Interview mit Lino Dainese (Archivversion)

Lino Dainese, 57, ist Chef der
Bekleidungsfirma gleichen Namens,
die neben pfiffigen Kombis die
ersten Protektoren für Knie und
Rücken entwickelte.

Wie kam die Zusammenarbeit Ihres Unternehmens mit dem Aterballetto zustande?
Ich habe auf der Kunstausstellung in Basel zufällig den italienischen Videokünstler Fabrizio Plessi kennen gelernt, wir haben uns angefreundet. Der hat mit Motorrädern gar nichts am Hut und kannte die Firma Dainese nicht. Irgendwann hat er mich gefragt: »Lino, sag mal, was machst du eigentlich so im Leben?« Da habe ich ihm ein bisschen was über die Motorradszene und über Protektoren erzählt. Und als er dann die Kostüme für »Romeo und Julia« entwerfen sollte, stand er plötzlich bei uns vor der Tür.
Mussten die Protektoren für den Einsatz im Ballett umgearbeitet werden?
Nein, nein, das sind Originale. Plessi hatte, als er zu uns ins Werk kam, eine Tänzerin dabei, die gleich alles ausprobiert hat und bass erstaunt war, wie gut man sich damit bewegen kann. Ich habe den beiden dann erst mal klar gemacht, dass Motorradfahrer und vor allem Rennpiloten nicht stocksteif auf dem Motorrad sitzen, sondern sich ganz schön viel bewegen – für die ist das
ja tatsächlich lebenswichtig!
Waren Sie irgendwie in die Umsetzung des Stücks involviert?
Ich war bei vielen Proben dabei und habe im Detail erklärt, wie Protektoren eigentlich verwendet werden. Mehr aber auch nicht – Künstlern redet man lieber nicht drein.
Was bringt ein solches Projekt für Dainese?
Wenn Sie den finanziellen Aspekt meinen: gar nichts, im Gegenteil. Aber darum geht es
dabei auch gar nicht. Kreative Ideen bekommt
man nur, wenn man über den eigenen Tellerrand
hinausschaut. In diesem Fall geben wir, aber wir bekommen auch viel zurück. Wenn ich nur mit Motorradfahrern rede, bleibe ich sozusagen in einem Ghetto und drehe mich immer im Kreis. Und uns Motorradfahrern gefallen solche Entdeckungsreisen ja auch, wir gehen mit den Motorrädern auf Tour und lernen fremde Sitten und Gebräuche kennen. So ähnlich ist das bei unserer Zusammenarbeit mit einer Balletttruppe.
Werden Sie solche branchenfremde Projekte in Zukunft weiter fördern?
Wir haben ähnliche Sachen bereits gemacht, etwa die Anzüge für die Flammenläufer
bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in
Turin. Und gerade entwickeln wir eine Kombi für Weltraumspaziergänge. Sie sehen also: Wir sind für alles offen.

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