Grundlagen: Protektoren & Co. Schutzkleidung für Motorradfahrer im Überblick

Schutzkleidung kann viel Übel bei Stürzen ersparen. Dabei gibt es viele verschiedene Möglichkeiten um seinen Körper beim Motorradfahren zu schützen. 2Räder gibt einen Überblick über Protektoren und Schutzbekleidungen.

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Alles über Schutzbekleidung

Kein Vertun: Motorradfahren ist gefährlich. Das wissen Sie aber schon und tragen deshalb eine Schutzausrüstung. Was Sie vielleicht noch nicht wussten: Verletzungen an Hals und Wirbelsäule haben zwar die schwerwiegendsten Folgen, sind aber relativ selten. Am meisten leiden bei Stürzen Beine und Arme mit allem, was dazugehört. Bevor man sich also Gedanken um eine High-End-Halskrause macht, sollten die Gelenkprotektoren an Knien und Ellenbogen auf dem neuesten Stand sein.

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Eine gängige Größe zur Beurteilung deren Qualität ist die Restkraft, die sie in genormten Schlagversuchen zur betreffenden Körperpartie durchlassen; für sie sind in der Norm EN 1621-1 der Grenzwert von 35 kN (gemittelt über mehrere Schläge) festgehalten. Ein Gegenstand, der mehr Restkraft durchlässt, darf nicht „Gelenkprotektor” heißen. Pikant dabei: Menschliche Knochen brechen schon bei deutlich geringerer Krafteinwirkung, außerdem lässt die Norm vollkommen außer Acht, über welchen Zeitraum die Kraft wirkt: Je länger sie sich verteilt, desto weniger gefährlich ist sie (siehe Diagramm). Bis eine neue Norm all diese Punkte berücksichtigt, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Die nächste Stufe, die demnächst verbindlich wird, verlangt einen niedrigeren Grenzwert der gemittelten Restkraftwerte: 20 kN sind dann maximal erlaubt.

Mindestens so wichtig wie niedrige Restkraftwerte sind aber eine gute, dabei stabile Passform, eine rutschfeste Fixierung und ein möglichst geringer Einfluss auf die Beweglichkeit des Fahrers. Außerdem soll der Protektor verhindern, dass scharfe oder spitze Gegenstände den Fahrer verletzten.

Ob die Protektoren in einer Leder- oder einer Textikombi stecken sollen, ist beinahe Geschmackssache. Lederkombis hielten zwar im Schürf-Versuch bis zu 7 Sekunden durch, bevor das Material aufgerieben war. Allerdings sind die steifen, körpernah geschneiderten Klamotten nicht jedermanns Sache. Auch für Textilkombis sprechen gute Gründe, einer davon ist der oftmals deutlich niedrigere Einstiegspreis gegenüber einer Lederausstattung.

Hände und Füße werden in der Sicherheitsdiskussion gern vernachlässigt, dabei sind sie oft die ersten Körperteile, die bei einem Sturz Asphaltkontakt aufnehmen. Kein heißer Sommertag taugt als Grund, ohne Handschuhe Motorrad zu fahren; lieber hundertmal geschwitzt als einmal geschürft. Ob es die High-End-Racinghandschuhe mit dreifach gegenläufigen Klettriegeln, Rochenhaut und Kevlarschleifern sein müssen, entscheiden Sie selbst. Achten Sie bei der Anprobe (Lenker umfassen!) darauf, dass die Innenhand keine Falten schlägt und die Handschuhfinger nicht zu lang sind. Minimal zu enge Finger stellen kein Problem dar, Handschuhe weiten sich im Einsatz leicht. Unumgänglich ist ein stabiler Riegel am Handgelenk, der verhindert, dass die Handschuhe von den Händen rutschen, wenn sie gebraucht werden.

