Lederjacken und Gift: Test der Schadstoffe (Archivversion) Im Test-Labor

Schadstoffe sind nicht offensichtlich. Nur eine exakte Laboranalyse entscheidet über »giftig oder nicht giftig«.

Selbst der Geruch sei kein Indiz, sagen die Laborantinnen der Gerberschule Reutlingen, für das Vorhandensein von Giftstoffen. Sie bewerten ihn trotzdem, kann er doch das subjektive Wohlbefinden beeinträchtigen. Zur Schadstoffanalyse selbst gehört einiges Fingerspitzengefühl, denn nicht einmal die modernsten Methoden können immer jedes Molekül eines Stoffes entdecken. Erkennungsschwellenwert nennen die Fachleute die Grenze, unter der sie nichts mehr finden. Immerhin suchen sie in Regionen des ppm-Bereichs, soll heißen: parts per million, ein Milligramm des gesuchten Stoffes in einem Kilogramm Leder. Auch wenn dem Laien diese Konzentrationen verdammt gering vorkommen mögen, behaupten vorsichtige Fachleute, daß ein Molekül einer krebserregenden Substanz am richtigen Ort im Körper vollkommen genügt...Also gehen die Laborantinnen penibelst ans Werk. Dazu zerschneiden sie die Jacken, nehmen auch Teile von Futter, Protektoren, Reißverschlüssen und Druckknöpfen. Nach der Zerkleinerung - die Leder- und Textilstücke werden in einer speziellen Mühle gemahlen - müssen die vermeintlichen Schadstoffe herausgelöst, besser gesagt extrahiert werden. Die jeweiligen Vorgehensweisen sind von der DIN vorgeschrieben (DIN 533-16 Azo-Farbstoffe, -15 Formaldehyd, -14 Chrom-6, -13 PCP).Azo-Farbstoffe finden sich in einer Pufferlösung wieder, Formaldehyd und Chrom-6 in Wasser, PCP in Aceton. Nach der Reinigung der Extrakte folgt die Analyse, wiederum nach der obengenannten DIN. Was die Chromatographen oder Photometer dann ergeben, wird mittels geeigneter Software ausgewertet.

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