.
Die Montage der Termignoni-Anlage gestaltete sich aufgrund der nicht so perfekten Passgenauigkeit nicht einfach, dafür entschädigt der kernige Klang, der jede Gashand zu Zuckungen verleitet. Doch leider kann die Leistungskurve nicht halten, was der Sound verspricht. Im mittleren
Bereich, von 4000 bis 6500 Touren, liegt sie zwar klar über der der Serienanlage, dafür bricht sie im unteren Bereich – ge-
rade da, wo man sich schon beim Original ein wenig mehr Druck wünscht – so stark ein, dass auch der tolle Klang im Fahr-
betrieb nicht über das Leistungsloch hinwegtäuschen kann. Obenraus ist die Leistungskurve dann deckungsgleich mit der Serie. Abgesehen vom Sound und einer Gewichtsersparnis lohnt die Umrüstung also nicht. Im Gegensatz zur Lenkerhöherlegung von Hänsle (siehe Kasten links). Der acht Zentimeter höhere Lenker trägt nicht nur zu einer entspannteren Sitzposition bei, sondern verbessert auch das Fahrverhalten, indem etwas Last vom Vorderrad genommen wird.
Im Originalzustand machte die Z 1000 bislang kaum Probleme. Lediglich ein
Heulen im letzten Gang bei gut 70 km/h ließ die Fahrer aufhorchen. Zum ersten Mal bei 9600 Kilometern registriert, zerlegte die Kawasaki-Werkstatt bei 10702 Kilometern den Motor und tauschte das Getriebe-
ausgangslager – ohne Erfolg. Bei Tachostand 12335 wurde das sechste Gangradpaar auf Garantie ersetzt. Was nur kurz-
zeitig für Besserung sorgte. Inzwischen heult das Getriebe im vierten und sechsten Gang. Da die Untersuchung der getauschten Zahnräder aber ohne Befund war, heult die Z 1000 so den nächsten 20000 Kilometern entgegen.
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Reifenempfehlung

Bei der Kawasaki Z 1000, die mit dem 190er-Hinterreifen recht üppig besohlt ist, aber trotzdem ein tolles Handling bietet, kommt es darauf an, einen Reifen zu finden, der auf
dem Vorderrad ein gutes Feedback für den Grenz-
bereich vermittelt und hinten wenig Aufstellneigung über Bodenwellen verursacht. Bei den angegebenen Preisen handelt es sich um den vom Hersteller empfohlenen Listenpreis und einen im Internet recherchierten günstigeren Preis.

Avon Azaro AV SP 49/50 SP

Die Avon-Paarung AV 49/50 SP besitzt keine wirklichen Stärken, sieht man einmal von dem im Vergleich günstigsten Preis ab. Während sich die Azaro vom Handling im vorderen Mittelfeld einordnen, verlieren
sie in der Kurvenstabilität und beim Grip vor allem bei nasser Fahrbahn
etwas den Anschluss an die Konkurrenz. Aus schnellen Kurven heraus fängt die Hinterhand an zu pumpen und lässt die Z 1000 aus quasi jeder Ecke schöne schwarze Striche ziehen. Die Haftgrenze ist somit erreicht. Zudem verhilft der Vorderreifen nicht unbedingt zu einem guten Feedback. Listenpreis: 312,00 Euro, Internet: 241,30 Euro.

Bridgestone BT 019 F / BT 012 R J

Die Serienbereifung mit dem BT 019 vorne und BT 012 hinten bietet
zwar reichlich Haftung, jedoch lässt sich die Haftgrenze speziell am Vorderrad nur sehr schwer erahnen. Zudem stellt sich der 190er-BT 012 bei Bodenwellen in Kurven spürbar auf und macht die Z 1000 unhandlicher. Besserung brachte die Absenkung des Luftdrucks von 2,9 auf
2,5 bar. Eine weitere Schwäche im Vergleich zur Konkurrenz ist die bei forciertem Tempo schlechtere Lenkpräzision. Die Serienausrüstung empfiehlt sich eher fürs gemütliche Tourenfahren, wo sie mit ihrer relativ hohen Lebensdauer glänzen kann. Listenpreis: 348,00 Euro, Internet: 282,60 Euro.

Continental Force Max

Die Conti-Paarung besticht mit einem guten Handling, kann aber ansonsten auf der Z 1000 nicht überzeugen. Beim Bremsen in Schräg-
lage hat der Fahrer mit einem deutlichen Aufstellmoment zu kämpfen. Wird allzu forsch aus der Ecke beschleunigt, knickt die Flanke des Hinterreifens ein und macht es schwierig, die Kawa auf Kurs zu halten. Pumpbewegungen sind die Folge. Zu allem Überfluss neigt der Reifen bei etwa 80 km/h zu so genanntem Shimmy, also Lenkerflattern, das jedoch nicht mit dem weitaus gefährlicheren Lenkerschlagen verwechselt werden darf. Sehr gut dagegen benimmt sich der Conti im Nassen. Dann vermittelt er dem Fahrer aufgrund der hohen Haftung ein
sicheres Gefühl. Listenpreis: 318,20 Euro, Internetpreis: 257,80 Euro.

Dunlop D 207 RR

Handlich, handlicher, Dunlop D 207 RR könnte die Steigerung lauten. Da die Kawasaki Z 1000 jedoch nicht unbedingt zu den Motorrädern gehört, die mittels Reifen zu einem verbes-
serten Handling getrieben werden müssen, wird sie mit der Dunlop-Bereifung schon fast kippelig. Dem im ersten Moment
guten Handling folgt ein in der Tendenz bereits nervöses Einlenkverhalten.
Bei vielen Motorrädern mit Sicherheit eine Hilfe, ist der handliche D 207 bei
der »Zett« eindeutig zu viel des Guten. Positiv dagegen: der sehr stabile Geradeauslauf. Damit ist die Dunlop-Paarung die richtige Wahl für die große Urlaubstour mit hohem Autobahnanteil und beschaulichem Kurvenfahren. Listenpreis: 361,00 Euro, Internet: 276,40 Euro.

