Produkttest Nachrüst-Protektoren Welche Nachrüst-Protektoren sind sicher?

Es gibt gepolsterte Büstenhalter, die auf "wonderbrare" Weise ein strammes Dekolletee herzaubern, und es gibt Protektoren, die ebenso wundersam der Motorradschutzbekleidung echte Superkräfte verleihen sollen. Alles nur Schaumschlägerei?

Zeichnung: Aue

Ein Protektor kann bei einem glücklich verlaufenden Sturz möglicherweise Verletzungen lindern, nicht verhindern. Er ist keine Versicherung, dass nichts passieren kann, und bei einem Frontalcrash mit einem Auto bräuchte man schon einen Engel, der einen darüber hebt, um heil davon zu kommen", erklärt Michele Vulcano, Produktmanager beim Protektorenhersteller Viscotec in Stuttgart. Professor Dietmar Otte, Leiter der Verkehrsunfallforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover, zieht eine ähnliche Bilanz. Sein Team untersucht jährlich rund 200 Motorradunfälle, Otte gilt als einer der Pioniere bei der Erforschung von "Persönlicher Schutzausrüstung" (PSA). Er erinnert sich noch gut an die Anfänge in den 1980ern: "Wenn wir seinerzeit nach einem Unfall die Schutzbekleidung begutachtet hatten, quoll als Polster noch normaler Matratzenschaumstoff an den aufgescheuerten Sturzzonen heraus." Und im Rennsport banden sich die Fahrer zunächst Plastikschalen um die Knie, um beim Sturz kontrollierter zu rutschen, von echter Schlagdämpfung konnte man damals nicht sprechen.

Ottes Ansicht nach waren vorgeformte Schalen aus progressiv dämpfenden Polyurethan-Schäumen des schwedischen Konfektionärs Halvarssons vor rund 25 Jahren die ersten wirksamen Protektoren. Und erst seit rund 15 Jahren werkeln verschiedene Arbeitsgruppen an definierten Prüfnormen:Seit der 1997 in Kraft getretenen Norm EN 1621-1 müssen Hersteller, die ausdrücklich auf die Schutzwirkung der Motorradbekleidung hinweisen, ihre Produkte entsprechend zertifizieren lassen.

Zuständig sind akkreditierte Prüfinstitute, in Deutschland ist das etwa der TÜV Rheinland. Die CE-Kennzeichnung (Abkürzung für "Communauté Européenne", französisch für "Europäische Gemeinschaft") gilt seither als Siegel für geprüfte Sicherheit - damit werben jedenfalls die Anbieter von Protektoren. In der Praxis ist die Norm aber umstritten, schließlich hatte man sich in den Anfängen nach zähem Gerangel zwischen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft (mit jeweils unterschiedlichen Interessen der einzelnen Ländervertreter) auf Grenzwerte geeinigt, die nach aktuellen Erkenntnissen etwas aus der Luft gegriffen zu sein scheinen. Trifft nämlich eine normkonforme Restkraft von 35 Kilonewton tatsächlich auf Knochen und Gelenke, würde es diese - salopp gesagt - pulverisieren. Medizinische Studien, die jedoch nicht eins zu eins auf echte Unfallverläufe übertragbar sind, haben ergeben, dass menschliche Knochen maximal fünf bis sechs Kilonewton aushalten.

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Foto: Dentges, mps-Fotostudio

Fußend auf neueren, noch zielgerichteteren Forschungen tagen zurzeit internationale Arbeitsgruppen über einer Novellierung der Norm. "Deutschland hätte dort gern das Kraft-Zeit-Verhalten verankert, denn unserer Ansicht nach sind Beschleunigungsspitzen, die durch den Protektor weitergeleitet werden, besonders kritisch", erklärt Christoph Gatzweiler, Ressortleiter Technik beim Industrie-Verband Motorrad (IVM) in Essen. Und meint damit vereinfacht: Ein schneller Schlag mit vergleichsweise geringer Krafteinwirkung kann gefährlicher sein, als ein kraftvollerer, bei dem der Knochen aber mehr Zeit hat, ihn zu verdauen. Mit dieser Forderung konnten sich die Deutschen aber nicht durchsetzen, dennoch wird voraussichtlich Mitte 2012 eine Norm aufgestellt, nach der nun auch Gelenkprotektoren (wie Rückenprotektoren schon jetzt) nach Level 1 und 2 geprüft werden können, wobei der Grenzwert des Levels 2 von 35 auf rund 20 kN gesenkt werden soll. "Immerhin ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Gatzweiler. Klar ist: Gelenk- und Rückenprotektoren sind sinnvoll, auch wenn sich nach wie vor die Geister daran scheiden, ob Hartschalen oder Weichschäume besser sind. Spezialist Otte sieht in der Kombination beider den Königsweg, bemerkt aber allgemein: "Knochenbrüche kann man kaum verhindern, aber die Art der Fraktur durchaus beeinflussen."

Protektoren könnten gefährliche offene Brüche (Infektionsrisiko) und komplizierte Trümmerbrüche, die häufig Folge von starken punktuellen Belastungen sind, zu vergleichsweise einfachen Brüchen "umwandeln" (mit besseren Heilungschancen). Außerdem schützen selbst einfache Hartschalen- und Schaumteile Haut und Gewebe gut vor Abschürfungen und reibungsbedingten Brandverletzungen, weil sie als zusätzlicher Schleifschutz dienen, wenn sich das Obermaterial von Jacke und Hose auf dem Asphalt in Wohlgefallen auflöst (bei einem Sturz meist schon nach drei Sekunden Rutschzeit). Voraussetzung für einen Sicherheitsgewinn neben dem Tragen von guten Motorradstiefeln und -handschuhen ist aber, dass die Protektoren gut sitzen. Schlechte Idee: blind aus dem Internet zu bestellen, zumal viele Protektoren überhaupt nicht in die dafür vorgesehenen Taschen passen. Klüger: rein in die Motorradklamotten und hin zum Laden. Bei einer ausführlichen Anprobe kann besser ermittelt werden, ob eine Nachrüstung sinnvoll ist.

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Foto: Dentges, mps-Fotostudio

Protektoren sollten fest mit dem Außengewebe verbunden sein und nicht allzu locker in den dafür vorgesehenen Taschen baumeln. Beim Sturz würden sie sich wegdrehen - Schutz dann: gleich null. Zur Prüfung Fahrhaltung einnehmen und einen Helfer prüfen lassen, wie fest die Schützer an Rücken und Gelenken anliegen. Schutzwirkung schön und gut, die Bewegungsfreiheit sollte aber nicht eingeschränkt sein. Helmut Faidt, Protektorenentwickler bei Sas-Tec im schwäbischen Markgröningen, stellt fest: "Wir könnten Schaumprotektoren so herstellen, dass sie nur eine Restkraft von fünf Kilonewton durchlassen, aber die wären dann drei Zentimeter dick und würden die aktive Sicherheit einschränken." Kontraproduktiv. Eine gewisse Luftzirkulation zur Steigerung des Fahrkomforts sei außerdem erstrebenswert, da sind sich alle Experten einig. Von den aktuellen Testkandidaten patzte in der Komfortwertung jedoch keiner so richtig, das ist sehr erfreulich, und - noch wichtiger - die Mehrzahl der geprüften Protektoren sorgt für eine gute Schlagdämpfung. Es spricht also vieles dafür, lieber jetzt als gleich loszuziehen und seine sicherheitstechnisch vielleicht etwas in die Jahre gekommene Motorradkleidung mit Protektoren der neuesten Generation aufzumöbeln.

Platz 1: Safemax Premium

Foto: mps-Fotostudio

 

Preis in Euro (je für ein Paar S, E, H, K*) 16,95 (S), 18,95 (E, K), 14,95 (H)
Anbieter, Telefon, Internet Polo, Tel. 0180/5225785, www.polo-motorrad.de
  
Sicherheit
max. Wert nach EC-Norm 35 kN 
Schulter 11,0 kN
Ellbogen 13,0 kN
Hüfte 10,2 kN
Knie 8,7 kN
Abdeckung ausgezeichnete Abdeckung bei allen Protektoren, asymmetrische Konstruktion
  
Komfort
Punkte (max. 70) 64
Passform sehr gut
Belüftung gut
Gewicht in g S/E/H/K* 100/124/88/148
Punkte (max. 30) 23
 
Fazit Volltreffer! Hier stimmt alles: erstklassiger Komfort bei voller Sicherheit ohne Kompromisse. Grandiose Schlagdämpfung am Knie, super Passform, akzeptables Gewicht. Komplettsatz rund 70 Euro, ein astreines Angebot. Das gibt die Goldmedaille.
Gesamtpunkte (max 100) 87
Note sehr gut
Platz 1.

* S = Schulterprotektor, E = Ellbogenprotektor, H = Hüftprotektor, K = Knieprotektor

Platz 2: Held Quattrotempi

Foto: mps-Fotostudio

 

Preis in Euro (je für ein Paar S, E, H, K*) 19,95 (S, E, K), 17,95 (H)
Anbieter, Telefon, Internet
 Held, Tel. 08321/6646-0, www.held.de
  
Sicherheit
max. Wert nach EC-Norm 35 kN 
Schulter 18,4 kN
Ellbogen 16,1 kN
Hüfte 17,0 kN
Knie 14,0 kN
Abdeckung generell gut, Schulterprotektoren reichen ungewöhnlich weit in den Rücken rein 
  
Komfort
Punkte (max. 70) 53
Passform sehr gut
Belüftung sehr gut
Gewicht in g S/E/H/K* 80/98/86/98
Punkte (max. 30) 27
  
Fazit Klasse Belüftung und Tragekomfort, asymmetrische Konstruktion – das Ganze aber nicht zu Lasten von Sicherheit. Und der Preis für diesen Komplettsatz Hightech-Protektoren ist fair. Ganz nah dran am Motorradfahrer – Silber.
Gesamtpunkte (max 100) 80
Note gut
Platz 2.

* S = Schulterprotektor, E = Ellbogenprotektor, H = Hüftprotektor, K = Knieprotektor

Kauftipp: Platz 3: BMW NP

Foto: mps-Fotostudio

 

Preis in Euro (je für ein Paar S, E, H, K*) 11,00 (S, E, K), 9,00 (H)
Anbieter, Telefon, Internet BMW Motorrad, Tel. 0180/5001972, www.bmw-motorrad.de
  
Sicherheit
max. Wert nach EC-Norm 35 kN 
Schulter 17,0 kN
Ellbogen 17,,2 kN
Hüfte 17,3 kN
Knie 10,7 kN
Abdeckung hervorragend, insbesondere die Kniegelenke sind komplett umschlossen
  
Komfort
Punkte (max. 70) 56
Passform gut
Belüftung befriedigend
Gewicht in g S/E/H/K* 88/140/62/180
Punkte (max. 30) 21
  
Fazit
 Große Stärke der BMW-Protektoren ist die Sicherheit.Vorbildliche Abdeckung der Gelenke, und die Schlagdämpfung ist durchgehend gut bis sehr gut. Der Tragekomfort dürfte hingegen gerne besser ausfallen. Bronzemedaille.
Gesamtpunkte (max 100) 77
Note gut
Platz 3.

* S = Schulterprotektor, E = Ellbogenprotektor, H = Hüftprotektor, K = Knieprotektor

Platz 4: Supershield HTP-2/03

Foto: mps-Fotostudio

 

Preis in Euro (je für ein Paar S, E, H, K*) 16,95 (S), 17,95 (E), 14,95 (H), 18,95 (K)
Anbieter, Telefon, Internet Louis, Tel. 040/73419360, www.louis.de
  
Sicherheit
max. Wert nach EC-Norm 35 kN 
Schulter 28,5 kN
Ellbogen 25,5 kN
Hüfte 15,8 kN
Knie 18,9 kN
Abdeckung asymmetrische Konstruktion mit großflächige Abdeckung, insgesamt gut
  
Komfort
Punkte (max. 70) 44
Passform gut
Belüftung sehr gut
Gewicht in g S/E/H/K* 92/74/78/106
Punkte (max. 30) 26
  
Fazit Leicht, bequem, durchdachtes Konzept. Viel Hightech mit dem Ziel, höchsten Komfort zu bieten. Das ist sehr gut. Die teilweise eher durchschnittlichen Werte bei der Schlagdämpfung verhindern jedoch einen Podestplatz.  
Gesamtpunkte (max 100) 70
Note gut
Platz 4.

