Helmtest: Klapphelme (Archivversion) Klapprige Sache?

Können Klapphelme den gleichen Unfallschutz bieten wie ihre starren Kollegen?

Ein erster Blick auf die Testhelme zeigt große Unterschiede in der Mechanik der Klappteile. Auf der einen Seite werden recht simple Verschlüsse mit kleinen Plastikhäkchen eingesetzt, auf der anderen Seite aufwendige Konstruktionen mit soliden Metallteilen - nicht zuletzt natürlich eine Preisfrage. Da drängt sich die Frage auf: Können die Klapphelme im Falle eines Falles guten Rundumschutz bieten?Stoßdämpfung. In puncto Dämpfung der Helmschale sollten sie das können, denn es gilt ja für alle Hüte vom Jet- bis zu Integralhelm die gleiche ECE 22/04-Norm. So präsentieren sich die Ergebnisse der Falltests insgesamt sehr ausgeglichen, mit zwei Ausnahmen: Überraschenderweise schnitten die kleinen 54er Größen von Airoh und NZI nicht besonders gut ab. Das verwundert deswegen, weil die kleinen Helme bei gleicher Außenschale mehr Platz für eine dickere Innenschale bieten. Anscheinend wird die Größe jedoch eher über die Polsterung angeglichen, so daß der Kopf beim Aufprall mehr »Anlauf« nehmen kann.Kinnteil. Ein Aufschlag im Gesichtsbereich kann jedoch schon bei geringerer Geschwindigkeit unangenehme Folgen haben. Einige Mediziner sehen das Gesicht eher als Knautschzone an, die Verletzungen des Gehirns verhindern könnten. MOTORRAD ist jedoch der Meinung, daß geschlossene Helme auch in diesem Bereich mit guter Dämpfung ausgestattet sein sollen. Das führt bei Klapphelmen zu Konflikten: Ihr Kinnteil sollte leicht sein, und die Mechanik muß zudem irgendwo untergebracht werden. Daher ist die Kinnpartie nur unzureichend gepolstert, was sich beim Kinnaufprall bemerkbar macht. Selbst die Klapphelme mit den niedrigsten Meßwerten, etwa der BMW Systemhelm 4, sind nochmals deutlich schlechter als gute Integralhelme, wie der Vergleich mit dem letzten Helmtest in MOTORRAD 15/1997 zeigt. Stabilität des Kinnverschlusses. Voraussetzung für guten Unfallschutz ist, daß der Klapphelm nicht unfreiwillig aufklappt. Das ist jedoch bei einigen Helmen durchaus der Fall. In etwa der Hälfte aller Falltests öffnete sich beim Airoh und NZI das Kinnteil, auch beim Caberg Just One passierte das gelegentlich. Der BMW öffnete sich bei einem der Kinnschläge, ansonsten wirkte die Mechanik sehr solide.Abstreiftest. Noch schlechter sieht es aus, wenn der ganze Helm beim Unfall vom Kopf fliegt. Dies passierte beim ECE-Abstreiftest mit beiden NZI-Gößen, auch der Airoh hielt die vorgeschriebenen Winkel nicht ein.Visier-Durchdringung. Den ECE-Test schaffen alle Visiere locker. Bei gesteigerter Fallhöhe zerbrach die Scheibe des Agv, beim Airoh platzte ein Teil weg. Alle übrigen blieben unbeeindruckt. Helmgewicht. Weniger Masse bedeutet beim Unfall weniger Belastung. Klapphelme sind aufgrund des komplizierteren Aufbaus durchweg relativ schwer, Integralhelme aus modernen Materialien sind etwa ein Pfund leichter. Allein der mechanisch relativ simpel konstruierte NZI liegt mit 1400 Gramm auf niedrigem Niveau. Helmabnahme nach Unfall. Pluspunkte sammeln Klapphelme bei der Unfallrettung. Die Helmabnahme bei einem Bewußtlosen ist seit Jahren ein Streitpunkt. Der Helm sollte runter, darauf haben sich Unfallforscher nach langen Diskussionen geeinigt. Denn die Chance, daß der Bewußtlose an Erbrochenem erstickt, ist erheblich größer als der eventuelle Schaden infolge der Helmabnahme. Daher sind Klapphelme im Vorteil: Bei ihnen kann das Kinnteil geöffnet werden, so daß der Zugang zum Gesicht frei ist, während der Helm auf dem Kopf bleibt. Voraussetzung dafür ist allkerdings, daß der Unfallretter das Klappprinzip erkennt, leider hat keiner der Testhelme einen entsprechenden Aufkleber. Bei einigen sind zumindest die Bedienungstasten rot gefärbt. Fazit: Gute Klapphelme kommen Integralhelmen nahe, sind jedoch beim Frontalaufprall im Nachteil.

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