Auspufftest Suzuki Bandit 650 (Archivversion)

Schall-Geschwindigkeit

Die Suzuki Bandit 650 gehört zu den Bestsellern in Deutschland. Rasant entwickelt sich auch der Zubehörmarkt. Wie schlagen sich die angebotenen Nachrüstschalldämpfer?

Einer der häufigsten Umbauwünsche bei Motorrädern betrifft den Schalldämpfer. Die Serientöpfe sind ihren Besitzern meist zu klobig, zu unauffällig und zu schwer. Auch wenn der
Auspuff der Bandit 650 nicht unbedingt klobig daherkommt, so treffen zumindest die anderen beiden Attribute zu. Und wer etwa nach einem Sturz Ersatz besorgen muss, dürfte sich auch über den saftigen Neupreis von rund 550 Euro nicht gerade freuen.
Da bietet der Zubehörmarkt wesentlich günstigere Alternativen.
Und die sollen oftmals ja sogar noch einige PS zusätzlich herauskitzeln sowie kerniger klingen. Wer wissen möchte, wie sich die Testkandidaten von Götz, GPR, Holeshot, Hurric, Nikko, Shark und Streetfighter im Vergleich zur Serienanlage anhören, findet
die Sound-Aufnahmen im Internet unter www.motorradonline.de. Welcher Schalldämpfer klanglich der überzeugendste ist, muss
jeder selbst entscheiden. Die Wertungen für Leistung, Passform, Verarbeitung und Montageaufwand finden sich dagegen auf den folgenden Seiten.
Am meisten Punkte konnten die Anlagen in den Kriterien
Spitzenleistung und Leistungsentfaltung sammeln. Besonderes Augenmerk legten die Experten der MOTORRAD-Testabteilung auf die Leistungsentfaltung und achteten bei den auf dem Prüfstand ermittelten Kurven auf jeden noch so kleinen Einbruch in den Leistungs- und Drehmomentverläufen, die sich in der Praxis durchaus spürbar bemerkbar machen.
Stand- und Fahrgeräusch ermittelte MOTORRAD analog den gültigen Vorschriften (siehe auch Kasten Geräuschmessungen) auf einem abgesperrten Flugplatzgelände. Um die Abgasunter-
suchungen kümmerten sich die Prüfer des TÜV Süd in Böblingen.
Für die gemessenen Geräusch- und Abgaswerte gab es zwar keine Punkte, doch nur Testkandidaten, die sowohl die Ge-
räuschgrenzwerte als auch den vorgegebenen Abgasgrenzwert (siehe Kasten Kat-Problematik Seite 69) einhielten, bekamen
ein abschließendes MOTORRAD-Urteil. Und das sind letztlich
erschreckend wenige Probanden. Die Hürde Fahrgeräusch entpuppte sich, wie häufig bei Schalldämpfertests, für viele Exem-plare als zu hoch. Für manche sogar als deutlich zu hoch. Wie die betroffenen Zubehördämpfer an die EG-Betriebserlaubnis kamen, erscheint schlicht rätselhaft.
Zwar ist es genau das, was viele Motorradfahrer wollen – eine EG-zugelassene Anlage mit möglichst kernigem Sound. Doch sollten sie sich im Klaren sein, dass sie trotz Prüfsiegel auf dem Endtopf in einer Kontrolle Schwierigkeiten bekommen können.
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Bandit 650 Originalschalldämpfer (Archivversion)

Anbieter: Suzuki International Europe, Telefon 06251/57000, www.suzuki.de;
Mantel: Edelstahl, rund; Preis: 549,26 Euro; Varianten: keine

Plus Perfekte Passform; kinderleicht zu montieren;
angemessene Spitzenleistung und gute Leistungsentfaltung;
sehr gutes Abgasverhalten; Standgeräusch innerhalb Toleranzwert; Fahrgeräusch-Grenzwert eingehalten
Minus Sehr hohes Gewicht
Fazit Mit der Originalanlage liegen Käufer auf der sicheren Seite. Sie ist zwar schwer und vergleichsweise teuer,
dafür passgenau und idiotensicher zu montieren, da sie
aus einem Stück besteht
-Urteil: gut

Götz Endschalldämpfer (Archivversion)

Anbieter: Götz, Telefon 07476/933150, www.goetz-motorsport.de; Mantel: Edelstahl, oval; Preis: 315 Euro; Varianten: Ummantelungen aus Karbon und Titan in Vorbereitung (Preis jeweils rund 375 Euro)

