Passive Sicherheit

Schutzzonen

Motorradfahren gehört zu den faszinierendsten, allerdings nicht ganz ungefährlichen Hobbys. Schutzkleidung, moderne Airbag-Jacken und zusätzliche Protektoren verringern das Verletzungsrisiko.

Das Sicherheitsbewusstsein der Motorradfahrer hat sich in den letzten 25 Jahren deutlich verändert. Dazu leistete nicht zuletzt die Einführung der Helmpflicht einen entscheidenden Beitrag. Doch neben dem vorgeschriebenen Kopfschutz gehören auch Handschuhe, feste Stiefel und Fahranzug aus Leder oder Textil längst zur Grundausstattung der meisten Biker. Technische Fortschritte in der Entwicklung von neuen, abriebfesten Textilmaterialien, neue Verarbeitungstechniken sowie die kontinuierliche Verbesserung von Schutzprotektoren leisten ebenso ihren Beitrag zur Verringerung von folgenschweren Verletzungen bei Unfällen.
Seit gut einem Jahr versuchen Bekleidungshersteller mit Airbag-Westen und –Jacken, deren Luftkammern sich bei einem Unfall blitzartig entfalten und den Oberkörper- und Halswirbelbereich schützen, das Verletzungsrisiko weiter zu verringern (siehe MOTORRAD 16/2001). Inzwischen sind weitere Anbieter dieser im Bekleidungsbereich neuen Technik hinzugekommen.
Auf den folgenden Seiten bietet MOTORRAD einen Überblick über das aktuelle Angebot auf dem deutschen Markt. Mugen Denko, der japanische Entwickler der zum Auslösen des Airbags am häufigsten verwendeten Technik mit über Reißleine aktivierter CO2-Patrone, bietet vier eigene Modelle zu Preisen zwischen 307 und 384 Euro an. Diese Jacken sind jedoch nur über das Internet zu beziehen (www.hit-air.com), da keine Importeure für den europäischen Bereich existieren.
Bis auf Dainese funktionieren alle Airbag-Jacken und -Westen nach demselben Auslöse-Prinzip: Um den Airbag zu aktivieren, verbindet der Fahrer die Reißleine der Jacke mit dem Motorrad. Trennen sich Fahrer und Motorrad bei einem Sturz oder Unfall voneinander, wird durch den entstehenden Ruck ein Federmechanismus ausgelöst, der die CO2-Patrone ansticht, wodurch sich die Luftkammern des Airbags blitzartig aufblähen.
Die benötigte Zeit zum Füllen der Kammern liegt nach Angaben der Hersteller zwischen 0,2 und 0,8 Sekunden - für eine Frontalkollission mit einem anderen Verkehrsteilnehmer sicherlich zu lang. Dennoch gibt es genug Unfallsituationen, bei denen sich die Kammern rechtzeitig entfalten können. Nach einem Highsider, bei dem es den Fahrer in hohem Bogen vom Motorrad katapultiert oder nach einer kurzen Rutschpartie über den Asphalt und anschließendem Anprall in die Leitplanken reicht die benötigte Entfaltungszeit allemal und der Airbag kann seine Schutzfunktion erfüllen.
Dainese verwendet bei der D-Air-Weste bislang als einziger Hersteller einen kontaktlosen, elektronischen Auslösemechanismus, der ununterbrochen über Sensonen an Jacke und Motorrad deren Relativbeschleunigung zueinander berechnet und bei einem Unfall den Airbag nach eigenen Angaben innerhalb von nur 0,025 bis 0,035 Sekunden aufbläst. Ein ganz entscheidender Zeitvorteil, wenn es denn zu einer Kollission kommt.
Der Nachteil der Westen ist, dass sie über der Schutzkleidung getragen werden müssen und weder Wetterschutz bieten, noch Protektoren besitzen. Hier sind die Airbag-Jacken im Vorteil. Sie lassen sich wie normale Funktionsjacken einsetzen, da sie sowohl Protektoren besitzen als auch wind- und wasserdichte Klimamembranen. Nur bei einem Unfall zeigen sie – wenn die Technik mitspielt - ihr Extra-Können und schützen den Fahrer zusätzlich mit dämpfenden Luftkammern. Ungewolltes Aufblähen verhindert die hohe Auslösekraft zwischen 15 und 35 Kilogramm. Wer allerdings vergisst, sich beim Absteigen loszuketten, läuft Gefahr, sein Motorrad umzureißen.
Welche Schutztechniken sich auf dem Markt durchsetzen und was für Entwicklungen uns noch erwarten, wird die Zuklunft weisen. Denn bislang befinden wir uns noch immer ganz am Anfang einer Suche nach mehr passiver Sicherheit beim Motorradfahren.
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Notruf

