Gute Stoßdämpfung ist nicht alles (Archivversion)

Wer einen Blick auf die Endwertung auf Seite 113 wirft, merkt schnell, woran es bei preisgünstigen Helmen hapert. In den Kriterien Akustik, Belüftung und Gewicht erreichen viele Modelle nicht einmal zehn von 30 möglichen Punkten. Eine Lücke, die sich auch mit ausgezeichneten Stoßdämpfungswerten nicht schließen lässt. Obwohl diesbezüglich viele der 100-Euro-Kandidaten wirklich bemerkenswert gute Ergebnisse liefern. Allerdings gehört das Bestehen der Stoßdämpfungsprüfung nach ECE-R 22.05 für Motorradhelme zur Zulassungsvoraussetzung für den europäischen Markt – komplett daneben liegen können folglich auch die billigen Helme nicht. Doch sich ausschließlich der passiven Sicherheit zu widmen, halte ich für falsch. Wo bitte schön bleiben Passform, Trage-verhalten, Handhabung, Tastenbedienung, Helmgewicht, Belüftungsfunktion und Geräuschniveau? Alles Eigenschaften, die die aktive Sicherheit betreffen. Denn wem schon nach 100 Kilometern der Kopf dröhnt, der wird unkonzentriert und begeht womöglich Fahrfehler. Auch fragt man sich, weshalb beschlagende Visiere überhaupt zulässig sind, schließlich kann Sichtbeeinträchtigung leicht zu einem Unfall führen. Und genau hier liegen die Unterschiede zwischen teuren und preisgünstigen Helmen: Hersteller hochwertiger Modelle stecken viel Geld in die Verbesserung der aktiven Sicherheit. In Klimakammern wird an der Belüftung getüftelt, im Windkanal die Aerodynamik und die Akustik verbessert und jedes Bauteil bezüglich Gewichtsoptimierung analysiert. Eine kostenintensive Entwicklungsarbeit, die sich – wie hochwertige Werkstoffe oder beschlagfreie Visiere – zwangsläufig im Helmpreis widerspiegelt. Fazit: Wem es bei seinem Motorradhelm nur um die Schutzfunktion geht, der findet schon für 100 Euro empfehlenswerte Modelle. Wer hingegen auf aktive Sicherheit und Komfort wert legt, der sollte besser mehr investieren.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote