Bekleidung der Motorrad-Hersteller (Archivversion) Anzugsmomente

Immer mehr Motorrad-Hersteller wollen zum Bike auch den passenden Anzug verkaufen. Aber der Handel mit Motorrad-Bekleidung ist ein schwieriges Geschäft: Der gnadenlose Wettbewerb unter den Spezialisten macht Quereinsteigern das Leben schwer.

Hans Sautter, BMW-Pressesprecher, wundert sich: »Eigentlich erstaunlich, daß die Japaner sich da raushalten. Zumal sich damit nebenbei sogar Geld verdienen läßt.« Gemeint ist der Handel mit Bekleidung, Ausrüstung und Accessoires, den die Marktführer im Motorradhandel bisher vernachlässigen - wohl nicht ohne Grund. Wobei der Umsatz, den BMW mittlerweile mit Ausrüstung macht, tatsächlich beträchtlich ist. Etwa 50 Millionen Mark gaben BMW-Kunden weltweit im letzten Jahr für die Ausrüstung vom Koffer bis zum Helm aus. Auf Zahlen in vergleichbare Größenordnung kommt allein Harley-Davidson, deren Jacken genau wie die Motorräder schon fast wie Kultobjekte gehandelt werden. Mit dem Komplettangebot vom Motorrad bis zur Funktionsunterwäsche lassen sich die Kunden an die Marke binden, der Kontakt zum Händler läßt sich vertiefen. Die Identifikation mit der Marke wächst. Allerdings gelingt die Erweiterung der Produktpalette nicht ohne weiteres. Bekleidung ist für einen Motorrad-Hersteller zunächst einmal Neuland. Unbekanntes Terrain zu erobern kostet Kraft und vor allem Geld. Bis damit verdient wird, muß kräftig investiert werden. Diese Talsohle hat Triumph nach eigennem Bekunden überschritten. 1995 begannen die Engländer mit einem kleinen Programm. »Seit dem letzten Jahr werden schwarze Zahlen geschrieben«, vermeldet Presse-Mann Bonsels hochoffiziell. Ohne Unterstützung durch das Mutterhaus tun sich die Landes-Importeure schwer. Das Bekleidungsgeschjäft weltweit zu organisieren fällt schwer, zu unterschiedlich sind die Märkte. Was in Deutschland läuft, kann in Italien ein Flop sein. »Die Produktidee ist wichtig«, sagt Hans Sautter. Es reicht nicht, sich einen Konfektionär zu suchen und mit dem hart umkämpften Bekleidungsmarkt in Konkurrenz zu treten. Gegen deren Sonderaktionen und hat ein Novize praktisch keine Chance. Denn über den Preis ist der teure und schwerfällige Umweg über den Motorrad-Hersteller nicht durchzustehen. Man muß sich abheben, um Kunden überzeugen zu können. So konnte BMW den System-Klapphelm im Laufe seine vier Evolutionsstufen mittlerweile 700 000mal verkaufen. Mit dem hochklappbaren Kinnteil war der System dank Patentschutz lange Zeit konkurrenzlos. Yamaha zum Beispiel tut sich da mit seinem konventionellen Helm-Programm schwerer, der Kunde greift lieber zum Sonderangebot im Regal daneben. So werden BMW, Harley und Triumph mit ihrem Komplett-Angebot wohl auch in Zukunft weiter unter sich bleiben.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote