Interview mit Marcus Breulmann (TFL) (Archivversion) Marcus Breulmann ist Gerbermeister und Ledertechniker bei TFL

Sind Kombis aus Känguruleder nur ein Modegag oder tatsächlich die perfekte Schutzkleidung? MOTORRAD sprach mit dem Lederprofi Marcus Breulmann von TFL (www.tfl.com). Die Chemiefirma hat sich auf die Entwicklung innovativer Gerbverfahren spezialisiert.

Känguru-Kombis waren bislang teure Exklusivware. Jetzt gibt es Modelle zu erschwinglichen Kosten unter 1000 Euro.
Wie kommt es zu diesem Preisverfall?
Lederhersteller und -verarbeiter sind ständig auf der Suche nach Besserem. Immer mehr Hersteller bieten Kombis aus Känguruleder an. Das drückt natürlich die Preise und erst recht die Margen. Hoffentlich aber nicht die Qualität! Hier nur als Anmerkung am Rande: Jährlich werden rund 3,5 Millionen Kängurufelle zu Leder verarbeitet. Kängurufleisch ist in Australien ein Wirtschaftsfaktor. Aufgrund seiner Haut wird jedoch kein Känguru um die Ecke gebracht.

Was sind die besonderen Vorteile von Känguruleder?
Gerber schätzen Kängurufelle, wenn sie ein Leder mit besten Reiß- und Abriebeigenschaften herstellen wollen. Warum ist das so? Der Hauptgrund ist, dass die Faserbündel der Känguruhaut ausgeglichen und parallel zur Oberfläche verlaufen. Das Rind hat dagegen eine komplex verwebte Hautfaserstruktur. Viele Hautfasern stehen im 90-Grad-Winkel zur Oberfläche. Diese werden beim mechanischen Einstellen der Lederstärke im Produktionsprozess auf Kosten der Reiß- und Abriebfestigkeit quasi durchgeschnitten. Ein gutes gerberisches Wissen vorausgesetzt und unter Einsatz hochwertiger Produkte sollte die Känguruhaut daher des Gerbers erste Rohwarenwahl für Lederartikel sein, bei denen beste Abrieb- und Reißfestigkeiten verlangt werden.

Welche Nachteile müssen genannt werden, wo ist beispielsweise die Rindlederkombi besser?
Auf Motorradbekleidung abgestimmte Gerbverfahren erzielen auf »Rinderbasis« ähnlich gute Werte wie ein nachlässig verarbeitetes Känguruleder. Die Stärke des Rindleders muss dazu aber dicker sein. Dies bedingt dann wieder ein höheres spezifisches Gewicht.
Kann der Kunde beim Kauf erkennen, ob das verwendete Känguruleder qualitativ hochwertig ist?
Nein. Optik, Haptik und Design haben nichts mit der eigentlichen Qualität zu tun. Die Qualität einer Kombi bestimmt aber nicht nur das verarbeitete Leder. Mein Kauftipp: Wähle den Kombihersteller deines Vertrauens und frag nach seinen Referenzen.

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