Interview: Dr. med. Norbert Beil, Sportmediziner

Ab wann ist ein Kind fit, um bedenkenlos aufs Motorrad steigen zu können?
Mini-Crosser etwa starten schon
als Fünfjährige im Wettbewerb aktiv durch. Ein kindlicher Körper verkraftet eher
einen Sturz, weil der Bewegungsapparat elastischer ist. Beim aktiven Fahren
können sie auf unvorhergesehene Situa-
tionen selbsttätig reagieren. Für Kinder
als Mitfahrer sehe ich hingegen größere
Gefahren. Wegen anderer körperlicher Proportionen sollten sie auf keinen Fall als kleine Erwachsene angesehen werden. Will ein kleines Kind zum Beispiel am
Fahrer vorbeischauen, um etwas vom
Verkehrsgeschehen vor ihm mitzubekommen, muss es sich verhältnismäßig stark zur Seite neigen. Kann es nicht problemlos vorausschauen, würde ich das Kind nicht mitnehmen.
Also die Kleinen lieber zu Hause lassen?
Das nicht. Bei einer sanften Fahrweise
sind auf fast allen Motorradtypen die Belastungen
für den jungen Beifahrer gegenüber kindsüblichen Sportarten vergleichsweise gering. Um sich den
gemeinsamen Spaß nicht für immer zu verderben, sollte das Kind angstfrei mitfahren können. Außerdem sollte man die anderen biologischen Voraussetzungen berücksichtigen. Abrupte Manöver unbedingt vermeiden! Wegen ihrer geringeren Körpermasse und dem dünneren Fettgewebe kühlen Kinder schneller aus, benötigen deshalb vernünftig klimatisierende Kleidung. Ihre Konzentrationsfähigkeit ist geringer, daher sollte sich der Fahrer spätestens alle zehn
Minuten vergewissern, ob der junge Fahrgast noch bei der Sache ist. Grundsätzlich kann die Mit-
fahrfähigkeit durch Fahrradfahren, Mini-Cross oder andere Sportarten, die beim Kind Motorik und Koordination ausbilden, trainiert werden. Kurz gesagt, sportliche Kinder dürfen eher aufs Motorrad.

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