Beratung: Enduro-Bekleidung (Archivversion) Schlamm drüber

Enduro fahren stellt nicht nur an den Piloten und das Fahrzeug hohe Anforderungen, sondern verlangt auch von der Bekleidung das Äußerste. MOTORRAD zeigt anhand sechs ausgewählter Kombinationen, worauf es ankommt.

Die Zeiten, in denen Endurofahrer mit schweren Lederanzügen unterwegs waren, sind längst vorbei. heute ist multifunktionelle Textil-Bekleidung angesagt. Am Beispiel von sechs aktuellen Textil-Paarungen zeigt MOTORRAD, worauf es bei der Auswahl von Enduro-Bekleidung ankommt. Und zwar beispielhaft an Enduro-tauglicher Ausrüstung von Büse, Dainese, Götz, Hein Gericke, Held und Stadler, weitere Anbieter sind auf Seite 196 im Adresskasten aufgelistet. Da sich Endurofahrer sowohl auf der Straße als auch auch im Gelände tollen, muß die Bekleidung vielen Anforderungen gerecht werden. Besonders zählen im Gelände zwei Dinge: Die Beweglichkeit sollte auf keinen Fall durch einen schweren, steifen Anzug eingeschränkt werden, und die Belüftung sollte wegen gelegentlicher schweißtreibender Körperübungen möglichst variabel sein. Extreme Sportfahrer bevorzugen daher möglichst dünne, crossmäßige Bekleidung. Die hat für den Gelegenheits-Enduristen den Nachteil, daß sie meist nicht dauerhaft wasserdicht ist und bei Kälte auch schlecht isoliert.Einen breiteren Einsatzbereich haben die hier gezeigten Anzüge - Kompromisse für Hobby-Enduristen eben. Belüftungsöffnungen sorgen bei einigen bei Bedarf für willkommene Kühlung - das hat schon so manchen Fahrer vor dem Hitzekollaps bewahrt. Die Jacken von Hein Gericke und Held tragen mehrere dieser Belüftungsöffnungen - verteilt auf Arme, Schultern und Rücken. Bei der Stadler-Jacke gibt es eine große Öffnung am Rücken, die von einem Ellbogen zum anderen reicht und wie bei der Konkurrenz mit einem Reißverschluß betätigt wird. Bei den Hosen sind Belüftungsöffnungen seltener, nur die Modelle von Hein Gericke und Held haben welche im Bereich der Oberschenkel.Wind- und wasserdichte, atmungsaktive Membrane gehören fast schon zur Grundausstattung. Allerdings sei angemerkt, daß selbst gute Membrane bei schweißtreibenden Einsätzen schnell an ihre Grenzen stoßen. Bis auf den Dainese-Anzug sind alle Kandidaten mit einer solchen Membrane versehen, alternativ hat aber auch Dainese eine Auswahl an Textilanzügen mit Gore-Tex-Membran im Programm. Nachteilig bei den Anzügen von Hein Gericke und Held, daß die Membran fest mit dem herausnehmbaren Innenfutter verbunden ist. Wer also im Hochsommer auf einen Regenschauer vorbereitet sein will, muß wohl oder übel mit warmer Innenjacke herumfahren oder diese zumindest im Gepäck mitführen.Bei Kälte hingegen sorgen die zusätzlichen Innenfutter für angenehme Temperaturen. Nur der Anzug von Stadler verzichtet auf ein herausnehmbares Futter. Alle anderen Teilnehmer haben zumindest in der Jacke eines, das über Reißverschlüsse und Druckknöpfe befestigt wird. Die Hosen von Götz, Hein Gericke und Held ziert ebenfalls ein variables Innenfutter. Der weite Schnitt bei Enduro-Bekleidung läßt es sogar zu, noch weitere, wärmende Klamotten darunter anzuziehen. Wer viel in der Übergangszeit oder gar im Winter unterwegs ist, sollte das bei der Größenwahl berücksichtigen.Da Enduristen gern jede Menge Kleinkram mit auf die Tour nehmen, sind alle Jacken ausreichend mit Taschen versehen. Die Modelle von Dainese und Held bieten sogar eine größere Rückentasche, die möglicherweise einen Rucksacks überflüssig macht. Allerdings ist der Tascheninhalt für den Träger nur schwer zu erreichen.Zum Thema Sicherheit, und eins gleich vorneweg: Textilanzüge - auch wenn sie, wie alle sechs Kandidaten, reichlich Protektoren bereithalten - kommen nicht an die Sicherheit einer guten Lederkombi heran. Die verwendeten Stoffe - in erster Linie Cordura - sind in den letzten Jahren jedoch hinsichtlich Reiß- und Abriebsfestigkeiten verbessert worden. Als großes Problem bei den weit geschnittenen Textilanzügen müssen die im Ernstfall leicht verrutschenden Protektoren gelten. Mit einstellbaren Gurten an Ellbogen und Knien, wie sie beispielsweise Hein Gericke beim Rallye-Anzug verwendet, läßt sich die Gefahr des Verrutschens etwas verringern. Wer sich zusätzlich schützen möchte, der findet im Kasten »Untendrunter« einige Tips.Spätestens dann, wenn es an die Reinigung der Motorrad-Bekleidung geht, zeigt sich ein großer Vorteil der Textil-Anzüge gegenüber Leder. Nur die Fimen Dainese und Held empfehlen vorsichtshalber Handwäsche, alle anderen vorgestellten Enduro-Anzüge können nach Herausnahme der Protektoren problemlos bei 30 Grad in der Waschmaschine gewaschen werden. Und das zählt unter Enduristen, die sich gern in »Schlammassel« begeben, zu den wichtigsten Kauf-Kriterien.

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