Kommt es doch einmal zu einem Unfall mit Folgen, gilt es zunächst Ruhe zu bewahren und die Meldung an den Rettungsdienst, egal, ob über die Notrufsäule oder das Handy, auf vier wichtige Punkte zu beschränken.1. Wo ist es passiert? Präzise Ortsangaben verkürzen unnötiges Suchen des Rettungswagens.2. Was ist geschehen? Beschreibung der Notfallsituation, damit die Leitstelle die notwendigen Maßnahmen einleiten kann.3. Wie viele Verletzte gibt es? Die Angaben entscheiden über Rettungspersonal- und Fahrzeuganzahl.4. Welche Art von Verletzungen haben die Opfer? Auch Nicht-Mediziner können über den Zustand des oder der Verletzten berichten. Ist er eingeklemmt, bewusstlos, blutet er stark? Hat er offene Brüche oder gar Kopfverletzungen?Achtung: Die meldende Person sollte immer auf Rückfragen der Zentrale warten und niemals selbst das Gespräch beenden. Ist nach 15 bis 20 Minuten kein Rettungsdienst eingetroffen, schadet es nicht, erneut die Notrufzentrale anzurufen und nachzufragen. Handy-Nutzer haben übrigens den Vorteil, weltweit über die Kurzwahl 112 die zuständige Notrufzentrale zu erreichen.LandRettungPolizeiBelgien100101Bulgarien150160Dänemark112112Finnland112112Frankreich1717Griechenland166/151100Großbritannien999/112999/112Italien118112Jugoslawien9492Kroatien9492Luxemburg112113Mazedonienm9492Niederlande112112Norwegen113112Österreich144133Polen999997Portugal112112Rumänien061o55Russland0302Schweden112112Schweiz14417/117Slowakische Rep.155158Slowenien112113Spanien061112Tschechische Rep.155158Türkei112155Ungarn104107

