Lederjacken und Gift: Test der Schadstoffe (Archivversion)

Die Schadstoffe tragen für Laien kryptische Namen. Was verbirgt sich dahinter? Ein kleiner Ausflug in das Reich der Chemie macht klüger.

Azo-Farbstoffe: Unter diesen Begriff fällt die größte Stoffklasse des weltweiten Farbmittelmarktes, chemisch zu erkennen an der Stickstoff-Stickstoff-Doppelbindung, im Fachjargon Azo-Verbindung genannt. 150 dieser Farbstoffe enthalten krebserregende Amine, die in der Leber durch Enzyme abgespalten werden können. Eines davon, das Benzidin, verursacht Harnblasenkrebs. Die Herstellung und der Import von Azo-Farbstoffen ist seit dem 31. März 1997 in Deutschland verboten, aber der Verkauf von damit gefärbter Kleidung noch bis Ende Dezember 1998 zulässig, von Second Hand-Bekleidung unbefristet.Chrom: 90 Prozent des weltweit produzierten Leders wird mit Chrom-Salzen gegerbt. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um das ungiftige Chrom der Oxidationsstufe III, das in Spurenelementen sogar essentiell für den menschlichen Stoffwechsel ist. Sechswertiges Chrom dagegen verursacht nicht nur Asthma und Allergien, sondern ist giftig, krebserregend und erbgutschädigend. Obwohl Chrom (VI) selbst vor allem in Europa nicht mehr in der Gerbung eingesetzt wird, läßt es sich seit einigen Jahren in den Lederprodukten immer wieder nachweisen. Es gibt keinen Grenzwert vom Gesetzgeben, es fällt aber unter die Verbotsverordnung: Keine toxischen Substanzen in Bedarfsgegenständen.Formaldehyd: In reinem, wasserfreien Zustand ist Formaldehyd ein farbloses, stechend riechendes Gas. Es wird unter anderem als Hilfsmittel in der Textil-, Leder-, Pelz-, Papier- und Holzindustrie eingesetzt und dient als Konservierungs- und Desinfektionsmittel. Zweifelhafte Berühmtheit als Umweltgift erlangte Formaldehyd darüber, daß es aus Spanplatten, Isolierschaumstoffen und anderen Baumaterial in Wohnräume verdunstet und Allergien und andere Krankheiten auslöst. Formaldehyd gilt als Stoff mit begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potential. Pentachlorphenol (PCP): PCP ist ein farbloses, weißes, nadelförmiges Kristall, das zur Konservierung und Desinfektion von Holz, Leder und Textil eingesetzt wurde. Es gilt auf der einen Seite als embryotoxisch und führt zu Mißbildungen, ist auf der anderen Seite wegen seiner geringen Abbaubarkeit gefährlich. Hohe Produktions- und Anwendungsmengen über Jahnrzehnte führten zu lokalen, territorialen und vermutlich globalen Kontaminationen der Umwelt. PCP ist in Deutschland verboten.(alle Angaben entstammen: Römpp Lexikon Chemie, 9./10. Auflage; Lehrbuch der Toxikologie von Marquardt/Schäfer)

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