Lederjacken und Gift: Test der Schadstoffe (Archivversion) Expertenmeinung

Unbedenklich oder ungesund? Über das Gefährdungs-Potential von Schadstoffen in Leder gehen die Meinungen der Fachleute weit auseinander.

Peter Cornelius Dartsch ist Professor Dr. rer. nat. Diplom Biochemiker am Institut für Arbeits- und Sozialmedizin der Universität Tübingen. Er forscht über die Toxizität von drei- und sechswertigen Chromverbindungen und von Azofarbstoffen

»Amine wie das nachgewiesenermaßen krebserzeugende Benzidin liegen nicht in freier Form im Leder vor, sondern in der gebundenen Form des Azo-Farbstoffs. Dieser muß beim Tragen der Jacke sowohl das textile Innenfutter durchdringen als auch durch die Haut aufgenommen und in der Leber gespalten werden.Wieviel des Azo-Farbstoffs nun durch das (manchmal jahrelange) Tragen einer solchen Jacke und durch Schwitzen aufgenommen wird, ist noch weitgehend ungeklärt. Der Nachweis der Menge an aromatischen Aminen im Leder wird entsprechend der DIN-Vorschrift durch sehr aggressive Analyseverfahren ermittelt, die nicht unbedingt den realistischen Schwitzbedingungen entsprechen.Nicht viel anders verhält es sich mit den gefundenen Mengen an sechswertigem Chrom. Dieses kann nur bei sehr empfindlichen Personen Hautschäden wie Dermatosen, Verätzungen und Allergien hervorrufen. Dies kann bei den in den Lederjacken gefundenen Chromkonzentrationen nahezu ausgeschlossen werden.Abschließend bleibt festzuhalten, daß bei Motorradjacken neben dem textilen Innenfutter ein zusätzliches T-Shirt oder Hemd zuverlässig hilft, den Schweiß aufzusaugen und die in der Jacke vorhandenen Chemikalien nicht einer Aufnahme durch die Haut zugänglich zu machen.Als ehemaliger Motorradfahrer gefragt, ob ich heute Motorradkleidung aus chromgegerbtem Leder anziehen würde, kann ich dies nicht nur bejahen, sondern daran erinnern, daß vor rund 20 Jahren sich kaum jemand Gedanken über mögliche Schadstoffe oder Chemikalien im Leder gemacht hat, daß es weder entsprechende restriktive Vorschriften zur Gerbung und Färbung noch die heutigen empfindlichen Analysemethoden gab.

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