Anbieter

StuntAnbieter: Ixs, Telefon 07631/18040Preis: 949 EuroFarben: Schwarz, Schwarz/BlauGrößen: S bis 4XLAußenmaterial: CorduraAirbag: Luftpolster im Bereich von Nacken, Rückgrat, Schlüssel- und Brustbein, Nieren und Steißbein; Auslösung per Reißleine; Aufblaszeit 0,5 Sekunden; CO2-Patrone Ausstattung: drei Außen-, eine Innentasche; herausnehmbares Thermo-Innenfutter; wind- und wasserdichte Klimamembran; Reflexstreifen; CE-Protektoren an Schultern und Ellbogen - im Rücken nachrüstbarWintex AeroAnbieter: Wintex, Telefon 07761/57213 und 03723/47746Preis: 299 EuroFarben: SchwarzGrößen: XS bis 5XLAußenmaterial: 420D AirduraAirbag: Luftpolster im Brust-, Nacken- und Wirbelsäulenbereich; Auslösung per Reißleine; Aufblaszeit 0,2 Sekunden; CO2-PatroneAusstattung: fünf Fronttaschen, eine Rückentasche, Reflexstreifen am RückenTT-Airbagweste MadridAnbieter: Beinert, Telefon 05241/92360Preis: 356,90 EuroFarben: Blau, Gelb, Rot, SchwarzGrößen: S bis XLAußenmaterial: CorduraAirbag: Luftpolster im Brust-, Nacken- und Wirbelsäulenbereich; Auslösung per Reißleine; Aufblaszeit 0,7 bis 0,8 Sekunden; CO2-Patrone Ausstattung: - TT-Airbagweste BarcelonaAnbieter: Beinert, Telefon 05241/92360Preis: 585,50 EuroFarben: Blau, Gelb, Rot, SchwarzGrößen: S bis XXLAußenmaterial: CorduraAirbag: Luftpolster im Brust-, Nacken- und Wirbelsäulenbereich; Auslösung per Reißleine; Aufblaszeit 0,7 bis 0,8 Sekunden; CO2-Patrone Ausstattung: zwei Außentaschen, ReflexstreifenSpidi DPS 03Anbieter: agv Deutschland, Telefon 07182/805900Preis: 869 EuroFarben: Schwarz/GelbGrößen: S bis XXLAußenmaterial: CorduraAirbag: Luftpolster im Bereich von Nacken, Rückgrat, Schlüssel- und Brustbein, Nieren und Steißbein; Auslösung per Reißleine; Aufblaszeit 0,4 bis 0,8 Sekunden; CO2-Patrone Ausstattung: fünf Außen-, zwei Innentaschen; Handytasche; wind- und wasserdichte Klimamembran; Reflexstreifen; CE-Protektoren an Schultern, Ellenbogen und im RückenTT-Airbagjacke 04Anbieter: Beinert, Telefon 05241/92360Preis: 690,30 EuroFarben: Blau, Gelb, Rot, SchwarzGrößen: S bis XLAußenmaterial: CorduraAirbag: Luftpolster im Brust-, Nacken-, Wirbelsäulen- und Nierenbereich; Auslösung per Reißleine; Aufblaszeit 0,7 bis 0,8 Sekunden; CO2-Patrone Ausstattung: fünf Außentaschen, Reflexstreifen, herausnehmbares Thermofutter, wind- und wasserdichte Funktionsmembran, Ellbogenprotektoren, ArmweitenverstellungD-AirAnbieter: Dainese, Telefon 089/27370808Preis: zirka 1000 EuroFarben: SchwarzGrößen: S bis XLAußenmaterial: CorduraAirbag: Luftpolster im Bereich von Nacken, Rückgrat, Schlüssel- und Brustbein, Nieren und Steißbein; Auslösung über kontaktlose Sensoreneinheiten an Motorrad und Jacke; Aufblaszeit 0,02 bis 0,035 Sekunden; drei Gaspatronen Ausstattung: zwei Außen-, eine Innentasche; CE-Rückenprotektor; Reflektoren; seitliche Weitenverstellung per Schnürung Spidi DPS 02Anbieter: agv Deutschland, Telefon 07182/805900Preis: 1025 EuroFarben: SchwarzGrößen: S bis XXXLAußenmaterial: CorduraAirbag: Luftpolster im Bereich von Nacken, Rückgrat, Schlüssel- und Brustbein, Nieren und Steißbein; Auslösung per Reißleine; Aufblaszeit 0,4 bis 0,8 Sekunden; CO2-Patrone Ausstattung: vier Außen-, eine Innentasche; herausnehmbares Thermo-Innenfutter; wind- und wasserdichte Klimamembran; Reflexstreifen; CE-Protektoren an Schultern, Ellenbogen und im RückenVanucci Airbag-Textiljacke IIAnbieter: Louis, Telefon 040/73419360Preis: ab 549 EuroFarben: Schwarz, Schwarz/BlauGrößen: S bis XXLAußenmaterial: PolyamidAirbag: Luftpolster im Bereich von Nacken, Rückgrat, Schlüssel- und Brustbein, Nieren und Steißbein; Auslösung per Reißleine; Aufblaszeit 0,5 bis 0,8 Sekunden; CO2-Patrone Ausstattung: vier Außen- und vier Innentaschen; reflexmaterial; herausnehmbares Thermo-Innenfutter; wind- und wasserdichte Klimamembran; CE-Protektoren an Schultern und EllenbogenVanucci Airbag-TextiljackeAnbieter: Louis, Telefon 040/73419360Preis: ab 499 EuroFarben: SchwarzGrößen: S bis XXLAußenmaterial: PolyamidAirbag: Luftpolster im Bereich von Nacken, Rückgrat, Schlüssel- und Brustbein, Nieren und Steißbein; Auslösung per Reißleine; Aufblaszeit 0,5 bis 0,8 Sekunden; CO2-Patrone Ausstattung: drei Außen- und zwei Innentaschen; reflexmaterial; herausnehmbares Thermo-Innenfutter; wind- und wasserdichte Klimamembran; CE-Protektoren an Schultern und Ellenbogen