* S = Schulterprotektor, E = Ellbogenprotektor, H = Hüftprotektor, K = Knieprotektor

Platz 5: Büse SC-1/04-07

Foto: mps-Fotostudio

 

Preis in Euro (je für ein Paar S, E, H, K*) 11,95 (S), 10,95 (E), 8,95 (H), 12,95 (K)
Anbieter, Telefon, Internet Büse, Tel. 02471/12690, www.buese.com
  
Sicherheit
max. Wert nach EC-Norm 35 kN 
Schulter 25,3 kN
Ellbogen 22,0 kN
Hüfte 23,6 kN
Knie 20,1 kN
Abdeckung lobenswert, alle Schützer umfassen prima die einzelnen Gelenke
  
Komfort
Punkte (max. 70) 42
Passform gut
Belüftung befriedigend
Gewicht in g S/E/H/K* 100/84/50/122
Punkte (max. 30) 23
  
Fazit Ordentliche Schlagdämpfung, auch ohne Bestwerte. Für unter 50 Euro bietet Büse einen vertrauenswürdigen Schutz zum Nachrüsten. In Sachen Komfort, besonders bei der Belüftung, besteht allerdings noch Verbesserungsbedarf.  
Gesamtpunkte (max 100) 65
Note befriedigend
Platz 5.

* S = Schulterprotektor, E = Ellbogenprotektor, H = Hüftprotektor, K = Knieprotektor

Platz 6: Rukka APS Air

Foto: mps-Fotostudio

 

Preis in Euro (je für ein Paar S, E, H, K*) 89,95 (S, K), 69,95 (E), 59,95 (H)
Anbieter, Telefon, Internet
 Rukka, Tel. 040/5511055, www.rukka.de
  
Sicherheit 
max. Wert nach EC-Norm 35 kN 
Schulter 20,8 kN
Ellbogen 22,9 kN
Hüfte 21,0 kN
Knie 24,0 kN
Abdeckung gute Abdeckung, die sich aber eher aus großen Flächen als durch clevere Formen ergibt
  
Komfort
Punkte (max. 70) 41
Passform gut bis befriedigend
Belüftung sehr gut
Gewicht in g S/E/H/K* 212/156/136/202
Punkte (max. 30) 21
  
Fazit Den Anspruch, besonders komfortabel zu sein, erfüllen die Rukka-Schützer nur in puncto Belüftung mit Bravour. Ordentliche Schlagdämpfung, aber vergleichsweise schwer und extrem teuer (über 300 Euro pro Satz).
Gesamtpunkte (max 100) 62
Note befriedigend
Platz 6.

* S = Schulterprotektor, E = Ellbogenprotektor, H = Hüftprotektor, K = Knieprotektor

Platz 7: Spidi Multitech

Foto: mps-Fotostudio

 

Preis in Euro (je für ein Paar S, E, H, K*) 42,90 (S + E nur als Komplett-Satz), 11,90 (H), 29,90 (K)
Anbieter, Telefon, Internet Shark, Tel. 04108/458000, www.spidi.com
  
Sicherheit
max. Wert nach EC-Norm 35 kN 
Schulter 24,9 kN
Ellbogen 23,9 kN
Hüfte
 Grenzwert überschritten
Knie 15,0 kN
Abdeckung die Formen passen, gute Abdeckung, nur an den Schultern sitzen die Schützer mäßig
  
Komfort
Punkte (max. 70) 36
Passform gut
Belüftung befriedigend
Gewicht in g S/E/H/K* 64/122/80/122
Punkte (max. 30) 22
  
Fazit Bis auf den äußerst billig gemachten Hüftprotektor (der ein besseres Gesamtergebnis vereitelt) erkennt man sofort, dass die Italiener mit Sinn und Verstand entwickelt haben. Das Ergebnis: durchaus empfehlenswerte Protektoren.
Gesamtpunkte (max 100) 58
Note befriedigend
Platz 7.

