Motorradfahren mit Kindern (Archivversion) Mit Sicherheit dabei

Egal, ob nach Indien oder nur zum Zoo – wer Kinder mitnehmen möchte, muss sich Gedanken über die richtige Kleidung machen.

Der Autor dieser Zeilen sieht Tag X
mit gemischten Gefühlen entgegen. Spätestens in zwei Jahren wird sich Sohn Luca nicht mehr mit irgendwelchen Aus-
reden abspeisen lassen. An Tag X – eine Definition dafür könnte lauten: der Moment, an dem die Füße sicher auf die Rasten
reichen – wird man als Vater aber auch garantiert platzen vor Stolz. Die erste gemeinsame Ausfahrt. Was für ein tolles Ereignis. Wären da andererseits nicht
die Sorgen um die Sicherheit des Kindes.
Vorab ein kurzer Blick ins Gesetzbuch. Die Mitnahme von Kindern auf einem
Motorrad wird darin eher nebenbei abgehandelt (StVZO Paragraph 35a, Absatz 9).
Es gibt keine spezielle Altersangabe, ab wann der Nachwuchs hintendrauf mitfahren darf. Einzig für Kinder unter sieben Jahren sind ein spezieller Sitz mit Fußstützen und eine Radverkleidung vorgeschrieben, damit die Füße nicht in Speichen oder Felgen geraten können. Luca, 4, könnte heute also schon zur ersten Tour starten. Ob er es lange genießen würde, ist schwer zu sagen. Kinder in diesem Alter sind oft zu klein, um am Fahrer vorbeizuschauen, kriegen wenig bis gar nichts von der Fahrt mit. Zudem haben sie nur eine geringe Konzentrationsfähigkeit und ganz sicher keinen Spaß an Kapriolen wie schräge Kurvenhatz oder abrupten Beschleu-
nigungs- und Bremsmanöver. Zu lange Etappen sind ebenfalls verpönt. Je
nach Alter sollte man bereits nach 15
bis 30 Minuten eine Pause einplanen
und ein Ziel anpeilen, das für die Kleinen interessant ist, beispielsweise einen
Spielplatz. Wer den Nachwuchs bewusst ans Motorradfahren heranführen möchte, wartet vielleicht besser, bis die Zwerge eine gewisse körperliche und geistige Reife erreicht haben.
Wenn es dann so weit ist, müssen
entsprechende Motorradklamotten
her. Kompromisse? Besser nicht, auch
wenn’s finanziell schon weh tun kann.
Skijacken und -hosen aus einfachem Kunststoff sind tabu. Ebenso Gummi-
stiefel und Textilschuhe. Im Falle eines Sturzes können solche Produkte aufgrund der hohen Reibungshitze mit der Haut
verschmelzen. Die Schutzfunktion von
wattierten Winterhandschuhen tendiert ebenfalls gegen null.
Glücklicherweise haben beinahe
alle Motorradbekleidungshersteller inzwischen reagiert und bieten Schutzkleidung oft bereits ab Größe 98 an. Wie bei den Kombis von Papa und Mama sollten
die sturzgefährdeten Zonen besonders
abriebfest und möglichst mit CE-geprüften Protektoren versehen sein. Die einfachen Schaumprotektoren, die in vielen Textil-
anzügen stecken, lassen sich meist gegen einen hochwertigeren Satz austauschen.
Bei der Anprobe ist darauf zu achten, dass Jacke und Hose perfekt passen.
Bei zu weit sitzender Bekleidung kön-
nen die Protektoren bei einem Sturz
verrutschen. Praktisch: Manche Anzüge »wachsen« dank Reißverschluss-Ver-
stellmöglichkeiten bis zu vier Zentimeter
mit. Mit allen Motorrad-Kombinationen können sich die Kinder übrigens auch
auf der Skipiste sehen lassen.
Stiefel strapazieren das Budget besonders. Gute und robuste Modelle kosten bis zu 100 Euro – und wachsen definitiv nicht mit. Eine Alternative sind allenfalls feste, unbedingt knöchelhohe Wanderschuhe aus Leder, die genauso gut bei anderen Aktivitäten getragen werden können.
Bei den Helmen ist das Angebot überraschend vielfältig. Spezielle Kinderhelme (Uvex, Vemar, Kiwi) zeichnen sich durch sichtbar kleinere Helmschalen und damit durch geringeres Gewicht aus. Ein Jethelm ohne Kinnschutz eignet sich höchstens
für Fahrten im Gespann.
Wer nur selten mit Tochter oder Sohn unterwegs ist oder Bekleidung lediglich
für eine Urlaubsreise benötigt, kann diese auch mieten. »Die Nachfrage ist inzwischen groß«, erklärt Ingo Ratschinske aus dem schwäbischen Beilstein (Telefon 07062/ 679673), der auf seiner Internetseite
www.motorrad-kids.de im Prinzip alles in Sachen Bekleidung in vielen Größen zum Ausleihen bereithält. Eine komplette Kombination vom Helm bis zum Stiefel schlägt pro Monat mit etwa 60 Euro zu Buche,
zuzüglich Versandkosten. Ähnlich verfährt Ralf Kühl, der in seinem Motorrad-Kinderland (www.motorrad-kinderland.de, Telefon 08123/990023) ausgewählte Einzelstücke wie komplette Garnituren für Kinder zum Verkauf und zum Ausleihen anbietet sowie überaus kompetent berät. Eigentlich kann Tag X jetzt kommen. Eigentlich...

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