Interviw mit Jan Beringer, Hohensteiner Institute interview

Dr. Jan Beringer, 34, von den Hohensteiner
Instituten im württembergischen Bönnigheim
(www.hohenstein.de), ist Experte für Funktions-
bekleidung. Spezialgebiet: Nanotechnologie.

Ist Nanotechnologie der neue Trend bei Motorradbekleidung?
Unter diesem Begriff wird zurzeit vieles gehandelt. Wobei
damit lediglich gemeint ist, dass durch aufgebrachte Kleinstteile die Oberflächenstruktur geändert wird.
Damit sich Schmutz von vornherein nicht festsetzen kann. Für Motorradfahrer doch eine tolle Sache, oder?
Klar, im Prinzip schon. Allerdings einfach irgendwelche Substanzen aufzusprühen und dies dann als Nanotechnologie anzusehen – so wie es einige Hersteller machen –, das kann jeder. Ob
und vor allem wie lange die gewünschte Wirkung einsetzt, steht dagegen auf einem anderen Blatt. Unter dem Mikroskop sollte bei entsprechend beworbenen Artikeln eine so genannte bionische Mikrostruktur zu erkennen sein. In der Praxis kann häufig bereits der erste Waschgang zum Killerkriterium werden. Dann ist oftmals bereits der spezifische Abperl-Effekt dahin, und auch Laien erkennen, wo »Nano« nur draufsteht und wo es auch wirklich drinsteckt.
Also letztlich doch eine überflüssige Technologie?
Nur wenige etablierte Hersteller erreichen gute Resultate durch eine aufwendige Textilveredlung. Wenn die Technologie funktioniert, bringt sie große Vorteile. Nässe und Schmutz werden vom Obermaterial abgewiesen, dadurch können sich Motorradfahrer ohne erhöhten Pflegeaufwand in hellen Farben kleiden. Und zukünftig werden mittels Nanotechnologie sicherlich noch weitere Funktionen möglich sein. Im Moment forschen wir beispielsweise an einer klimatisierenden Faser mit einer Infrarot-
Erkennung, die sich je nach Sonneneinstrahlung selbständig der Temperatur anpasst.
Und was sind weitere Trends bei Schutzbekleidung?
Gewebe, die anschmiegsam am Körper liegen, jedoch unter Einfluss von kinetischer Energie, etwa beim Aufprall auf der Straße, sich selbst verhärten und auf diese Weise dem Fahrer einen besseren Unfallschutz bieten.
Könnte Funktionsbekleidung auch aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden?
Theoretisch ja, momentan ist das allerdings noch Zukunftsmusik. Solange Erdöl für die Hersteller vergleichsweise günstig zu bekommen ist, sehe ich diesbezüglich keine Entwicklunsansätze.

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