Interview: Dipl.-Ing. Florian Schueler, Institut für Rechtsmedizin

Dipl.-Ing. Florian Schueler, Institut für Rechtsmedizin,
Fachgebiet Technologische Biomechanik und Unfallforschung an der Universität Heidelberg, zum Thema Rückenprotektoren.

Wie sind Ihre Erkenntnisse aus Untersuchungen von Motorradunfällen mit und ohne Rückenprotektoren? Überwiegend untersuchen wir sehr schwere Unfälle, bei denen auch gute Rückenprotektoren an ihre Grenzen stoßen. Leichtere Unfälle, gegenüber deren Einwirkungen Protektoren effizienten Schutz bieten, dringen meist nicht bis zu uns vor. Um exakte Aussagen machen zu können, müssten uns vergleichbare Unfallereignisse mit und ohne Protektor vorliegen – doch die sind sehr selten. Bei welchen Unfallabläufen sind Rückenprotektoren besonders vorteilhaft? Vor allem bei Unfällen mit freiem Sturzraum und wenn das Motorrad von hinten angefahren wird. Beim Sturz auf die Straße mit Überschlägen und langer Rutschstrecke – womöglich über kleinere Absätze – kann ein Rückenprotektor wirkungsvoll vor starken Schürfungen mit Hitzeentwicklung und mäßigen Prellschlageinwirkungen schützen. Fährt von hinten ein Fahrzeug auf, zeigt sich, dass besonders auf leichteren Motorrädern und Rollern Protektoren sehr nützliche Bestandteile der persönlichen Schutzausrüstung sein können. Wo liegen die Grenzen bezüglich Schutzfunktion bei einem möglichen Unfall? Die liegen in etwa da, wo heute auch gute Schutzhelme an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stoßen, wenngleich die verletzungsmechanischen Abläufe grundsätzlich unterschiedlich sind. In welche Richtung sollte weiterentwickelt werden? Es müsste eine gesicherte Anforderungsliste geschaffen werden bezüglich Klärung der wahrscheinlichen Unfalleinwirkung und der konsequenten Umsetzung des verletzungs-mechanischen Geschehens. Hieraus lassen sich dann die Systemeigenschaften sowie die Werkstoffauswahl ableiten. Ferner sind die individuelle Anpassung und Fixierung wesentlich. Der Protektor als Element der passiven Sicherheit sollte komfortabel sein und darf keineswegs stören. Der Wohlfühlfaktor ist ein wichtiger Aspekt der aktiven Sicherheit und in kriti-schen Situationen Voraussetzung für die Konzentration und Präsenz auf dem Motorrad. Wie sieht Ihrer Meinung nach der ideale Rückenprotektor aus? Außer den oben genannten Kriterien sollte mir der Protektor an heißen Sommertagen ein wohltuendes Lüftchen zukommen lassen. Eine derartige Funktionserweiterung käme sicherlich auch der allgemeinen Akzeptanz zugute.

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