Beratung: Motorradkleidung für Frauen (Archivversion)

Unter Frauen

Frauen fahren gern Motorrad. Doch die Suche nach geeigneter Kleidung in einer männerfixierten Welt vermieste lange Zeit den Spaß. Jetzt gibt es neue Schnitte - speziell für Frauen. Ob sie auch passen?

Motorradkleidung muß passen. Doch bis vor einigen Jahren noch konnten Frauen entweder Maßschneider aufsuchen oder mußten bei den Stangenanzügen Kompromisse eingehen. Dabei war das Problem der Oberweite - unsere Artgenossen träumen immer von platzenden Reißverschlüssen in der Höhe der sekundären Geschlechtsmerkmale - meist zweitrangig.Die Längen von Ärmel und Beinen wie deren Weiten stimmten beispielsweise nicht. Und paßten die Hosen über die Hüften, war an der Taille genug Platz für diverse Proviantpakete.Doch mit der wachsenden Zahl von Motorradfahrerinnen entdeckten verschiedene Bekleidungshersteller die neue Zielgruppe und setzten ihre Designer an die Entwicklung von eigenen Schnitten für die Bikerinnen. Daß diese immer noch nicht allen Frauen passen, liegt in der Natur der Dinge. Auch Bekleidungsteile des Alltags passen nicht immer und nicht allen, doch da sind die Auswirkungen weniger gravierend. Dann schlappert die Hose halt ein wenig, und die Jacke im Oversize-Look kann durchaus gut aussehen. Auf dem Motorrad stehen dagegen weniger modische Aspekte im Vordergrund, vielmehr sollte die Bekleidung beim Fahren und natürlich auch bei einem Sturz den menschlichen Körper gegen äußerliche Einwirkungen schützen. Dazu müssen zuallererst die verwendeten Materialien tauglich sein. Sie sollten in gewissen Maßen Wind, Regen und Sonne abhalten und bei Kontakt mit dem Asphalt nicht sofort durchscheuern. Außerdem müssen sie Protektoren aufnehmen, die Knochen und Gelenke beim Aufprall vor schmerzlichen Verletzungen bewahren (siehe Kasten Seite 137).Das Naturprodukt Leder hat sich vor allem in puncto Unfallschutz am besten bewährt. Seine Abriebeigenschaften sind immer noch konkurrenzlos, seine Reißfestigkeit ist ideal - vorausgesetzt allerdings, daß ein Leder von guter Qualität verwendet wird und daß sich die Verarbeitung nach motorradspezifischen Kriterien richtet. Die Lederstücke sollten möglichst groß sein, denn Nähte sind die schwachste Stelle eines Kleidungsstücks. Und nur gedoppelte und nach innen vernähte Verbindungsstellen garantieren ein Mindestmaß an -Sicherheit.Moderne Textilien versuchen, auf der einen Seite an die guten Eigenschaften von Leder heranzukommen, auf der anderen Seite mehr Funktionalität zu bieten. Die als Klimamembran bekannten Inlets halten im günstigsten Fall Wind und Wasser ab und lassen Schweiß nach außen durch. Die Textilanzüge besitzen zudem wärmende Innenfutter und viele Taschen.Das Mehr an Komfort bezahlt die Trägerin aber mit einem Weniger an Schutz. Ohne Innenfutter sitzen die Protektoren nicht mehr verrutschsicher, deshalb sollen Weitenverstellung am Oberarm Abhilfe schaffen. Auch im Abrieb kommen nur kevlarverstärkte Materialien annähernd an Leder heran, doch diese sind steif und unangenehm zu tragen. Viele Konfektionäre greifen zu Cordura als Grundstoff und verstärken die sogenannten sturzgefährdeten Stellen mit Dynax oder ähnlichen Geweben, die Bestandteile der Superfaser Kevlar enthalten.Doch all die Sicherheitsargumente - passive Sicherheit - nützen nichts, fühlt sich eine Person in ihrer Kleidung nicht wohl. Das Wohlfühlen, das manchmal in krassem Gegensatz zur Vernunft steht, unterstützt das »Sichsicherfühlen« auf dem Motorrad, das »Kopffreihaben« für den Straßenverkehr, genannt aktive Sicherheit. Manch Kleidungsstück, das weder perfekt sitzt, noch aus abriebfestestem Material besteht, noch die tollsten Protektoren besitzt, trägt sich trotzdem wunderbar angenehm. Dieser subjektive Faktor ist deshalb bei einem Kauf nicht zu vernachlässigen. Jede der hier vorgestellten elf Lederkombis und jeder der dreizehn Textilanzüge findet sicherlich irgendwo eine Trägerin, die begeistert davon ist. Leserinnen, die dem MOTORRAD-Aufruf gefolgt sind, ihre Erfahrungen mitzuteilen, bevorzugten zum Teil Modelle, die nach objektiven Gesichtspunkten nicht empfehlenswert wären - weil Paßform nichts ist, was sich wie Abriebwerte oder Reißfestigkeit einfach auf einem Prüfstand ermitteln läßt. So kann dieser Test es niemandem ersparen, selbst auf die Suche zu gehen - obwohl jedes Produkt in drei verschiedenen Größen vorlag und von drei Frauen beurteilt wurde. Es wird auch Motorradfahrerinnen geben, denen keiner der oben genannten Anzüge paßt, die sich in keinem wohlfühlen. Diese verweisen wir auf eine Aufstellung von Maßbekleidungs-Anbietern auf Seite 139.
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Frauen-Motorradbekleidung: Beratung (Archivversion) - Händleradressen

