Beratung (Archivversion) Wie lange halten Helme?

Sie schimmeln nicht, sie werden nicht schrumpelig, und sie zerbröseln nicht: Wann also ist das Verfallsdatum eines Helm überschritten?

Zigtausende von Helmen Marke uralt sind immer noch auf deutschen Straßen unterwegs. Rollerfahrer mit Halbschalen-Schüsseln aus den Siebzigern, Endurofahrer mit kampferprobten Nava 2-Mützen, Tourer mit BMW System 1-Klassikern - alles ganz normal. Oder tickende Zeitbomben? MOTORRAD wollte es genau wissen und prüfte im Labor von Schuberth erstmals nicht neue Helme, sondern ein gutes Dutzend gebrauchter Hüte aus dem Fundus altgedienter Kollegen mit fünf bis 20 Jahren und bis über 100 000 Kilometern. Die Frage: Hat die dämpfende Innenschale sich vielleicht im Laufe der Jahre unmerklich aufgelöst, oder zerbröselt die Außenschale eventuell schon beim kleinsten Aufprall in tausend Einzelteile?Überraschendes Ergebnis: Bis auf eine Ausnahme standen die Stoßdämpfungswerte der getesteten alten Helme denen neuer Exemplare desselben Typs nur wenig nach. Eine substantielle Verschlechterung infolge Alterung ist demnach nicht zu erkennen, die Werte können sich sogar im Vergleich mit aktuellen Helmen sehen lassen. Das gilt für günstige Polycarbonat-Helme wie teure Duroplast-Versionen. Die Messungen belegen demnach: Die Innenschale altert offensichtlich kaum, die dämpfenden Eigenschaften bleiben lange erhalten. Interne Versuche bei Schuberth bestätigen die Tendenz, unter extremen Bedingungen künstlich gealterte Helme dämpften im Durchschnitt nur wenig schlechter. Dass sich ein solches Ergebnis nicht verallgemeinern lässt, beweist der Ausreißer des Tests, ein Agv-Helm, der allerdings mit seinen zwanzig Jahren auch der älteste geprüfte Helm im Test war. Also ein Freibrief für das ewige Helmleben? Mit Sicherheit nicht. Denn ebenso wichtig wie die Stoßdämpfung ist bei einem Sturz der gute Sitz. Denn was nützt der beste Helm, wenn Fahrer und Helm sich bereits vor dem Aufprall trennen? In diesem Punkt haben alle getesteten Althelme deutlich nachgelassen. Zwar haben sie sich im Laufe der Jahre dem Schädel ihrer Benutzer angepasst und werden gerade deshalb als besonders bequem beurteilt. Doch sind die Oldtimer bei objektiver Beurteilung durchweg ziemlich ausgelutscht und schlabbern locker auf dem Kopf. Das Fazit: Eine pauschale Lebensdauer kann nach diesem Test nicht genannt werden, das gilt für gespritzte wie laminierte Modelle. Ein Helm kann bei pfleglicher Behandlung und wenigen tausend Kilometern Jahresleistung problemlos ein Jahrzehnt überstehen. Umgekehrt kann der Hut eines Vielfahrers auch nach zwei Jahren reif für den Mülleimer sein. Außerdem bleibt natürlich immer ein gewisses Restrisiko, die getesteten Oldies sind schließlich nur Stichproben. Wer auf Nummer sicher gehen will, schickt seinen alten Hut also lieber rechtzeitig in Pension. Ganz abgesehen davon bleibt die Helmentwicklung ja auch nicht stehen. Die Sicherheit mag sich seit Einführung der ECE-Helmnorm zwar nur in kleinen Schritten verbessert haben, Mechanik, Ausstattung, Gewicht oder Verarbeitung aber doch beträchtlich. Alles gute Argumente für eine gelegentliche Neuanschaffung.

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