* S = Schulterprotektor, E = Ellbogenprotektor, H = Hüftprotektor, K = Knieprotektor

Platz 8: IXS CE-Protector

Foto: mps-Fotostudio

 

Preis in Euro (je für ein Paar S, E, H, K*) 19,95 (S, E, K), 15,00 (H)
Anbieter, Telefon, Internet IXS, Tel. 07631/18040, www.ixs.de
  
Sicherheit
max. Wert nach EC-Norm 35 kN 
Schulter 28,4 kN
Ellbogen 31,8 kN
Hüfte
 Grenzwert überschritten
Knie 30,1 kN
Abdeckung Bis auf die Knie werden alle Gelenke gut umfasst und geschützt
  
Komfort
Punkte (max. 70) 19
Passform befriedigend
Belüftung befriedigend
Gewicht in g S/E/H/K* 84/98/80/98
Punkte (max. 30) 22
  
Fazit Die durchschnittlichen Schlagdämpfungswerte bewegen sich an der Grenze zu den geforderten Normvorgaben (Hüfte sogar darüber). Der Tragekomfort ist okay, aber insgesamt sind die Protektoren nicht mehr zeitgemäß. 
Gesamtpunkte (max 100) 41
Note ausreichend
Platz 8.

* S = Schulterprotektor, E = Ellbogenprotektor, H = Hüftprotektor, K = Knieprotektor

Platz 9: Hiprotec Comfort

Foto: mps-Fotostudio

 

Preis in Euro (je für ein Paar S, E, H, K*) 17,95 (S, E, K)
Anbieter, Telefon, Internet Hein Gericke, Tel. 0180/5229522, www.heingericke.de
  
Sicherheit
max. Wert nach EC-Norm 35 kN 
Schulter 30,7 kN
Ellbogen 33,9 kN
Hüfte nicht vorhanden
Knie Grenzwert überschritten
Abdeckung decken sehr großflächig, aber eher lappig ab und umschließen nicht wirklich die Gelenke
  
Komfort
Punkte (max. 70) 20
Passform gut
Belüftung ausreichend
Gewicht in g S/E/H/K* 114/114/-/114
Punkte (max. 30) 20
  
Fazit Mäßige Belüftung, da ist der Name „Comfort“ nicht gerade Programm. Als Minimalschutz für alle, die am liebsten ganz auf Protektoren verzichten würden, erfüllen die dünnen, mattenähnlichen Gummischützer jedoch ihren Zweck. 
Gesamtpunkte (max 100) 40
Note ausreichend
Platz 9.

* S = Schulterprotektor, E = Ellbogenprotektor, H = Hüftprotektor, K = Knieprotektor

Platz 10: D30 T5

Foto: mps-Fotostudio

 

Preis in Euro (je für ein Paar S, E, H, K*) 14,95 (S, E, H), 17,95 (K)
Anbieter, Telefon, Internet Held, Tel. 08321/6646-0, www.held.de
  
Sicherheit
max. Wert nach EC-Norm 35 kN 
Schulter
 Grenzwert überschritten
Ellbogen Grenzwert überschritten
Hüfte 27,7 kN
Knie Grenzwert überschritten
Abdeckung ausreichend große Prüfzone nach Norm,  mehr aber auch nicht. Etwas dürftig
  
Komfort
Punkte (max. 70) 11
Passform gut bis befriedigend
Belüftung ausreichend
Gewicht in g S/E/H/K* 60/76/62/94
Punkte (max. 30) 22
  
Fazit Der Anbieter spricht von intelligenten Molekülen im Material, aber bei diesen „Hochbegabten“ handelt es sich eher um Problemschüler, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Die Schlagdämpfungswerte sind unterirdisch.
Gesamtpunkte (max 100) 33
Note mangelhaft
Platz 10.

