Die Helme der MotoGP-Fahrer (Archivversion) Kopf-Sache

Welche Helmmarke MotoGP-Piloten tragen, hat neben den persönlichen Vorlieben der Fahrer auch ganz handfeste wirtschaftliche Gründe. Warum Replika-Helme so teuer sind und wie viel die Basisvariante des jeweiligen Modells kostet, präsentiert MOTORRAD in einer Übersicht.

Für die Helmhersteller sind Rennfahrer sowohl dankbare Kunden als auch fachkundige Entwicklungshelfer. Die Erfahrungen aus unzähligen Rennkilometern und zwangsläufig dem einen oder anderen Sturz bringen regelmäßig neue Erkenntnisse für Verbesserungen des so wichtigen Kopfschutzes. Dass im MotoGP aber nur acht Helmmarken (siehe Kasten Seite 89) vertreten sind, liegt nicht etwa daran, dass andere Hersteller keine hochwertigen Helme im Sortiment haben. Einige Firmen verfolgen andere Marketing-Strategien und setzen ihr zur Verfügung stehendes Werbe­budget lieber im Fernsehen und/oder in Printmedien ein. Oder sie können oder wollen die oft immensen Sponsorengelder einfach nicht aufbringen. Für kein anderes Ausrüstungsteil zahlen die Hersteller nämlich höhere Prämien. Von über eine Million Euro pro Saison für Topstar Rossi wird gemunkelt, der zugegebenermaßen diese Statistik mit meilenweitem Abstand anführt. Außerdem zahlen einige Firmen beim Verkauf eines Replika-Helms Provision an den entsprechenden Rennfahrer.
Logisch, dass dieses Geld, wenigstens zum Teil, durch den Verkauf von Helmen und anderer Produkte der Marke wieder reinkommen muss. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass die Replika-Variante im Vergleich zum baugleichen Standardhelm noch mal teurer ist, obwohl sie sich nur im Design, nicht jedoch in der Funktion unterscheiden. Wobei ein nicht unerheblicher Teil der Mehrkosten die zum Teil sehr aufwendigen Grafiken verursachen, die in kostenintensiver Handarbeit aufgebracht werden müssen.
Laut Importeuren sollen übrigens sämtliche MotoGP-Piloten völlig serienmäßige Helme von der Stange tragen, die sich lediglich in kleinen Details wie angepassten Innenpolsterungen, zusätzlichen Abreißvisieren, den obligatorischen Sponsorenaufklebern oder leicht modifizierten Belüftungskanälen von der für Endkunden erhältlichen Ware unterscheiden. Schließlich müssen die Helme der Rennfahrer den Anforderungen bezüglich Stoßdämpfung und Sicherheit der obersten Rennsportbehörde (FIM) entsprechen, was die nach ECE oder Snell geprüften, im Handel erhältlichen Modelle im Allgemeinen tun.
Dass der Rennsport den Bekanntheitsgrad einer Marke gewaltig steigern kann, zeigt das Beispiel Schuberth. Der Hersteller ist zwar nicht im MotoGP vertreten, hatte aber bis vor kurzem einen anderen prominenten Werbeträger: Formel-1-Pilot Michael Schumacher. Der hat aber keinen einzigen Euro dafür erhalten, dass er mit einem Schuberth-Helm fuhr. Der Super-Star wollte lediglich den seiner Meinung nach besten Schutz für seinen Kopf.
Und das sollte auch jeder Motorradfahrer anstreben, unabhängig von der Marke. Und ob er beim Kauf mehr Geld ausgibt, um sich die exklusive Replika zu leisten oder den günstigeren unifarbenen Helm wählt, dürfte auch beim gewöhnlichen Biker neben persönlichen Vorlieben ganz wirtschaftliche Gründe haben.

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