Beratung (Archivversion)

Normen

ECE-geprüfte Helme sind zwar nicht vorgeschrieben, aber aus Sicherheitsgründen dringend zu empfehlen

Ob Bananen, Paletten oder Kinderwagen – die Normierungswut in der Europäischen Union kennt bekanntlich keine Grenzen. Im Helmbereich steht jedoch der Nutzen der schon seit Anfang der achtziger Jahre existierenden ECE-Norm bei Fachleuten außer Frage. Bereits Anfang 1990 wurde eine Tragepflicht für »amtlich geprüfte« Helme in den Paragraph 21a der Straßenverkehrs-Ordnung aufgenommen. Dies führte damals zu Protesten der Motorradfahrer, da schlagartig der gesamte Altbestand illegal geworden wäre. Eine eilig geschaffene Übergangslösung sollte den Wechsel freundlicher gestalten. Diese Ausnahmeverordnung besteht jedoch bis heute, so dass in Deutschland das Tragen von nicht homologierten Schutzhelmen immer noch erlaubt ist. Feuerwehr-, Fahrrad-, Militär- oder Arbeitsschutzhelme sind aber ausdrücklich verboten. Erwischt die Polizei also einen Chopperfahrer mit Stahlhelm, ist wie beim Fahren ohne Helm ein Bußgeld von 40 Mark fällig. Kniffelig wird es bei Motorradhelmen ohne ECE-Prüfung, etwa Jethelmen im Nostalgielook oder so genannten »Brain Caps«, minimalistischen Halbschalen für harte Biker. Auch wenn diese Mützen den kritischen Augen der Gesetzeshüter im Einzelfall noch standhalten mögen, kann der knappe Kopfschutz bei einem Unfall unangenehme Konsequenzen haben. Bei einem Rechtsstreit um Schmerzensgeld oder Leistungen der Unfallversicherungen zum Beispiel wird sich die gegnerische Partei darauf berufen, dass der Helm nicht dem Stand der Technik entspricht, und den bestimmt heutzutage das Sicherheitsniveau der ECE-konformen Schutzhelme. Im ungünstigen Fall könnte das bedeuten: Eine Versicherung darf Leistung kürzen oder verweigern. Ähnlich sieht die Rechtslage bei getönten Visieren aus. Grundsätzlich sind getönte oder verspiegelte Visiere in Deutschland – anders als in England – erlaubt. Wer jedoch bei einbrechender Dunkelheit mit seinem schwarzen Streetfighter-Visier einen Fußgänger übersieht und überfährt, handelt grob fahrlässig und muss mit Konsequenzen rechnen. Allerdings gilt zunächst immer die Unschuldsvermutung, den Schuldbeweis muss die gegnerische Partei bringen.Die Empfehlung von MOTORRAD: Achten Sie beim Kauf auf den ECE-Sticker, ob 22.03, -.04 oder -.05. Getönte Visiere können bei grellem Tageslicht die Sicht verbessern, im Dunkeln sind sie gefährlich. Daher bei längeren Touren stets ein klares Visier zum Tausch mitführen.
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Was wird geprüft? (Archivversion)

Die ECE R 22 (erste Version 22.02 ab 1982) stellt Mindestanforderungen in Kriterien, die für die aktive und passive Sicherheit von Bedeutung sind. Die derzeit gültigen Versionen: 22.04 (Homologation noch bis Ende 2001, Verkauf bis Mitte 2003 zulässig) und die 22.05 (seit Anfang 2001). Am eingenähten Sticker zeigen die ersten zwei Ziffern der achtstelligen Prüfnummer die Norm. Die Ziffer hinter dem eingekreisten E steht für das Prüfland, etwa 1 für Deutschland oder 3 für Italien. Die wesentlichen Prüfungen: Stoßdämpfungswerte mittels Falltests auf einen flachen Untergrund (flat) oder eine Kante (Kerbstone) und ein Abstreiftest, der ermittelt, ob der Helm vom Kopf geschleudert werden kann. Weitere Vorschriften: Größe der Dämpfungsschale, chemische Beständigkeit der Außenschale, Kinnriemen, Verschluss, Sichtfeld.In der aktuellen 22.05-Version darf außerdem die Visiertönung statt bisher 25 maximal 50 Prozent betragen, ein getöntes Visier muss mit einem Sonnensymbol oder dem Aufdruck »Daytime« gekennzeichnet sein, die optische Qualität (Brechwerte) wird überprüft. Die Dämpfung des Kinnteils kann geprüft sein, zu erkennen an dem Zusatz P (geprüft), NP (nicht geprüft) oder J (Jethelm) am Ende der Prüfnummer.

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