Plus Sehr geringes Gewicht; Spitzenleistung und
Leistungsentfaltung auf Serienniveau; sehr gutes Abgasverhalten; Standgeräusch innerhalb Toleranzwert
Minus Sehr aufwendige Montage; keine Montageanleitung;
einfache Verarbeitung; mäßige Passform; kein Halter am Zwischenrohr vorhanden; fummelige Blechschelle am
Dämpfer; Fahrgeräusch-Grenzwert deutlich überschritten
Fazit Sehr schlicht gehaltener Dämpfer, der vor allem
durch sein geringes Gewicht und den im Vergleich
günstigsten Kaufpreis heraussticht, allerdings deutlich
zu hohe Fahrgeräuschwerte besitzt
-Urteil: – *

GPR Slip-On (Archivversion)

Anbieter: THG Technischer Handel, Telefon 02661/63240, www.bikersandmore.de; Mantel: Poppy
(Edelstahl in Karbonlook), oval; Preis: 518 Euro; Varianten: Edelstahl (rund 469 Euro, oval 499 Euro),
Poppy rund (499 Euro), Karbon oval (518 Euro), Inconel (rund 518 Euro, oval 541 Euro)
Plus Sehr geringes Gewicht; ausführliche Montageanleitung; hohe Spitzenleistung und sehr gute Leistungsentfaltung; sehr gutes Abgasverhalten; Standgeräusch innerhalb Toleranzwert
Minus Sehr aufwendige Montage; kein Halter am
Zwischenrohr vorhanden; fummelige Blechschelle am Dämpfer; Fahrgeräusch-Grenzwert sehr deutlich überschritten
Fazit Sauber verarbeiteter, sehr leichter Zubehördämpfer,
der mit hohem Leistungsvermögen punktet, jedoch viel zu hohe Fahrgeräuschwerte aufweist
-Urteil: – *

Holeshot Master (Archivversion)

Anbieter: Mizu, Telefon 07731/90670, www.holeshot.de; Mantel: Aluminium, rund;
Preis: 408 Euro; Varianten: Titan (510 Euro)

Plus Deutliche Gewichtsersparnis gegenüber dem Seriendämpfer; gummiummantelte Spannfedern; hohe Spitzenleistung und sehr gute Leistungsentfaltung; gutes Abgasverhalten; Standgeräusch innerhalb Toleranzwert
Minus Fummelige Blechschelle am Dämpfer;
Fahrgeräusch-Grenzwert deutlich überschritten
Fazit Ordentlich verarbeiteter Dämpfer, der im Sebring-Werk
in Österreich entsteht und ein hohes Leistungsvermögen
aufweist, allerdings deutlich zu laut ist
-Urteil: – *

Hurric RAC 1 (Archivversion)

Anbieter: Fechter Drive Motorsport, Telefon 07023/95230, www.fechter.de;
Mantel: Aluminium, oval; Preis: 368 Euro; Varianten: Karbon (468 Euro)

Plus Deutliche Gewichtsersparnis gegenüber dem Seriendämpfer; gummiummantelte Spannfedern; sauber verarbeitet; geschraubter Halter; sehr gutes Abgasverhalten; Stand- und Fahrgeräusch nahezu auf Serienniveau und innerhalb Toleranz
Minus Etwas unsaubere Schweißnähte am Zwischenrohr;
deutliche Leistungseinbußen gegenüber der Serienanlage
Fazit Kräftemäßig etwas schwächelnder Endtopf aus Italien,
der als einer der wenigen einen hochwertigen, geschraubten Halter besitzt und die Geräuschgrenzwerte einhält
-Urteil: befriedigend

Nikko Supersport NX (Archivversion)

Anbieter: Team Metisse, Telefon 07191/302030, www.metisse.de; Mantel: Aluminium, oval;
Preis: 475 Euro; Varianten: Karbon und Titan (je 575 Euro)

Plus Deutliche Gewichtsersparnis gegenüber dem
Seriendämpfer; Halter am Zwischenrohr mit geschweißter Mutter; gute Passform; hohe Spitzenleistung und sehr
gute Leistungsentfaltung; Standgeräusch innerhalb Toleranz
Minus Fummelige Blechschelle am Dämpfer;
Fahrgeräusch-Grenzwert deutlich überschritten
Fazit Sauber verarbeiteter und passgenauer Dämpfer
mit hohem Leistungsvermögen, aber deutlich zu hohen Fahrgeräuschwerten
-Urteil: – *

Shark Competition DSS (Archivversion)

