Lederkombis: Sicherheit bei Stürzen (Archivversion)

Fall 1Das war mal wieder typisch: Da umrundet Kollege Lindner mit der bärenstarken Suzuki TL 1000 den engen Kurs in Südspanien tagelang mit rutschenden Rädern, und dann zerlegt es ihn ganz zum Schluß bei übermütigen Spielereien. Ein kurzer Augenblick ohne Konzentration, das Gas zu heftig aufgerissen, und schon war der Highsider nicht mehr zu vermeiden. Das Motorrad katapultierte sich auf gut drei Meter Höhe, der Fahrer gab sich mit zwei Metern zufrieden. Die Protektoren der FLM-Kombi steckten den Aufprall trotzdem gut weg. Auch das anschließende Rutschen auf dem griffigen Asphalt überstand das Leder weitgehend lochfrei, einige Nähte klafften allerdings bereits auseinander. Unnötige Schmerzen bereitete dem Kollegen jedoch eine Kleinigkeit: Der dicke Zipper der alternativ zu verwendenden Kurzverbindung am Rücken drückte sich kräftig in das Becken ein. Daß Leder widerstandsfähiger als Kevlar ist, zeigte sich an den Schultern. Wäre das Kiesbett ein paar Meter später gekommen, hätte sich der Sturzpilot wohl die Haut abgeraspelt.Fall 2Schon wieder der Herr Lindner, diesmal im ernsthaften Renneinsatz mit der Suzuki GSX-R 750 in Hockenheim. Ausreden gab es auch diesmal keine (außer, daß man im Rennsport eben spät und heftig bremsen muß). Beim Anbremsen ausgangs der Querspange rutschte in Schräglage bei etwa 140 km/h das Vorderrad weg. Ein sturzfreundliches Kiesbett gibt es dort leider nicht, bis zur Leitplanke ist aber Platz für eine ausgiebige Rutschpartie. Dabei zahlte sich die gute Paßform und der stramme Sitz der Dainese-Rennkombi aus. Obwohl der Kollege kräftig purzelte, gab es zwar mentale, aber keinerlei körperlichen Blessuren. Die Protektoren blieben dank gutem Sitz an ihrem angestammten Platz. Auch die Haut wurde nicht angetastet, obwohl im Leder im Bereich der Protektoren einige Löcher zu sehen waren. Die Hartschalen sorgen für hohe Flächenpressung und scheuern das Leder daher schnell durch. Solange die Protektoren so gut sitzen wie in diesem Fall, ist das kein Problem. Fall 3Highsider sind immer eine unangenehme Sache. Schon bei mäßigem Tempo kann es den Fahrer meterhoch in die Luft schleudern, wenn das wegrutschende Hinterrad plötzlich wieder Grip bekommt. Der Aufprall auf die harte Asphaltoberfläche ist entsprechend unsanft. Auch für Rainer Bäumel verlief der Highsider mit der Honda CBR 600 bei 103 km/h (dank Data-Recording exakt dokumentiert) weniger glücklich. Er brach sich beim Aufprall einen Mittelhandknochen und zog sich ein paar Abschürfungen zu. Der Bruch war wohl unabwendbar, einige kleinere Schäden wären vielleicht vermeidbar gewesen. Das weiße Leder des Dainese-Einteilers oberhalb des Ellbogens erwies sich in diesem Fall als nicht besonders reißfest. Dies scheint eine Folge der intensiven Färbung mit reichlich viel Chemie zu sein. Dunkle, natürliche Farben strapazieren das Leder meist weniger. Auch bei dieser Kombi wirkt das rot eingefärbte Leder deutlich widerstandsfähiger. Großflächige Schleifspuren an Rücken und Gesäß zeugen davon. Im Kniebereich wurde innen eine Naht zwischen Leder und Kevlareinsatz aufgetrennt, ein wohl eher untypischer Schaden. Fall 4Daß Stürze bei etwa gleicher Geschwindigkeit sehr unterschiedlich ablaufen können, zeigt der Ausrutscher des Mitarbeiters Jörg Schüller bei der Präsentation der neuen Triumph Daytona. Bei zirka 110 km/h setzte diese hart am Krümmer auf, dabei hebelte es das Hinterrad aus. Im Gegensatz zum Highsider gehört solch ein Ausheber in der Regel zu den eher »angenehmeren« Stürzen mit geringerem Verletzungsrisiko: Der Fahrer fällt verhältnismäßig sanft auf den Asphalt, da er sich in Schräglage ohnehin schon recht nah am Boden befindet. Die Protektoren sind praktisch gar nicht gefordert, solange kein Hindernis im Weg steht und keine Kollision mit der eigenen Maschine droht. Beste Voraussetzungen für einen angenehmen Abgang also. Daher wurde die Motoport-Kombi in diesem Fall nur wenig beansprucht, zumal der Kontakt zur Fahrbahn beim Rutschen großflächig war. Auf jeden Fall macht die Lederqualität einen guten Eindruck. Auch die Nähte sind solide und rutschfest ausgeführt, aufgetrennte Nahtverbindungen gab es nicht.

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