* S = Schulterprotektor, E = Ellbogenprotektor, H = Hüftprotektor, K = Knieprotektor

Platz 11: Alpinestars Bioarmor

Foto: mps-Fotostudio

 

Preis in Euro (je für ein Paar S, E, H, K*) 29,95 (S + E nur als Komplett-Satz)
Anbieter, Telefon, Internet Alpinestars, Tel. 0039-0423-5286, www.alpinestars.com
  
Sicherheit
max. Wert nach EC-Norm 35 kN 
Schulter 20,4 kN
Ellbogen Grenzwert überschritten
Hüfte nicht vorhanden
Knie nicht vorhanden
Abdeckung Ellenbogen gerade befriedigend abgedeckt, an der Schulter Abdeckung etwas spärlich
  
Komfort
Punkte (max. 70) 15
Passform befriedigend
Belüftung gut
Gewicht in g S/E/H/K* 118/134/-/-
Punkte (max. 30) 17
  
Fazit Die Belüftung ist aufgrund zahlreicher Löcher prima, und das Gewicht geht auch in Ordnung. Die Ellenbogen sind aber unzureichend geschützt, und die Passform ist nur durchschnittlich. Ergebnis insgesamt ernüchternd.
Gesamtpunkte (max 100) 32
Note mangelhaft
Platz 11.

* S = Schulterprotektor, E = Ellbogenprotektor, H = Hüftprotektor, K = Knieprotektor

Foto: Dentges, mps-Fotostudio

Interview

Christiane Reckter, 45, ist Expertin für persönliche Schutzbekleidung beim TÜV Rheinland in Köln und testet am Prüfstand unter anderem Baumuster für CE-Protektoren. Privat überprüft sie die Schützer auch auf dem Motorrad, Snowboard und Mountainbike - und ist dabei schon recht sturzerprobt.

Frau Reckter, glauben Sie denn wirklich daran, dass diese kleinen Schaumteile echten Schutz bieten?

Ja, natürlich! Zumindest, wenn das Material entsprechend fest ist und einer prüfungsrelevanten Aufschlagenergie von 50 Joule widerstehen kann. Eigentlich sind diese Protektoren in erster Linie entwickelt worden, um bei einem Sturz Haut und Gewebe vor Abrieb zu schützen, und weniger dafür, Knochenbrüche zu vermeiden. Die Praxis hat aber gezeigt, dass eben diese vergleichsweise simplen Teile schlimmere Verletzungen verhindern können, sogar Brüche. Ich persönlich jedenfalls trage nicht nur auf dem Motorrad, sondern bei allen Risikosportarten Protektoren. Spätestens seit einem schweren Sturz mit dem Snowboard fahre ich damit besser und kann das nur weiterempfehlen.

Was bildet die Prüfung nach EN-Norm eigentlich genau ab?

Die Prüfeinrichtung ist so ausgelegt, dass für die Gelenkprotektoren ein abgerundeter Amboss die Form eines menschlichen Gelenks abbildet, auf den ein flacher Schlagkörper trifft, der den Aufprall auf der Straße simuliert (Energie wird punktförmig eingeleitet). Rückenprotektoren liegen hingegen auf einem flachem Amboss auf, und ein fallender, kantenförmiger Schlagkörper soll einen Bordstein nachempfinden (Energie wird linienförmig eingeleitet). Bei der Prüfung achten wir aber auch darauf, dass offensichtliche Schwachstellen wie große Belüftungsschlitze oder etwa Einschnitte, die für bessere Beweglichkeit sorgen sollen, ebenfalls den Normanforderungen entsprechen sollten, da sie ein größeres Gefahrenpotenzial bergen. Dem Bordstein sind, wenn der Motorradfahrer beim Unfall an einem irgendwo aufprallt, Prüfzonen nämlich herzlich egal.

Sind aktuelle Protektoren denn nun sicherer als in der Vergangenheit?