Akito: Motoport, Telefon 04451/915350; BMW, Sparte Motorrad, Telefon 089/149040; Dainese: Rallye Sport, Telefon 08821/93010; Frank Thomas, Telefon 02102/25831; Hein Gericke, Telefon 0211/98989; Held, Telefon 08321/66460; IXS: Hostettler, Telefon 07631/18040; Motoline: Motoport, Telefon 04451/915350; MQP: Motorama, Telefon 02234/691934; Polo, Telefon 0211/979696; Rukka, Telefon 040/5511055; Schlier, Telefon 08234/902363; Schuh, Telefon 06851/89010; Schwabenleder, Telefon 07181/967010; Stadler, Telefon 08543/96200

Frauen-Motorradbekleidung: Beratung (Archivversion) - Schützende Schützer

Ein Motorradanzug, gleich ob aus Textil oder Leder, ohne Schützer an den sogenannten sturzgefährdeten Stellen ist heutzutage undenkbar. Protektor dürfen sich aber nur noch die Teile nennen, die nach einer bestimmten CE-Norm (prEN 1621) geprüft sind. Darin wird nicht nur Form und Größe vorgeschrieben, die Protektoren müssen auch auf einem Prüfstand ihre Stoßdämpfung unter Beweis stellen. Dazu fällt ein fünf Kilogramm schwerer Schlagbolzen aus poliertem Stahl auf einen halbkugelförmigen Amboß, der mit dem Protektor bedeckt ist. Die Aufschlagskraft muß 50 Joule betragen, die verbleibende Restkraft darf im Mittel von fünf Messungen nicht über 35 Kilonewton hinausgehen. Auch wenn Experten behaupten, diese Werte seien nicht praxisgerecht, so können die CE-Protektoren doch einen gewissen Schutz gewährleisten - im Gegensatz zu den weichen Schäumen ohne CE-Aufschrift.Aber ein Protektor nützt nur, wenn er bei einem Sturz auch an der zu schützenden Stelle bleibt. Sind die Kleidungsstücke an Knien oder Ellbogen zu weit, wird der Aufschlag eine schmerzhafte Angelegenheit.

Frauen-Motorradbekleidung: Beratung (Archivversion) - Maßgenommen...