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Foto: jkuenstle.de

Verletzungsrisiko beim Sturz

Hals/Nacken: 8,5%
Schulter/Oberarm: 15%
Brustbereich: 16,5%
Rücken/Wirbelsäule: 8%
Unterarme/Ellbogen: 21 %
Hände/Handgelenk: 22%
Becken/Oberschenkel: 21%
Knie/Unterschenkel: 40%
Füße/Fußknochen: 19%

Gelenkprotektoren

Anprobieren! Das A und O bei Gelenkprotektoren ist ein perfekter Sitz. Weder dürfen die Schützer die Bewegungsfreiheit des Fahrers beeinträchtigen, noch sollen sie sich bei einem Sturz verdrehen oder verrutschen können. Deshalb: Textilkombi zum Händler mitnehmen, Protektoren einsetzen und auf den eigenen Motorrad in Fahrhaltung ausprobieren, ob alles knackig sitzt und nichts kneift. Am besten schon beim Kombi-Kauf darauf achten: Je bequemer die Kombi geschnitten ist, desto schwieriger ist es, die Protektoren gut zu fixieren.

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BMW NP
Der Weichschaum umschließt die Gelenke, insbesondere die Knie, absolut vorbildlich und
bietet gute Sicherheit. Preis für einen Komplettsatz: 84 Euro.

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Safemax PREMIUM 
In der Tat „premium“ – beim Schlagdämpfungstest und in der Komfortwertung Bestnoten. Mit 70 Euro/Satz eine gute Investition in die eigene Sicherheit.

Flächendeckende Protektoren

Unbedingt! Auch wenn schwere Rückenverletzungen eher die Ausnahme sind, kann ein Rückenprotektor vor üblen Folgen schützen. Weil er flächig auf einem flächigen Körperteil aufliegt, beeinträchtigt er die Bewegungsfreiheit kaum. Rückenprotektoren gibt es in unterschiedlichen Größen, häufig sind Jacken standardmäßig nur mit einer kleinen Größe oder sogar nur mit einem Schaumstoff-Dummy ausgerüstet. Daher genau hinschauen und bei Bedarf nachrüsten. Ein Protektor ist groß genug, wenn er auch die Schulterblätter abdeckt.

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Hiprotec Backshock 
Wirkungsvoll: Der Einschub-Protektor aus mehreren Lagen Weichschaum überzeugt mit nur 6 kN Restkraft bei der genormten Schlagdämpfungsprüfung.

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Supershield SC-1/15 
18,95 Euro, dafür gibt es eine Top-Passform, gute Belüftung und vergleichsweise wenig Gewicht. Der viskoelastische Schaumprotektor zum Einschieben ins Rückenfach.

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Dainese N-Frame BACK 3
Leichter, komfortabler und preiswerter (89 Euro) Hartschalen-Umschnallprotektor, der sich gut und körpernah fixieren lässt.

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Vanucci Protektorenweste
Ausgezeichnete Abdeckung von Nacken bis zum Steiß, sehr gute Schlagdämpfung (5,4 kN Restkraft). Die Weste wiegt aber 1 kg und kostet 139,95 Euro.

Handschuhe, Stiefel

Natürlich sieht es hawaii-mäßig cool aus, in Leinen-Halbschuhen und ohne Handschuhe am Schwimmbad vorzufahren. Im Erstfall haben dann aber genau die am meisten gefährdeten Körperstellen keinen Schutz. Hier für Sicherheit zu sorgen, ist gar nicht einmal teuer: Sehr taugliche Universalhandschuhe aus Leder gibt es bereits ab 30 Euro; wichtig ist vor allem eine taugliche Verriegelung, damit sie im Falle eines Sturzes nicht von der Hand rutschen. Stiefel fangen bei etwa 70 Euro an. Wer sehr sportlich unterwegs ist, investiert am besten noch ein bisschen mehr in ausgewiesene Sportstiefel, die maximalen Schutz bieten und mit austauschbaren Schleifstücken ausgestattet sind. Die Kehrseite dieser Spezialisten: Schon 10 Meter Fußweg vom Parkplatz zur Eisdiele können ganz schön anstrengend werden. Tourenstiefel reizen die Sicherheitsfrage nicht ganz so weit aus, sondern überzeugen mit hohem Tragekomfort und oft auch einer wasserdichten Membrankonstruktion. Sie sollten fest über den Knöcheln sitzen; Kurzstiefel, welche die Knöchel nicht überdecken, bieten deutlich weniger Schutz. Abriebfeste Werkstoffe sind selbstverständlich.