Anbieter: Fechter Drive Motorsport, Telefon 07023/95230, www.fechter.de;
Mantel: Karbon, oval; Preis: 498 Euro; Varianten: Aluminium (398 Euro), Titan (498 Euro)

Plus Deutliche Gewichtsersparnis gegenüber dem
Seriendämpfer; gummiummantelte Spannfedern; sauber
verarbeitet; geschraubter Halter; sehr gutes Abgasver-
halten; Stand- und Fahrgeräuschwerte nahezu auf Serien-
niveau und innerhalb Toleranz
Minus Etwas unsaubere Schweißnähte am Zwischenrohr;
deutliche Leistungseinbußen gegenüber der Serienanlage
Fazit Wie auch der in der gleichen Firma gebaute Hurric
fällt der Shark leistungsmäßig deutlich ab, dafür ist er einer
der wenigen mit geschraubtem Halter sowie in Sachen Geräuschwerte absolut legal
-Urteil: befriedigend

Streetfighter Endschalldämpfer (Archivversion)

Anbieter: Louis, Telefon 040/73419360, www.louis.de; Mantel: Aluminium, rund;
Preis: 348,95 Euro; Varianten: keine

Plus Sehr deutliche Gewichtsersparnis gegenüber dem Seriendämpfer; sehr gutes Abgasverhalten; Standgeräusche innerhalb Toleranz; Fahrgeräusch-Grenzwert um ein dB (A) überschritten und damit soeben noch innerhalb des tolerierten Rahmens
Minus Etwas unsaubere Schweißnähte am Zwischenrohr; Leistungseinbußen gegenüber der Serienanlage; fummelige Blechschelle am Dämpfer
Fazit Preisgünstiger, einfach verarbeiteter Aluminium-
Dämpfer mit geringem Gewicht, noch tolerierbaren Geräuschwerten, jedoch schlechterem Leistungsvermögen
als mit der Serienanlage
-Urteil: befriedigend

Geräuschmessungen (Archivversion)

Ein besonders heikles Thema, nicht nur bei
einem Auspuffanlagentest, sondern vor allem bei Kontrollen im Straßenverkehr. Denn die Polizei kennt keine Gnade, wenn jemand mit einer zu lauten Auspuffanlage unterwegs ist. Bislang besteht am Straßenrand nur die Möglichkeit einer Standge-
räuschmessung. Als Toleranzgrenze gelten hierbei fünf dB (A) über dem in den Fahrzeugpapieren
eingetragenen Wert. Wenn die Ordnungshüter Zweifel haben, dass es sich um einen regulären Dämpfer handelt, sind sie berechtigt, das Motorrad für eine Fahrgeräuschmessung zu konfiszieren. Das droht
in jedem Fall allen Fahrzeugen, die bei der Stand-
geräuschmessung die Toleranzgrenze überschreiten. Dann heißt es: entweder bei nächster Gelegenheit mit einer zulässigen Anlage vorfahren oder einer teuren Fahrgeräuschmessung zustimmen.
Standgeräuschmessung: Das Mikrofon wird
in Höhe der Auspuffmündung im Winkel von 45 Grad zur Fahrzeuglängsachse und im Abstand von 0,5 Metern positioniert. Gemessen wird bei halber Nenndrehzahl (bei Motorrädern, deren Nenn-
drehzahl über 5000/min liegt – was bei fast allen
Modellen der Fall ist). Als Ergebnis zählt der höchste von drei Messwerten, gerundet auf volle dB (A).
Fahrgeräuschmessung: Als Messstrecke dient eine große Fläche mit Normasphalt, die im Umkreis von 50 Metern zum Mikrofon keine schallreflektierenden Gegenstände aufweisen darf. Das Motorrad fährt im zweiten und dritten Gang mit 50 km/h
an die Messstrecke (siehe Abbildung) heran. Der
Fahrer zieht am Anfang der Strecke das Gas voll
auf und beschleunigt bis zum Ende, wo er das Gas wieder abrupt schließt. In jedem Gang werden zwei Vorbeifahrten von rechts und zwei von links auf-
gezeichnet. Die insgesamt acht Messwerte werden gerundet und dann ein dB (A) Toleranz abgezogen. Der Mittelwert daraus ergibt schließlich den alles entscheidenden Fahrgeräuschwert.
Fahrzeugvoraussetzungen: Das Testfahrzeug für Homologations- oder Nachmessungen von
Zubehörschalldämpfern darf im Serientrimm den
in den Papieren eingetragenen Wert – im Fall der Bandit 79 dB (A) – um maximal drei dB (A) überschreiten, den gültigen Grenzwert von 80 dB (A)
jedoch nur um ein dB (A). Folglich darf die Bandit maximal 81 dB (A) erreichen. Der Standgeräuschwert, bei der Bandit sind 89 dB (A) eingetragen,
darf ebenfalls um drei dB (A) über dem eingetragenen Typprüfwert liegen. Einen Grenzwert schreibt der Gesetzgeber hier nicht vor.
MOTORRAD gesteht den Zubehörschalldämpfern beim Test die für die Serienanlage zulässigen
Toleranzgrenzen zu. Bei einer offiziellen Homologation müssten die Nachrüstdämpfer exakt den Fahrgeräuschwert der Originalanlage einhalten, dürften also streng genommen nicht lauter sein als die
gemessenen 79 dB (A) der serienmäßigen Bandit.

