Kaufberatung Nierengurte

Warm-Anlage

Nierengurte führen zumeist ein Schattendasein. MOTORRAD gibt einen Überblick über die bunte Vielfalt der wärmenden Strapse.

Der Gurtmuffel gehört zu einer aussterbenden Spezies im Straßenverkehr – sofern das Fortbewegungsmittel vier Räder besitzt. Auf dem Zweirad hingegen sieht die Sache anders aus: Gerade an den heißen Sommertagen verzichten viele Biker auf den Nierengurt. Kein Problem, wenn man der Hitze zum Trotz in Lederkombi oder Textilanzug unterwegs ist. Ungemach droht jedoch, wenn der Fahrer in Jeans und Jacke oder gar nur mit T-Shirt fährt. Dann liegt die Nierengegend voll im Fahrtwind; unterkühlte Organe werden jedoch schlechter durchblutet und sind anfälliger für Infektionen. So kann eine Unterkühlung beispielsweise zum Auslöser für eine ebenso schmerzhafte wie langwierige Nierenbeckenentzündung werden, die man nur mit Hilfe des Arztes und dem Einsatz von Medikamenten wieder los wird.
Wer also im Sommer auf schweißtreibende Sicherheitsbekleidung pfeift, sollte wenigstens an den Schutz der lebenswichtigen Blutreinigungsorgane denken. Und sich einen Nierengurt zulegen, die es schon für fünf Mark im Handel gibt. Bereits diese Billigheimer erfüllen ihre Aufgabe, das Warmhalten, zufriedenstellend. Mehr müssen Nierengurte übrigens gar nicht können. Die häufig geäußerte Meinung, dass sie auch vor Erschütterungen schützen sollen, entbehrt jeder Grundlage (siehe auch Interview auf Seite 133). Nierengurte können allenfalls die Muskulatur etwas unterstützen und auf diese Weise zum subjektiven Wohlbefinden beitragen. Echten Schutz im Falle eines Falles bieten Nierengurte sowieso nur, wenn sie in einem Rückenprotektor integriert sind.
Nierenwärmer sollten immer so nah wie möglich am Körper getragen werden, um ein isolierendes Luftpolster bilden zu können. Schwitzen ist allerdings kontraproduktiv, denn Wasser ist ein guter Wärmeleiter und lässt einen rasch frösteln. Insofern sind Gurte aus dem wasser- und winddichten Neopren nur für kürzere Strecken geeignet; auf längeren Touren taugen Exemplare aus atmungsaktiven Materialien besser. Wem der Sinn nach Klassischem steht, findet im Handel auch nach wie vor den guten, alten Gurt aus Leder, häufig sogar mit einem Felleinsatz für die kalte Jahreszeit.
Aus dem beinahe unüberschaubaren Angebot findet mit Sicherheit jeder den richtigen Nierengurt. Für einen Überblick stellt MOTORRRAD beispielhaft einige Exemplare vor. Ob Leder oder Stretch, billig oder pfiffig, universell oder speziell, entscheidend für die Gesundheit leicht bekleideter Biker ist nur, dass man nie mehr »unten ohne« fährt. Und so dazu beiträgt, dass der Gurtmuffel auch bei den Motorradfahrern zur aussterbenden Gattung gehört.
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Der Ausgleichende

Nierengurte aus ComforTemp von Schoeller ergänzen die passive Isolation durch ein aktives System. Die so genannten Phase Change Materials (PCM) reagieren auf Veränderungen der Umgebungs- und Körpertemperatur und gleichen Schwankungen in einem definierten Bereich aus. Der abgebildete Neopren-ComforTemp-Nierengurt von Hein Gericke (Telefon 0211/98989) kostet 89,90 Mark, besitzt einen Klettverschluss und ist in den Größen S, M und L lieferbar.

Der Klassische

Die Klassiker schlechthin sind Nierenwärmer aus schwarzem Leder. Generationen von Bikern haben sich solch einen schwarzen Gurt bereits um ihren Bauch geschnallt. Statt moderner Klettverschlüsse kommen deshalb auch beim Modell 3306 von Held, Telefon 08321/66460, stilechte Hakenverschlüsse an verstellbaren Metallschnallen zum Zug. Für 79 Mark nur in Schwarz, jedoch für Taillenumfänge von 70 bis 120 Zentimetern erhältlich.

Der Griffige

Wer ab und an seinen Nachwuchs auf dem Motorrad spazierenfährt, kennt die Probleme der Kleinen: Die Arme sind einfach zu kurz, um sich richtig am Fahrer festzuhalten. Der Stretch-Nierengurt 3314 von Held (Telefon 08321/66460) löst dieses Problem mit seinen vier integrierten Haltegriffen. Zur Sicherheit sollte der Verschluss jedoch immer im Rücken getragen werden. Erhältlich für 55 Mark in den Größen 80 bis 120 Zentimeter.

