Helmvergleich: Formel 1 und Motorrad-GP (Archivversion)

Champions-Kapp

Wenn es um ihren Kopf geht, verstehen der Formel 1-Champion Michael Schumacher und sein zweirädriger Kollege Michael Doohan keinen Spaß. Was unterscheidet die Kappen der Meister?

Zartes Schuhwerk, dazu ein dünner Overall und ein paar bequeme Fingerlinge - die Berufsbekleidung eines Formel 1-Piloten sieht im Gegensatz zum Rundum-Schutz eines Motorrad-Rennfahrers eher dürftig aus. Kein Wunder, denn bis zum Hals ist der Vierrad-Sportler vom starren Kohlefaser-Chassis seines Formel-1-Boliden umhüllt, während Michael Doohan auf dem Honda-Geschoß im Freien hockt. Die Bekleidung eines automobilen Rennfahrers muß in erster Linie in Funktion treten, wenn es funkt. Dann wird es im Cockpit ungemütlich, die entzündungsfreudige Benzinmixtur heutiger Rennwagen explodiert zu spektakulären Feuerbällen. Viele werden sich noch an den furchterregenden Feuerunfall des Benetton-Teams in der Hockenheimer Boxengasse 1994 erinnern. Alles, was der Fahrer halsabwärts trägt, dient daher vor allem dem Feuerschutz, jedes Kleidungstück ist aus hitzefestem Material angefertigt. Wenn es um den Schutz des Kopfs geht, sind zwischen Zwei- und Vierrad-Akrobaten deutlich mehr Gemeinsamkeiten zu erkennen. Beide tragen Helme, die sich auf den ersten Blick sogar recht ähnlich sehen. Allerdings finden sich auch hier bei näherem Hinsehen Unterschiede. Michael Schumacher fährt wie einige seiner Kollegen einen Helm der amerikanischen Firma Bell, außerdem sind noch Arai, Bieffe und Shoei in der Formel 1 aktiv. Bell hat ein sehr großes Programm an Serienhelmen für Auto-Rennfahrer. Es stehen insgesamt 16 Versionen für unterschiedliche Zwecke zu Preisen von 600 bis 3000 Mark zur Verfügung, immerhin 20 000 Exemplare werden jährlich weltweit abgesetzt. Schumacher wählt je nach Streckenverhältnissen oder äußeren Bedingungen aus mehreren Helmtypen den aus, der ihm hinsichtlich Aerodynamik und Belüftung optimal erscheint. Insgesamt »verbraucht« er pro Saison etwa 20 bis 25 Stück. Stülpt man den Schumacher-Helm über den Kopf, so fällt sofort auf, daß er ausgesprochen bequem ausgestattet ist. Die speziell für den charakteristischen Schumi-Kopf maßgeschneiderte Komfortpolsterung fällt üppig aus, das Futter trägt sich sehr angenehm. Letzteres ist aus sogenannten Durvil genäht, ein exklusives, feuerbeständiges Material, das sich nicht färben läßt. Um den Sitz auch bei extrem hohen Geschwindigkeiten zu stabilisieren, ist die Polsterung am Hals weit heruntergezogen, außerdem bringt das besseren Schutz gegen Feuer. Die Bewegungsfreiheit ist trotzdem erstaunlich gut, allerdings wirkt der Schumacher-Helm ohne Fahrtwind-Kühlung schweißtreibend. Auch die stoßdämpfende Schale erweist sich als etwas Besonderes, Bell verwendet hier wie bei allen Autohelmen ein Material, das sich im Gegensatz zum Polystyrol bei Motorradhelmen auch bei heftigen Stößen komplett zurückverformt. Die äußere, handlaminierte Schale ist aus einem GFK/Karbon-Gemisch. Sie ist kaum steifer als die handelsüblicher Motorradhelme. Deutlich stabiler ist die Schale des Doohan-Helms vom Typ Giga 2 gebaut. Firmenphilosopie von Arai ist es schon immer, mit steifen Außenschalen den Stoß großflächig zu verteilen sowie guten Schutz gegen Durchdringung und Verformung zu bieten. Wer übrigens glaubt, daß der Großverdiener Schumacher auch beim Helm gehörig absahnt, liegt falsch: Bell zahlt an keinen Fahrer große Summen, sondern überzeugt mit Service und individueller Betreuung. In puncto Kopfschutz wird im Motorradsport wesentlich mehr verdient. Bis zu einer halben Million beträgt das Salär für eine Saison.
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Wer als Motorradfahrer seinen Vorbildern optisch nacheifern will, kann sowohl bei Arai wie auch bei Bell fündig werden. Bell bietet über den deutschen Importeur Büse MX-Import, Telefon 0 24 71/1 26 90, für 679 Mark den Race Star im Schumacher-Look. Arai vertreibt das Doohan-Replikat auf Basis des Typs RX 7 XX für Image-gemäße 1198 Mark über Polo. Wer etwas Nettes und wirklich Originalgetreues im Schumi-Design für die heimische Vitrine wünscht, muß nochmals deutlich tiefer in die Tasche greifen: Die auf 100 Exemplare limitierte, bis ins Detail exakte Replika des Rennhelms der Saison 1995 kostet 4500 Mark (Kontakt S.P.O.R.T.S. Europe in Brüssel, Telefon 0032-23 43 34 00). Fahren kann man damit allerdings nicht, es fehlt der Kinnriemen.

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