Interview: Dr. med. Helmut Hermann

Renn- und Notarzt Dr. med. Helmut Hermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, zum Nierengurt

? Viele Biker verzichten auf einen Nierengurt. Sind damit gesundheitliche Schäden vorprogrammiert?! Wer eine Lederkombi oder einen wasserdichten und atmungsaktiven Textilanzug trägt, braucht sich keine Sorgen zu machen. Allerdings muss die Überlappung im Rückenbereich gewährleisten, dass am Übergang von Jacke und Hose keine Kältebrücke entstehen kann. Prinzipiell gilt bei der Wahl der richtigen Bekleidung das Zwiebelschalen-Prinzip. Im Winter sollte also zwischen Funktionsunterwäsche und Schutzbekleidung immer noch Platz für einen wärmenden Pullover sein.? Wer braucht dann noch einen Nierengurt?! Alle Motorradfahrer, die im Sommer wegen der vermeintlich hohen Außentemperaturen glauben, auf standesgemäße Schutzkleidung verzichten zu können und lediglich in Jeans und T-Shirt unterwegs sind. Die Gefahr liegt im sogenannten Windchill-Effekt: Die im seitlichen Rückenbereich liegenden Nieren werden heftigen Luftwirbeln ausgesetzt, die die Temperatur am Körper wesentlich kälter empfinden lassen als sie tatsächlich ist.? Was sind die Folgen einer Unterkühlung?! Die Folgen reichen von einer Verspannung der Rückenmuskulatur, im Volksmund auch Hexenschuss genannt, über die Entzündung des Ischiasnerves bis hin zur langwierigen und sehr schmerzhaften Nierenbeckenentzündung.? Schützen Nierengurte auch vor Erschütterungen?! Nein; die in hervorragend dämpfenden Fettpolstern untergebrachten Nieren haben einen solchen Schutz gar nicht nötig. Allerdings bietet die Komprimierung des Bauchraumes einen zusätzlichen Schutz vor Verletzungen der inneren Organe wie Milz, Leber, Nieren und Blase.

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