Der Spezielle

Für Biker, die sich vorwiegend abseits befestigter Wege aufhalten, gibt es spezielle Cross-Nierengurte wie den Blackbelt von Fox, Telefon 02735/1600. Besonderheiten sind die Passform, welche die Bewegungsfreiheit des Piloten nicht einschränkt, eine gute Belüftung sowie schützende und gleichzeitig stabilisierende Schilde aus Kunststoff. Der Fox Blackbelt ist in vier Farben für 79 Mark erhältlich.

Der Funktionelle

Wie bei der Motorrad-Textilbekleidung mittlerweile üblich, gibt es auch Nierengurte mit einem herausnehmbaren Thermofutter. Beispielsweise den Bikers Top Belt Two in One, vertrieben von JF Motorsport, Telefon 06002/910391. Progressiv dehnbare Stützbänder sollen darüber hinaus die Rückenmuskulatur unterstützen. Der Preis für den in den Größen M bis XXL erhältlichen Gurt beträgt 59,95 Mark.

Der Stützende

Gurte wie das Modell Sport von Bikers (79,95 Mark) sind weniger auf das Warmhalten ausgelegt, sondern sollen vielmehr der Muskulatur bei sportlicher Fahrweise Halt geben. Hierzu ist der luftdurchlässige Bikers Sport in voller Länge mit Stützbändern ausgestattet. Durch die Komprimierung des Bauchraums sind außerdem die inneren Organe besser geschützt. Erhältlich in den Größen M bis XXL bei JF Motorsport, Telefon 06002/910391.

Der Preisgünstige

Nierenwärmer aus Neopren gibt es bereits ab fünf Mark im Handel. Neopren ist ein Synthesekautschuk, der für diesen Zweck meist mit Textilgewebe beklebt wird. Er ist wasser- und winddicht sowie ohne zusätzlichen Stretch dehnfähig. Der größte Nachteil ist jedoch die fehlende Atmungsaktivität. Um einen Hitzestau im Sommer zu vermeiden, werden Neopren-Gurte, wie beim Louis Sponsor (9,95 Mark), häufig mit einer Perforation versehen.

Der Beheizbare

Der in mehreren Farben angebotene Probiker Duo von Louis, Telefon 040/73419360, besitzt zwei Einschubtaschen für die Aufnahme von speziellen Gel-Wärmekissen. Diese auch im Outdoor-Bereich zum Einsatz kommenden, praktisch unbegrenzt wieder verwendbaren Wärmespender sorgen selbst bei eisigen Temperaturen für ein angenehmes Klima. Der Preis für den Probiker Duo beträgt 29,95 Mark, die Wärmekissen kosten im Zweier-Set zusätzlich 9,95 Mark.

Interview: Dr. med. Helmut Hermann

Renn- und Notarzt Dr. med. Helmut Hermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, zum Nierengurt
? Viele Biker verzichten auf einen Nierengurt. Sind damit gesundheitliche Schäden vorprogrammiert?! Wer eine Lederkombi oder einen wasserdichten und atmungsaktiven Textilanzug trägt, braucht sich keine Sorgen zu machen. Allerdings muss die Überlappung im Rückenbereich gewährleisten, dass am Übergang von Jacke und Hose keine Kältebrücke entstehen kann. Prinzipiell gilt bei der Wahl der richtigen Bekleidung das Zwiebelschalen-Prinzip. Im Winter sollte also zwischen Funktionsunterwäsche und Schutzbekleidung immer noch Platz für einen wärmenden Pullover sein.? Wer braucht dann noch einen Nierengurt?! Alle Motorradfahrer, die im Sommer wegen der vermeintlich hohen Außentemperaturen glauben, auf standesgemäße Schutzkleidung verzichten zu können und lediglich in Jeans und T-Shirt unterwegs sind. Die Gefahr liegt im sogenannten Windchill-Effekt: Die im seitlichen Rückenbereich liegenden Nieren werden heftigen Luftwirbeln ausgesetzt, die die Temperatur am Körper wesentlich kälter empfinden lassen als sie tatsächlich ist.? Was sind die Folgen einer Unterkühlung?! Die Folgen reichen von einer Verspannung der Rückenmuskulatur, im Volksmund auch Hexenschuss genannt, über die Entzündung des Ischiasnerves bis hin zur langwierigen und sehr schmerzhaften Nierenbeckenentzündung.? Schützen Nierengurte auch vor Erschütterungen?! Nein; die in hervorragend dämpfenden Fettpolstern untergebrachten Nieren haben einen solchen Schutz gar nicht nötig. Allerdings bietet die Komprimierung des Bauchraumes einen zusätzlichen Schutz vor Verletzungen der inneren Organe wie Milz, Leber, Nieren und Blase.

Der Schützende

Sicherheitsbewusste Piloten finden unter dem riesigen Angebot an Nierengurten solche, die nicht nur warm halten, sondern im Falle eines Falles auch noch schützen. Dainese (Telefon 089/27370808) beispielsweise schließt mit dem BAP 2000/3 eine Lücke, die in vielen Leder- und Textilanzügen mit eingearbeiteten, aber zu kurzen Rückenprotektoren klafft. Der Preis für den BAP 2000/3 beträgt 77 Mark.

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