Lederkombis: Sicherheit bei Stürzen (Archivversion) Rutscher und Ausrutscher

Ein Selbstversuch

Der Homo sapiens ist im Laufe der Evolution ziemlich dünnhäutig geworden, für eine Rutschpartie auf Asphalt hat ihn die Natur nicht gewappnet. Rinder sind paradoxerweise von Natur aus besser geschützt, auch wenn sie sich vornehmlich auf weichem Wiesengras bewegen. Aber Leder ist nicht gleich Leder, es kommt auf das Rind, die Ziege oder das Känguruh an, und nicht zuletzt auf die Verarbeitung. Um den Unterschieden möglichst praxisnah auf den Grund zu gehen, ließ MOTORRAD einen Freiwilligen von einem Auto aus dem Stillstand auf Tempo 50 beschleunigen und in Seitenlage insgesamt etwa 70 Meter schleifen. Für den Härtetest wurden zwei Lederanzüge der oberen Preisklasse von namhaften, deutschen Herstellern ausgewählt. Dabei zeigten sich große Unterschiede, die ganz eindeutig auf die unterschiedliche Verarbeitung zurückzuführen sind. Bei Kombi 1 gab es zwar Löcher in der Außenhaut, da die Kombi während der ganzen Zeit auf relativ kleinen Flächen schliff. Doch da die Protektoren groß genug waren und auch Sitz und Paßform hervorragend, blieb es bei diesen lokalen oberflächlichen Beschädigungen im Bereich der Schaumpolster. Beim näheren Hinsehen fällt auf, daß sämtliche Nähte doppelt ausgeführt und nach innen gestülpt sind, so daß der Faden geschützt ist. Das Leder ist zudem sehr stark überlappend ausgeschnitten, unter den Nähten umgeklappt und verklebt. Eine teure und arbeitsintensive Methode, die sich für den Käufer beim Sturz aber auszahlt. Dazu kommen großflächige Kevlar-Unterlegungen am Gesäß und unter allen Protektoren, die bei Beschädigungen des Obermaterials zusätzlich schützen. Erheblich schlechter sah Kombi 2 aus. Schon vor dem Ende der Teststrecke klafften große Lücken im Leder, die Nähte waren weit aufgerissen und die Protektoren teilweise freigelegt, die Haut bereits an mehreren Stellen ungeschützt. Der unbefriedigende Schutz liegt einerseits am stellenweise deutlich dünneren Leder, andererseits an der simpleren Ausführung der Nähte. Das Leder ist an vielen Stellen nur aufeinandergelegt und einfach vernäht, dünne Streifen decken diese offenen Nähte ab. Auch ist die Überlappung an den Nähten knapp gehalten. Dazu kommt ein extrem reißfester Faden, der das durch die Nähte perforierte Leder glatt durchreißt.

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