Beratung: Helm-Pflege und Zubehör (Archivversion) Pflege-Notstand

Kratzer im Lack? Quietschendes Visier? Plattgedrückte Polster? Schmieriges Innenfutter? Oder ist gar eine Schraube am geliebten Kopfschutz locker? MOTORRAD besuchte die Helmklinik und holte Tips.

Pflege deinen Helm, als wär’s dein eigener Kopf, lautet ein altes Motorradfahrer-Sprichwort. Die Visiere verkratzen, die Rastmechanik leiert aus, das Innenfutter verschmutzt, und die Polster setzen sich.Irgendwann trägt man ein wackeliges, blindes, gammelig riechendes Teil auf dem Kopf - vor allem aus Sicherheitsgründen eine Angelegenheit, die vermieden werden sollte. Verkratzte Visiere trüben bei Tag die Sicht, in der Nacht sieht der Fahrer bei jedem entgegenkommenden Fahrzeug Sternchen, als stünde er direkt unter einem Sommernachtsfeuerwerk. Kommt noch ein Schauer hinzu, gerät die Motorradtour zum gefährlichen Blindflug. Ein neues Visier muß her.Wen allerdings dann der Visierwechsel überfordert, der sollte nicht gleich an seinem Verstand zweifeln. Ausgeklügelte Einrasthebeleien der Seitendeckel oder der Visiere erschließen sich nicht immer von selbst, deshalb ist es ratsam, die Gebrauchsanweisung nach dem Kauf des Helms nicht gleich in den Müll zu werfen.Gegen Quietschen und Knirschen helfen Schmierstoffe auf Silikonbasis, die bei vielen der teureren Helme mitgeliefert werden. Verboten ist Öl, da es die Kunststoffe angreift, als Ersatzstoff hat sich Vaseline bewährt. Gehen Seitendeckel verloren oder sind die Rastzähne abgenutzt, können die Ersatzteile nachgekauft werden, manch ein Hersteller bietet außerdem unter anderem Lüftungsaufsätze und Wangenpolster an. Vor allem letzteres ist sehr nützlich, da sich die Polster im Lauf der Tragezeit setzen. Und um eine gute Paßform zu garantieren, muß ein Helm auch an den Wangen gut anliegen. Selten kann wie bei Schuberth-Helmen im Werk für XY Mark die gesamte Innenausstattung erneuert werden.Mehr oder weniger unmöglich gestaltet sich bei den meisten Intergralhelmen die Reinigung nicht nur der Polster, sondern des gesamten Innenfutters. Schweiß, Haare, Staub bleiben kleben, deshalb greifen viele Fahrer als Prophylaxe zur Sturmhaube. Sprays zur Innenpolsterreinigung, wie beispielsweise von Sonax, sind weniger empfehlenswert. Nicht alle darin befindlichen chemischen Stoffe verflüchtigen sich und haften in den Fasern. Schmutz wird leichter angezogen, außerdem gelangen die Substanzen auf die Kopfhaut, obwohl der Dosenaufdruck rät: »Bei Berührung mit Haut und Augen gründlich mit Wasser abspülen.« Herausnehmbare Innenfutter, wie bei Endurohelmen seit langem gebräuchlich, lassen sich waschen. Einige Hersteller von Integralhelmen wie Bell, Bieffe oder Shark ziehen langsam nach.Bleiben noch ein paar Tips zur äußerlichen Renovation. Kleinere Macken lassen sich mittels bunter Lackstifte beheben, bei größeren hilft Abdecken durch Aufkleber. Ob dazu ein reflektierender Sicherheitsbepper genommen wird oder ein freundliches Marsupilami aus dem Comicladen, ist eine Frage der Lebenseinstellung.

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