Hinter den Kulissen

Uff, es ist geschafft. Zugegeben, es gab zwischendurch ein
paar Ausfallerscheinungen und
Zweifel, ob alles rechtzeitig klappt. Doch die Anstrengungen haben sich gelohnt, und der
große Helmtest 2005 ist in
trockenen Tüchern.

Hinter den meisten Geschichten von MOTORRAD steckt viel Aufwand, man denke nur an einen Vergleichstest mit vier oder mehr Motorrädern. Dennoch ist ein Helmtest mit Labor- und Praxistests weit schwieriger zu bewerkstelligen – und erscheint deshalb auch seltener.
Erste Vorbereitungen für den großen Helmtest 2005 liefen bereits im Winter,
die heiße Phase begann mit der endgültigen Auswahl der Probanden im April. Und dann ging’s auch schon ans Einsammeln, denn MOTORRAD zog die Kandidaten
eigenhändig aus den Lagerhallen der
Importeure beziehungsweise Hersteller. In rund drei Wochen legte zu diesem Zweck ein Mitarbeiter tausende von Kilometern zurück, unter anderem führten die Be-
sorgungstouren nach Belgien und Italien. 200 Helme, jeweils zehn pro Teilnehmer, kamen auf diese Weise zusammen.
Doch wie schleust man 20 Testkandidaten in knapp einer Woche durch den aufwendigen Testparcours des Windkanals und der Stoßdämpfung? Ganz einfach:
indem das gesamte daran beteiligte Testteam (rund 15 Personen) mindestens zwölf Stunden pro Tag malocht. Ohne die tatkräftige Unterstützung der Schuberth-Mitarbeiter ein hoffnungsloses Unterfangen.
Die Labortests waren jedoch nur ein Teil des großen Puzzles. Weitere Daten sammelten die Tester auf den mehrtägigen Probefahrten sowie bei intensiven »Tro-ckentests« in der Redaktion. Und bereits
die forderten ihren Tribut. Das ständige Auf- und Absetzen der Helme führte
zu blutunterlaufenen Ohren, Schürfungen an Schläfe und Stirn sowie weiteren
Verschleißerscheinungen. Mehr als ein schmerzvoller Fluch hallte in dieser Zeit durch die Redaktionsräume. Beim Kriterium Helmabnahme nach Unfall musste gar die erste Testperson nach nur drei Helmen aufgeben, da sie es vor Qualen nicht mehr aushielt. Glücklicherweise fand sich ein Freiwilliger, der die nicht ganz angenehme Prozedur mit Haltung, roter Nase, Tränen in den Augen und umgeknickten Ohren über sich ergehen ließ. Immer
wieder mussten sich die Beteiligten selbst
motivieren und gut zureden. »Nur noch
15 Helme. Nur noch zehn Helme. Nur noch drei...« 20-mal jeden einzelnen Punkt zu prüfen dauert einfach verdammt lang.
Die Essenz der wochenlangen »Forschungen« füllt zwei gewaltig dicke Ordner. Unter anderem lagern darin mindestens 200 Din-A4-Blätter mit Tabellen und Listen mit insgesamt über 20000 (!) Einzelwerten. Hinzu gesellen sich rund 1000 Werte aus den Stoßdämpfungs-Test sowie zirka 500 Daten aus den Windkanal-
versuchen. Noch Fragen? Allein die Daten-Auswertung beanspruchte drei lange Tage am PC. Noch mehr Zeit benötigte das
Füllen der 18 Seiten Layout mit Text. Rund 50000 Anschläge galt es zu schreiben.
Apropos Schreiben: In den gesamten Vorbereitungs- und Testzeit wurden insgesamt rund 500 E-Mails verschickt. Etwa ebenso viele Telefonate waren nötig, um Helme auszuwählen, Daten abzufragen, Termine abzugleichen, Ergebnisse zu sammeln, Werte zu analysieren, Unklarheiten zu beseitigen, Nerven zu beruhigen – und die Familie zu vertrösten.
Was hat ein besorgter Zeitgenosse dem Autor doch gleich empfohlen? »Nach dem Test musst du erst einmal ein paar Wochen Urlaub machen – zur Erholung.« Guter Tipp, aber leider warten bereits umfangreiche Nachtests. Na denn: an die Arbeit.

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