Gift im Leder: Test der Schadstoffe in älteren Kombis (Archivversion) Nicht alles Chrom, was glänzt

Einige Milligramm Chrom VI im Leder -woher kommt es, wie gefährlich ist es, und was kann dagegen getan werden?

In seiner Stellungnahme zum Artikel »Mitgift?« aus MOTORRAD 3/1998 schreibt der Industrieverband Motorrad (IVM): »Trotz aller Forschungsarbeiten und trotz aller Gesetze und Verordnungen ist es natürlich nie auszuschließen, daß neue Untersuchungen schädliche Substanzen nachweisen, deren Vorkommen bislang unbekannt war beziehungsweise die in einschlägigen Regelungen nicht erfaßt sind....Das Aufspüren von Chrom VI in einigen untersuchten Jacken ist deshalb sicher als Verdienst von MOTORRAD zu werten, auch wenn die gefundenen Konzentrationen weit davon entfernt sind, ein erhebliches Gesundheitsrisiko darzustellen...« Derart Lob kommt immer gut an, auch wenn die Adresse falsch ist. Es muß hier noch einmal bemerkt werden, daß nicht MOTORRAD, sondern das Lederinstitut Gerberschule Reutlingen mittels einer DIN-Prüfung Chrom VI »aufgespürt« hat. Und so unbekannt, wie der IVM meint, ist das Vorkommen des schädlichen Schwermetalls in Leder nicht, denn schon 1994 haben so etablierte Lederhersteller wie Wollsdorf Leder aus Österreich Materialien auf »eventuell vorhandene Chrom VI-Verbindungen« untersuchen lassen. Und das, obwohl auch in Österreich zu diesem Zeitpunkt ausschließlich mit dreiwertigem Chrom gegerbt wurde.Das heißt zum einen, daß - im Gegensatz zu allen anderen Schadstoffen - niemand vorsätzlich oder wissentlich diese nicht nur giftige, sondern krebserregende und erbgutschädigende Substanz in seine Lederstücke gepackt hat. Es heißt aber auch, daß das Problem bekannt war. Seit einem halben Jahr wird jetzt in Reutlingen nach den Ursachen der Wandlung des dreiwertigen Chroms in sechswertiges, vom ungefährlichen zum gesundheitsschädlichen, geforscht. Dr.-Ing. habil. H.-J. Kellert, Leiter der Abteilung Materialprüfung/Analytik am Lederinstitut dazu: »Wir tappen noch völlig im dunkeln. Mögliche Zusammenhänge mit den Farben haben sich als unbegründet erwiesen.«Vier, fünf, sechs oder 13 ppm (Parts per Million) sind nicht viel, nämlich höchstens 13 Milligramm pro Kilogramm Leder, bei drei Kilogramm reinem Leder also allenfalls 39 Milligramm. Dennoch äußern sich vorsichtige Wissenschaftler wie Dr. Peter Schmezer, Leiter der Arbeitsgruppe »Genetische Toxikologie, Abteilung Krebsrisiko-Faktoren« beim Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, kritisch: »Bei nachgewiesenermaßen krebserregenden Stoffen, die auch noch das Erbgut angreifen, ist ein Grenzwert nicht sinnvoll, denn nach unten hin gibt es keine Expositionen, die unschädlich sind.« Und: »Wenn diese Chrom VI-Salze im Leder wasserlöslich sind, also vom Schweiß herausgewaschen werden können, dann wollte ich so ein Kleidungsstück nicht auf der Haut haben.« Daß die Chrom VI-Verbindungen im Leder wasserlöslich sind, das bestätigt wiederum Dr. Kellert von der Gerberschule.Solange nicht geklärt ist, wie das sechswertige Chrom im Leder entsteht, hilft also nur Testen jedes Stücks, das die Gerberei verläßt. Das verspricht Claus Hämmer von Schwabenleder: »Wir verlangen für jede Lieferung von unseren Herstellern eine Chrom VI-Prüfung. Außerdem erhalten ab April unsere Kunden beim Kauf einer Lederkombi eine Schadstoff-Fibel mit allen nötigen Informationen.“

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