Interview mit Professor Hans Eberspächer (Archivversion)

Hans Eberspächer, Professor für Sport­psychologie an der Universität Heidelberg, ist Instruktor beim MOTORRAD action team. Er erläutert die Angst vor Regenfahrten – und was man dagegen tun kann.

Selbst erfahrene Motorradfahrer verkrampfen manchmal bei Regen. Woran liegt das?

An der Bewertung der Situation. Und die erfolgt bekanntlich im Kopf. Man muss wissen, dass Bewertungen immer Gefühle auslösen. Das gilt für Situationen, die man als angenehm oder Erfolg versprechend bewertet und die dann Freude oder Neugier auslösen, genauso wie für Situationen, die man als bedrohlich und gefährlich bewertet. Hier heißt das: nasse Straße gleich rutschige Straße gleich erhöhtes Risiko gleich Sturzgefahr gleich üble Folgen. Solche Bewertungen lösen Gefühle wie Angst, Stress, Unsicherheit und Unlust aus.

Was sind typische Fahrfehler auf nasser oder rutschig anmutender Strecke?

Die innen hochkriechende, angstbesetzte Verkrampfung nimmt einem die notwendige Lockerheit, um das Motorrad und die Straße zu spüren. Typische Folgen sind dann zum Beispiel, den Blick vors Vorderrad zu senken statt extra­-weit vorauszuschauen. Aber auch das Zugreifen auf im Moment unpassende, aber eben schon lange eingeschliffene Handlungen wie das Motorrad »festzuhalten«, um es vermeintlich besser zu kontrollieren. Letzteres spürt man daran, dass der Lenker fast schon blockiert wirkt.

Gibt es einen Trick, wie man diese Regenblockade aufheben kann?

Das Grundprinzip: Wer nicht entspannt fährt, mutet sich zu viel zu. Also fahr nur so schnell und so viel Schräglage, dass du entspannt bleiben kannst. Um das zu lernen, helfen Tricks nicht weiter, sondern systematisches Training für den Kopf, denn vom Kopf geht unser Handeln aus: mentales Training. Es gilt zunächst, Vorstellungen von Handlungsmustern für das Motorradfahren in allen denkbaren Situationen zu erarbeiten, am besten mit einem Trainer oder Instruktor: Bremsen, Kurven fahren, Ausweichen, Fahren bei Nässe. Dieses Training ist eine Eigenleistung. Sie lässt sich also nicht an andere delegieren und ist nur wirksam, wenn es systematisch, regelmäßig und entsprechend häufig praktiziert wird.

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