Alne: Lederkombi zirka 2000 Mark, Adresse: Römerstraße 13, 63843 Niedernberg, Telefon 06028/8402Corazzu: spezielles Sommerangebot (zwei Übernachtungen für zwei Personen, Tourplan, Maßnehmen, Anprobe) 2350 Mark, Maxstraße 4-6, 52070 Aachen, Telefon 0241/9019545Erbo: Maßzuschlag 375 Mark (Stange von 1750 bis 2000 Mark), Adresse: Brokweg 1, 33039 Nieheim, Telefon 05274/489Harro: Maßzuschlag 395 Mark (Stange von 1200 bis 1400 Mark), Adresse: Aispach 16, 72229 Rohrdorf/Nagold, Telefon 07452/83860Josef Joy: Lederkombi 1700 bis 1800 Mark, Adresse: Bahnhofstraße 14, 59439 Dortmund, Telefon 02301/6537Leder-Roth: ??? Mark, Jaguarsteig 25, 22527 Hamburg, Telefon 040/408038Lutter Kleidung: Lederhose und -jacke zusammen zirka 800 Mark, Adresse: Bachstraße 12, 38729 Lutter, Telefon 05383/8105Pfeilschifter Lederjeans zirka 340 Mark, Adresse: Am Bahnhof 12, 93426 Roding, Telefon 09461/1607Schlier: Lederkombi zirka 1400 Mark, Textil 100 % Aufpreis zur Stange, Adresse: Waldstraße 27, 86399 Bobingen/Wehringen, Telefon 08234/902363Stadler: bei Totalmaß Textil 850 Mark, Leder 780 Mark Aufschlag zur Stange (siehe Tabelle), Adresse: Fohlenweidenweg 7, 94501 Aidenbach, Telefon 08543/96200Schwabenleder: Preis bei Vollmaß 20 % zum Grundpreis (zirka 2000 Mark), sonst je Änderung zur Stange 30 Mark, Adresse: Fabrikstraße 22, 73650 Winterbach, Telefon 07181/967010Toni’s Ledermoden: Kombi ab 1000 Mark aufwärts, Adresse: Rothenbaumchaussee 137, 20146 Hamburg, Telefon 040/41350494W+R, Weiblen und Rümmelin: Lederkombi von 1000 bis 1200 Mark, Stuttgarter Straße 54, 72555 Metzingen, Telefon 07123/96740Waco: Lederkombis ab 1850 Mark, bei EM-Direkt, Prof. Carl Reiser Straße 43, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Telefon 08821/56388

Frauen-Motorradbekleidung: Beratung (Archivversion) - Und was sagen die Leserinnen?

Motorradkleidung, die richtig gut aussieht, gibt es nur an Models und in Katalogen. Das gilt für Männer und für Frauen. Für die Werbung werden extra Klammern gesetzt, bis der Fotograf zufrieden ist. Man kann damit nur laufen, aber nicht fahren, oder man kann damit fahren und laufen, dann sehen sie wieder aus wie Säcke.Veronika Giemsa, Hoen, LuxemburgWir sind zwei Motorradfahrerinnen benutzen seit Jahren das gleiche Produkt mit unterschiedlichen Erfahrungen:Uschi Hoier: Ich hatte mit der Kombi einen Sturz, den sie gut weggesteckt hat. Der Halsausschnitt ist zu eng. Bereits nach kurzer Zeit kühlen die Beine aus. Es »zieht« in der Kombi. Die Armbündchen drücken oft schmerzhaft. Der Klettverschluß scheuert, die Protektoren in der Hose (Knie) verschieben sich beim Einsteigen. Ich würde die Kombi nicht noch einmal kaufen.Jeniifer Sirtl: Ich finde die Kombi im großen und ganzen super. Die Paßform ist bei mir gut, der Wetterschutz ebenfalls. Unangenehm wird das Futter, wenn’s heiß ist, und es dann am Körper klebt. Die Katalogabbildung stimmt mit dem realen Outfit nicht überein, bei uns sieht die Kombi besser aus. Ich würde die Kombi jederzeit ohne Bedenken wieder kaufen.Lederkombis: Keine Chance - Hose viel zu lang, Jacke viel zu klein, an Frauengrößen nicht zu denken. Die VerkäuferInnen: Lassen Sie sich doch eine schneidern. Bin ich Rockefeller? Lederhose einzeln: nur in Herrengrößen vorhanden. Wenn sie oben paßt, sitzen die Knieprotektoren wie Schienbeinschützer. Will ich Fußballspielen? Damengrößen? Für kleine Moped-Püppis (Größe 36/38) war alles vorhanden. Lederjacke einzeln: Keine Damenschnitte, und wenn, dann spannt die Jacke vorne, und beim Armanwinkeln hängen die Protektoren an den Ohren. Langsam komme ich mir vor wie ein Monster.Susanne Schubert, HamburgGott sei Dank hat der liebe Gott uns nicht eine andere Kopfform als den Männern verpaßt, sonst müßten wir noch mit Eimern oder Töpfen rumfahren.Martina Dieck, Osnabrück

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