Metzeler Sportec M-1

Hinter dem Michelin Pilot Sport ist der Sportec M-1 der empfehlenswerteste Reifen für die
Z 1000. Neutrales Fahrverhalten, sehr guter Grip, der auf der Rennstrecke atemberaubende Schräglagen und brutale Beschleunigungs-
orgien zulässt, in Verbindung mit der sehr guten Eigendämpfung machen die Metzeler-Paarung zum Geheimtipp für gelegentliche Rennstreckenausflüge. Dem gegenüber stehen lediglich die Tendenz, Spurrillen hinterherzulaufen, eine leichte Aufstellneigung beim Bremsen und ein tendenziell höherer Verschleiß. Wer seine Z 1000 also nicht andauernd über die Autobahn scheucht und auch nicht auf jeden Cent schauen muss, ist mit dem Metzeler Sportec M-1 bestens gerüstet. Listenpreis: 409,00 Euro, Internet: 267,10 Euro.

Michelin Pilot Sport E

Oldie but Goldie kann man beim Michelin
Pilot Sport sagen, steht mit dem Pilot Power doch schon längst ein Nachfolger parat. Der ist nur für die Z 1000 noch nicht freigegeben. Der Pilot Sport, vorne wie hinten in E-Spezifikation, begeistert mit sehr gutem Grip, einem neutralen Fahrverhalten, geringer Aufstellneigung beim Bremsen und gutem Feedback. Ohne jegliche Schwäche ist der Pilot Sport die Empfehlung für die Z 1000. Er bietet sowohl auf der Landstraße wie auch auf der Rennstrecke und bei Nässe genügend Reserven. Sobald der Pilot Power freigegeben ist, wird dieser natürlich nachgetestet. Bleibt allerdings abzuwarten, ob Neues tatsächlich auch besser ist. Listenpreis: 353,90 Euro, Internet: 300,90 Euro.

Guido Stüsser,

Redakteur - Schon mein Vater fuhr eine Z 1000 – vor 20 Jahren!

Das Retro-Design und die entspannte Sitzposition gefallen
mir besonders gut. Auch wenn ich zu den wenigen Weicheiern zähle, denen nach spätestens zwei Stunden der Hintern weh tut. Hin- und hergerissen bin
ich von der Termignoni-Anlage.
Klasse Sound, schicke Form, mächtig Kilos gespart, aber
das Leistungsloch im unteren Bereich nervt ziemlich. Mit dem Michelin Pilot Sport macht die
Z 1000 sogar auf der Renn-
strecke Spaß. Wer braucht
da schon eine Verkleidung?

Michael Orth,

Redakteur - Aufrecht sitzend anbrüllen lassen: schön

Ein Chopper ist die Z 1000 natürlich nicht. Der hohe Lenker steht ihr trotzdem. Überträgt zwar
Vibrationen etwas stärker, aber steigert den Komfort auf langen Etappen, ohne dass allzu viel
Gefühl fürs Vorderrad verloren geht. Wobei der Komfort von
einer anderen Sitzbank sicher noch mehr profitierte. In etwa
so wie die Optik von der Termi-
gnoni-Tüte. Die manche doch
tatsächlich mit einer vergleichen. Also einer Tüte. Na gut, Geschmacksache. Und es kann
halt nicht jeder mit sicherem
ästhetischem Urteil glänzen. Außerdem: der Klang! Schrei mich an, bitte, schrei mich
noch mal an!

Gerry Wagner,

Fuhrparkleiter - Schick gestylt, aber wenig dahinter!

Grosse Gefühlsausbrüche entfachen die Fahreigenschaften und der Motor bei mir nicht, mir gefällt nur ihr Äußeres. In meinen Augen ist die Z 1000 zu weich-
gespült. Alles funktioniert zwar irgendwie – und eigentlich auch nicht schlecht, besonders mit dem höheren Lenker –, aber Ecken und Kanten, die den Cha-
rakter eines Motorrades aus-
machen, vermisse ich. Zudem fehlt mir für ein Naked Bike mit einem solch provozierenden
Äußeren der gewaltige Bums aus dem Drehzahlkeller. Da muss
es krachen, dass es einem den
Lenker aus der Hand ziehen möchte, dann ist man standes-
gemäß motorisiert.

Zubehör im Test

Das Zubehörprogramm für die Z 1000 ist so reichhaltig, das wir uns darauf konzentrierten, Problemstellen zu behandeln. Lenkererhöhung, Stahlflexleitungen sowie die Termignoni-Anlage kommen allesamt von der Firma Hänsle-Motorradsport, Telefon 07822/44580 oder www.haensle.de. Leider kann die 999 Euro teure Auspuffanlage auf dem Leistungsprüfstand nicht das halten, was die Optik und vor allem der laute Sound versprechen. Der Einbruch zwischen 3000 und 4000/min macht sich im Fahr-
betrieb negativ bemerkbar. Das kann auch die Mehrleistung im mittleren Bereich nicht wieder gutmachen. Die für die 99 Euro
teure Lenkererhöhung mitgelieferten Stahlflexleitungen, die nochmals mit 98 Euro zu Buche schlagen, waren zwar länger als die Originale, aber dennoch zu kurz und scheuerten am Schutzblech.

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