KAT-Problematik (Archivversion)

Nachrüstschalldämpfer sorgen immer für
Gesprächsstoff. Ende der 90er Jahre war
vielen Käufern von Zubehöranlagen mit EG-Betriebserlaubnis nicht klar, dass sie keine Papiere mehr mitführen mussten, wie es in den Jahren zuvor bei Anlagen mit ABE noch notwendig war. Selbst etliche Polizisten wussten davon lange nichts. Dabei genügt eine gut sichtbar angebrachte Plakette oder Prägung (siehe Foto) am Dämpfer.
Seit diesem Jahr herrscht Verunsicherung darüber, ob Nachrüstanlagen einen Katalysator aufweisen müssen, wenn auch das Serienmodell einen besitzt. Schließlich müssen Motorräder ab Baujahr 1989 neuerdings alle zwei Jahre zu einer Abgasunter-
suchung (AUK) – gewerblich genutzte Fahrzeuge
sogar einmal im Jahr. Die Lage ist vertrackt. Alle ab 2006 nach Euro 3 homologierten Motorräder, die serienmäßig einen Kat besitzen, dürfen nur auf
einen Nachrüstdämpfer mit Kat umgerüstet werden. Andernfalls bekommen sie bei der AUK wahrscheinlich Probleme mit den Abgasgrenzwerten.
Anders sieht es mit älteren, beispielsweise nach Euro 2 zugelassenen Motorrädern aus. Selbst wenn sie serienmäßig mit Kat ausgestattet sind, dürfen Nachrüstschalldämpfer ohne Kat angebaut werden. Allerdings nur, wenn diese vor dem 18. Mai 2006 eine EG-Betriebserlaubnis erhalten haben. Wenn dann bei der AUK der für das Motorrad (vom Hersteller) angegebene Wert überschritten werden
sollte, gibt’s lediglich einen entsprechenden Vermerk im Prüfbericht – zumindest sind die Überwachungsvereine in den meisten Bundesländern entsprechend instruiert worden. Als Obergrenze für den ausschlaggebenden CO-Gehalt gelten in jedem Fall 4,5 Volumen-Prozent. Und das sollte ein vernünftig eingestelltes Motorrad auch ohne Kat schaffen.
Dass im Fall des vorliegenden Tests Suzuki bei der Bandit 650 trotz (ungeregelten) Katalysators einen Grenzwert von 4,5 Volumen-Prozent CO zulässt, scheint spätestens beim Betrachten der wesentlich besseren Ergebnisse (siehe Tabelle auf Seite 66)
unverständlich. Dennoch erfreulich, dass sich alle untersuchten Auspuffanlagen quasi als Sauber-
männer entpuppten und bis auf eine sogar den Wert für Motorräder mit geregeltem Kat (0,3 Volumen-Prozent CO) unterschreiten.

Fazit (Archivversion)

Der Original-Schalldämpfer schneidet unter Berück-sichtigung der MOTORRAD-Bewertungskriterien
am besten ab: passgenau, ordentliches Leistungsvermögen und absolut legal. Nur was den Preis und
das Gewicht anbelangen, liegt er zum Teil deutlich über den Zubehörangeboten. Ob man bereit ist, für die niedrigeren Kosten Einbußen bei der Qualität in Kauf zu nehmen, muss der Topf-Käufer für sich entscheiden. Ebenso wie er das Risiko tragen muss, wenn er einen der zu lauten Nachrüstdämpfer wählt. Ein MOTORRAD-Urteil erhielten diese Exemplare nicht, auch wenn sie zum Teil eklatant leichter sind als das japanische Original und mit beeindruckender Leistung protzen.

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