Früher, das heißt vor rund zehn Jahren, hatten wir es sehr häufig mit alterungsanfälligen Styroporkernen zu tun, aber in den letzten vier, fünf Jahren sind die Materialien immer technischer und besser geworden. Die Kunststoffe werden mittlerweile sehr gezielt auf bestimmte Eigenschaften getrimmt, so dass ein Hersteller Komfort- und Sicherheitszonen besser gestalten kann.

Und wo besteht noch Verbesserungsbedarf?

Für Gelenkprotektoren ist ein zusätzliches Leistungsniveau geplant, analog zu den Rückenprotektoren, die ja schon nach Level 1 und dem besseren Level 2 zertifiziert werden. Das würde ich als Ansporn für die Industrie begrüßen, noch bessere Schlagdämpfungswerte auch für die Gelenkschützer zu erzielen. Wünschenswert wäre außerdem, dass alle Hersteller auf eine ausreichend große Schutzzone achten würden. In meinen Augen sehen das einige wohl etwas zu locker, wenn sie mit höherem Komfort argumentieren. Schließlich sprechen wir hier von einer Schutzkomponente, und da steht für mich die maximale Sicherheit ganz klar im Vordergrund. Generell muss man aber sagen, dass die Industrie aktuell eine tolle Entwicklung hinlegt, und die Protektoren in letzter Zeit bei immer besseren Schlagdämpfungswerten deutlich leichter, flexibler und tragefreundlicher geworden sind. Genau das wollen Motorradfahrer. Wenn diese Entwicklung so fortschreitet, sehe ich beruhigt in die Zukunft.

Foto: Dentges, mps-Fotostudio

So testet MOTORRAD

Mithilfe des TÜV Rheinland überprüfte MOTORRAD die Schlagdämpfungswerte der einzelnen Protektoren. Alle Gelenkschützer mussten jeweils drei Schläge innerhalb der nach der CE-Norm EN-1621 festgelegten Sicherheitszone über sich ergehen lassen. Ein in seiner Form definierter, fünf Kilogramm schwerer Schlagkörper fällt dabei aus einer Höhe von einem Meter mit einer kinetischen Energie von rund 50 Joule auf den Testprotektor, der auf einem ebenfalls in seiner Form definierten Amboss aufliegt. Letzterer beherbergt einen Sensor, der die durch den Schützer weitergeleitete Restkraft sowie den Kraftverlauf aufzeichnet. Der Durchschnittswert der drei Schläge darf bei der MOTORRAD-Messung (die sich an die EN-1621-Norm anlehnt) 35 Kilonewton (kN) nicht überschreiten, und für jeden einzelnen Schlag gilt ein Grenzwert von 50 kN. Bei den Rückenprotektoren gilt: Der Durchschnittswert aus drei Prüfschlägen sollte bei nach Level 1 zertifizierten Schützern nicht mehr als 18 kN (Einzelschlag: 24 kN) betragen, bei nach Level 2 zertifizierten Probanden nicht mehr als 9 kN (Einzelschlag: 12 kN). Nach Auswertung der Ergebnisse beurteilten die Tester darüberhinaus, wie gut die Protektoren die zu schützenden Körperstellen abdecken und wie sie sich in der Praxis anfühlen (Passform, Belüftung, Gewicht).

Foto: Dentges, mps-Fotostudio

Kennzeichnung: Gelenkprotektoren

Von links nach rechts:
(a) Sehr sinnvoll, braucht aber nur optional angegeben werden: die Einbaulage. So weiß man, wie der Protektor richtig in die vorgesehene Tasche eingesteckt werden sollte.
(b) Kennzeichnung der CE-Norm, nach der zertifiziert wurde.
(c) Modellbezeichnung. Achtung, Herstellerangabe! Die Anbieter benutzen oftmals andere Artikelbezeichnungen in ihren Katalogen und auf der Verpackung.
(d) Einbauort, in dem hier gezeigten Fall: Ellbogen und Knie
(e) Unbedingt angegeben werden sollte die Größe der Schutzzone. Neben Typ B gibt es Typ A, der eigentlich nur für Kinder und sehr kleine Größen vorgesehen ist.
(f) Name des Herstellers.

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