Airbag-Systeme - Streit zwischen Dainese und Alpinestars Crash der beiden Hersteller

Dainese und Alpinestars streiten wegen ihrer neuen Airbag-Systeme. Ein süddeutscher Händler geriet zwischen die Fronten.

Foto: Hersteller

Daniel Haller fiel aus allen Wolken. Per Fax erhielt der Bekleidungs- und Zubehörhändler ein 79-seitiges Schreiben der Anwaltskanzlei Hogan Lovells International aus München. Darin wurde Hallers Firma Motorradland GmbH Friedrichshafen aufgefordert, „das Anbieten und Vertreiben“ des neuen Airbag-Systems TechAir von Alpinestars zu unterlassen, weil dadurch Patentrechte von Dainese, der Auftraggeberin der Kanzlei, verletzt würden.

Es folgten detaillierte englischsprachige Patentschriften, eine für Laien kaum verständliche Unterlassungserklärung, die Haller innerhalb von vier Tagen unterzeichnen sollte, und schließlich das dicke Ende: Da die Anwälte den Streitwert in der Sache auf eine Million Euro beziffert haben, will die von Dainese beauftragte Kanzlei 6126 Euro Gebühren von Händler Haller haben.

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Beide Firmen in Norditalien ansässig

Der besorgte Dealer vom Bodensee setzte flugs alle Hebel in Bewegung. Er wandte sich an MOTORRAD und natürlich an Hersteller Alpinestars. Besonders pikant ist, dass Haller das fragliche Airbag-System noch gar nicht vorrätig hat: „Ich habe den TechAir bisher nur mündlich bestellt.“ Weil sein Name aber schon auf der Händler-Website von Alpinestars steht, bekam er die Anwaltspost – und die Rechnung dafür. Bei Alpinestars beruhigte man den aufgebrachten Geschäftsmann: „Alpinestars hat eine andere Anwaltskanzlei engagiert, die mich und weitere betroffene Händler jetzt gegenüber Dainese vertritt“, erzählt Haller. Und dass er heilfroh darüber ist: „Bei einem so hohen Streitwert von einer Million Euro könnten die Verfahrenskosten einen Ladem wie meinen ruinieren.“

Allem Anschein nach tobt also hinter den Kulissen ein Streit zwischen Dainese und Alpinestars. Beide Firmen sind im Veneto in Norditalien ansässig, beide stellen Schutzkleidung für Motorradfahrer her, von Handschuhen über Stiefel bis zur Kombi. Vor Jahren plante man eine Kooperation, doch die Verhandlungen scheiterten, und seither sind die beiden Firmen harte Konkurrenten.

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Foto: Hersteller

Wegen des Airbags scheint der Wettkampf jetzt zu eskalieren. Mit dessen Entwicklung begann Dainese bereits vor 15 Jahren, stattete zunächst Rennfahrer von Valentino Rossi bis Stefan Bradl damit aus und stellte 2013 schließlich den D-air Street für den Einsatz auf öffentlichen Straßen vor. Weil Stürze dort anders verlaufen als auf der Rennstrecke, wo es keine Aufprallunfälle wie im Airbag-Crashtest-Foto links gibt, war diese Evolution laut Dainese besonders kompliziert und teuer.

Die Firma hält zahlreiche Patente an dem System – und sieht offenbar einige durch das neue, 2014 erstmals vorgestellte TechAir-System verletzt. Der Alpinestars-Airbag wurde in Deutschland nach der gegnerischen Anwaltsoffensive anscheinend vorsorglich vom Markt genommen und ist derzeit dem Vernehmen nach nicht erhältlich. Daniel Haller fragt sich, warum er zwischen die Fronten der Hersteller geriet: „Ich habe keine Ahnung, ob Alpinestars mit dem TechAir irgendwelche Patente von Dainese verletzt“, sagt er. „Und selbst wenn, könnte ich nichts dafür. Ich bin doch bloß Händler.“ Auf MOTORRAD-Nachfrage wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt keiner der beiden Hersteller näher äußern.

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