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Held Satu 
Erstklassiger Griff und dennoch eingestellt auf (fast) jede Wetterlage. Für 79,95 Euro bekommt man einen sehr zuverlässigen Reisepartner.

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Probiker Artic 3 
Bei Fahrten unter 10 °C gehören gut wärmende Winterhandschuhe an die Hände. Prima: die günstigen Probiker (49,95 Euro) sind abstreifsicher.

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Arlen Ness pro Shift 
Die Sportbike-Zeitschrift PS kürte den Stiefel (299 Euro) zum Testsieger. Erste Wahl für Sportfahrer mit hohem Sicherheitsbedarf.

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Daytona Journey XCR 
Bieten ordentliche Sicherheit, sind deutlich leichter und tragefreundlicher als normale Motorradstiefel. Für Stadtfahrten und Kurztouren (174,95 Euro).

Kombi

Textil oder Leder? Die Frage hat beinahe philosophische Tiefe. Fakt ist jedenfalls: Leder bietet nach wie vor den besten mechanischen Schutz, doch erhöht der Tragekomfort einer Textilkombi die aktive Sicherheit erheblich. Moderne Gewebe wie Dynax oder Cordura vollbringen aber in puncto Abriebfestigkeit fast Wunderdinge, Membranen sorgen für Wetterschutz. Allerdings sind die wirklich hochwertigen Textilkombis nicht zum Einsteigertarif zu haben. Bei Zweiteilern ist ein umlaufender, fest mit dem Oberstoff vernähter Reißverschluss Pflicht. Reißverschlüsse, die nur wenige Zentimeter lang und obendrein mit dem Futter vernäht sind, reißen im Ernstfall leicht aus. Die Kombination bietet dann natürlich keinen vernünftigen Schlag- und Schleifschutz mehr.

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Alpinestar Durban  
Ausgewogen gestaltete, komfortable und wetterfeste Highend-Textilkombi mit sattem Sitz und gutem, körpernahem Schnitt für 999,90 Euro. Passend für größere Reisen.

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Schwabenleder Classic Pro Sport 
Sportlich enger Schnitt, sehr funktionell, trotzdem zeitlos klassisches Aussehen. Eine Anschaffung fürs Leben. Dafür und für beste Sicherheit (robustes, 1,5 Millimeter dickes Rindsleder) sind rund 1300 Euro gut investiert.

Airbag-Westen und Hals-/Nacken-Schutzsysteme

Erst wenig verbreitet sind Airbag-Westen und Hals-/Nacken-Schutzsysteme. Die Dainese D-Air Street soll beim Sturz in 0,045 Sekunden auslösen und sich so aufblasen, dass das Luftpolster Rücken, Brustkorb, Schlüsselbein und lebenswichtige Organe schützt. Eine andere Rolle spielen Hals-/Nacken-Schutzsysteme, die derzeit vor allem im Offroad-Sport eingesetzt werden. Sie sollen ein Überstrecken des Kopfes verhindern und Verletzungen der Halswirbelsäule vorbeugen. Der tatsächliche Nutzen ist noch umstritten, da Unfälle auf Asphalt anders verlaufen als im Gelände. Eine unumstritten gute Idee sind hingegen Protektoren für den Brustbereich; Alpinestars ist einer der ersten Anbieter, andere werden sicher nachziehen.

Foto: Hersteller

D-Air Street von Dainese
Airbag-Westen  wie die neue D-Air Street von Dainese sollen so viel kosten wie ein Premiumhelm und lebenser
haltenden Schutz bieten.

Foto: Hersteller

LeaTt STX Road 
Das einzige nur für Straßenfahrer konzeptionierte System kommt von Pionier Leatt. Kostet 399 Euro

Foto: Zigliotto

Alpinestars Bionic Chest Pad     
Die Italiener haben viel im Rennsport erprobt und wollen mit neuen Protektoren (19,95 Euro) nun auch Tourenfahrer vom Brustbereichschutz überzeugen.

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