Helme: Spezial (Archivversion)

Zwölf Mittelklasse-Helme zwischen 300 und 400 Mark - die Kategorie mit dem besten PreisVerhältnis von Preis und Leistung?

Das Zauberwort heißt beim Kauf oft Preis-/Leistungsverhältnis. Ob Auto, Waschmaschine oder Sofa, wo gibt es am meisten fürs Geld? Häufig entscheidet sich der Kunde letztlich für ein Modell der Mittelklasse, diese lockt mit mehr Komfort, gehobener Ausstattung, bietet vielleicht gar einen Hauch von Luxus, dazu ein gutes Image. Und das Ganze zu erschwinglichen Preisen. Bei Helmen heißt das: So um die 400 Mark sind fällig für eine Kopfbedeckung der mittleren Kategorie. Was bietet die gehobene Helm-Mittelklasse? Große Unterschiede gibt es zunächst beim Material der Außenschale. Vom gespritzten Polycarbonat-Helm bis zum laminierten Helm aus einen Kohlefaser/Kevlar-GFK-Mix sind alle üblichen Materialien vertreten. Wobei man sich von Karbon- und Kevlaranteilen nicht allzuviel versprechen sollte. Die beschränken sich in dieser Preislage meist auf kleine Schnipsel oder vereinzelte Fasern, richtige Karbon-Helme sind wesentlich teurer. Die Frage, ob laminierte Duroplast-Hüte grundsätzlich besser sind als gespritzte Thermoplast-Helme, läßt sich nicht eindeutig beantworten. Der Vorteil von Duroplast-Schalen ist, daß sie praktisch nicht altern und gegen alle Lösungsmittel resistent sind. Die Schale eines GFK-Helms verhält sich nach zehn Jahren immer noch wie im Neuzustand. Was man vom Innenleben bei regelmäßiger Nutzung dagegen nicht behaupten kann. Doch nicht nur die Innenaustattung zeigt Verschleißspuren, auch die wichtige Styroporschale leidet. Der Helm sitzt nach zwei, drei Jahren nicht mehr wie am Anfang. Selbst ein »unzerstörbarer« Karbon-Helm sollte daher nach einigen Jahren intensiver Nutzung gegen ein frisches Exemplar getauscht werden, aus Gründen der Sicherheit wie auch der Hygiene. Apropos Hygiene: Wirklich praktisch ist ein herausnehmbares Futter, das sich leicht waschen oder bei Bedarf gegen ein neues austauschen läßt. Bis vor ein paar Jahren war das die absolute Ausnahme und nur bei teuren Tophelmen zu bekommen, nun bieten bereits in der Mittelklasse eine Reihe von Helmen diese Möglichkeit. Doch zurück zu den Außenschalen: Bei gespritzten Helmen sind hinsichtlich Alterung große Fortschritte erzielt worden. Daß Helme bei einem Crash infolge Versprödung der Schale in viele kleine Teile zerplatzten, kam noch bis in die achtziger Jahre in seltenen Fällen vor. Heute sind Polycarbonat-Helme sehr alterungsresistent. Nach wie vor können sie jedoch ihre Festigkeit verlieren, wenn sie mit Benzin oder Lösungsmitteln in Berührung kommen. Daher ist es nicht nur ein optischer Gewinn, wenn die Schale mit einem Lack überzogen ist. Zwölf Vernunft-Hüte in der Preislage von 300 bis 400 Mark testete MOTORRAD in Zusammenarbeit mit dem ADAC. Die Helme wurden in bewährter Manier vom Lager des Importeurs oder direkt vom Hersteller beschafft. Dabei wurden die Testexemplare aus einer Losgröße von mindestens 200 Helmen ausgesucht, um eine Serienmäßigkeit zu gewährleisten. Das aufwendige Testprogramm erforderte mehr als zehn Helme pro Modell, insgesamt wurden also beinahe 150 Helme für den Test benötigt. Im Testfeld finden sich neben bekannten Helmen einige interessante Neukonstruktionen: Schuberth ersetzte den bewährten Profil durch einen aufwendig gemachten Nachfolger, das ungewöhnliche Verschlußsystem mit dem wegklappbarem Kinnbügel blieb erhalten. Uvex hat mit dem Boss 3000 den einzigen Helm mit Doppelscheiben-Visier im Programm. Lazer bietet beim Falcon das »Morpho«-Konzept an, bei dem über austauschbare Polster ein optimaler, individuell angepaßter Sitz erreicht werden soll. Außerdem ist beim Falcon die Schale durch einen eingesetzen Aluminum-Ring am unteren Rand versteift.Bayard liefert den VS 500, eine Duroplast-Version des Focus, der beim Test der 300-Mark-Helme (MOTORRAD 15/1997) mit sehr guter Beurteilung überzeugen konnte. Die beiden preisgünstigsten Helme im Test kommen von Excell und Shoei. Der Excell ist deswegen interessant, weil er für unter 300 Mark eine Karbon-Mix-Schale besitzt und dadurch auf das geringste Gewicht der Testkandidaten kommt. Shoei greift beim RX-R auf eine alte Schale nebst früherer Visiermechanik zurück und mischt erstmals in diesem Preissegment mit. Beim Shark, auch ein früherer Testsieger (MOTORRAD 13/1995), stellt sich die Frage, ob die Produktionsverlagerung nach Fernost einen Einfluß auf die Qualität hat. Ebenfalls aus Fernost, genau gesagt aus Korea, stammt der HJC. Vervollständigt wird das Testfeld durch italienische Helme von Agv, Nolan und Bell.

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