Nässetest

Um die während der einwöchigen Testfahrt gesammelten Ergebnisse zu stützen, musste je eine weitere Textil-Kombination pro Teilnehmer den Nässetest im Regenturm der Firma Gore überstehen. Dazu kamen die fabrikneuen Anzüge zunächst für je fünfzehn Durchgänge in die Waschmaschine, um die Grundimprägnierung des Obermaterials abzuwaschen. Neue Textilbekleidung hält ansonsten meist auch ohne Funktionsmembran längere Zeit im Regen dicht.Anschließend kamen die Anzüge unter Aufsicht von MOTORRAD nacheinander in den berühmt-berüchtigten Regenturm. Dazu wurde ein Dummy in den zu testenden Anzug gesteckt und alle Reißverschlüsse und Klettriegel sorgfältig verschlossen. In Sitzhaltung auf einem Motorradmodell hatte der stumme Diener 30 Minuten auszuharren, während eine Wasserdüse ihn von vorn bespitzte und zusätzlich von oben ein Landregen auf ihn herabprasselte. Damit kein Wasser über den Kragen eindringt, bekam der Dummy eine wasserdichte Haube verpasst. Der intensive Wasserstrahl von vorn simuliert nach Angaben von Gore eine Fahrgeschwindigkeit von zirka 80 bis 100 km/h – der 30-minütige Nässetest entspricht von der Beanspruchung einer mehrstündigen Regenfahrt. Nach Ablauf der Zeit wurde der Dummy vorsichtig entkleidet und auf der Unterwäsche nach Spuren von Undichtigkeiten gesucht. Bis auf einige Nässespuren im Ärmelbreich einiger Kandidaten hielten alle Anzüge dicht.Prinzipiell gefährdet im Bereich der Ärmel sind Jacken ohne so genannte Labyrinth-Konstruktionen, also die Modelle von Dainese und Rukka. Wobei auf Regenfahrten auch Labyrinth-Ärmelabschlüsse nur dann funktionieren, wenn die Stulpen der Handschuhe in die Jacke gesteckt werden. Andernfalls läuft das Wasser irgendwann von oben in die Handschuhe und wird unweigerlich vom Futterstoff der Jacke oder der Unterkleidung aufgesogen und wandert in Richtung Ellenbogen.Bis auf die eben angesprochenen Saugeffekte im Ärmelbereich hielten alle Test-Anzüge dicht. Dass es auf der Testfahrt in »freier Wildbahn« zu Undichtigkeiten bei den Hosen von BMW und Dainese kam, lässt sich nur mit Verarbeitungsfehlern erklären. Sobald eine der empfindlichen Verklebungsstellen nicht 100-prozentig ausgeführt wurde, kann im Fahrbetrieb auch durch das allerkleinste Loch nach einiger Zeit Wasser eindringen. Und dann heißt es: Garantieansprüche geltend machen – und zwar dort, wo der Anzug gekauft wurde.

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