Das gewisse Extra

Protektoren zum Drunterziehen erhöhen die passive Sicherheit von Motorradbekleidung bei Stürzen teilweise beträchtlich.
Mit relativ einfachen Mitteln lässt sich der Schutzfaktor der Fahrerausstattung erhöhen. Zusatzprotektoren heißt das Stichwort. Gemeint sind die überall im Fachhandel erhältlichen Schützer zum Drunterziehen. Einzige Voraussetzung: ausreichend Platz unter der Bekleidung. Für nahezu jeden Bereich (Sport, Touren, Enduro, Cross) bietet der Markt geeignete Produkte.Crosser schwören beispielsweise auf stabile, gut durchlüftete Brustpanzer, die Rücken, Brust, Schultern und Oberarme vor (St)Einschlägen schützen. Während diese voluminösen »Rüstungen« für den Straßenbereich wenig Sinn machen, lassen sich die ebenfalls im Cross- und Endurosport eingesetzten, meist eng anliegenden Knie- und Ellbogenprotektoren auch unter weit geschnittenen Fahranzügen tragen.Dasselbe gilt für Protektorenhemden à la Dainese Safety-Jacket. Ursprünglich für Endurofahrer entwickelt, tragen immer mehr Biker den mittlerweile von vielen Herstellern angebotenen Rundumschutz für den Oberkörper unter der Tourenjacke. Der integrierte Rückenprotektor lässt sich bei einigen Modellen sogar abnehmen und zusammen mit dem Nierengurt separat tragen. Rückenprotektoren gehören zu den am häufigsten gekauften Nachrüst-Schutzmaßnahmen – zu Recht. Denn nur ein geringer Teil der auf dem Markt befindlichen Motorradbekleidung besitzt in diesem Bereich hochwertige Protektoren. Die einzige Möglichkeit, sich bei Stürzen wirkungsvoll vor schwerwiegenden Wirbelverletzungen zu schützen, sind in diesem Fall separat unter der Kleidung getragene Modelle. Je nachdem, wie dick der Rückenschutz ausfällt, kann es vor allem unter knapp geschnittenen Lederkombis ziemlich eng werden. Käufer einer neuen Kombi sollten deshalb unbedingt den Zusatzprotektor zur Anprobe mitnehmen.Eine weitere Möglichkeit, in puncto Sicherheit hinterherhinkende Motorradbekleidung aufzupeppen, sind komplette Unteranzüge mit Protektoren wie das Modell von Wintex. Die Einteiler bestehen aus einem dünnen Gewebe, das an sturzgefährdeten Stellen Protektorentaschen besitzt. (1) Dainese Safety-Jacket: Preis 269,90 Euro; Netzhemd mit großem Rückenprotektor, Hartschalenprotektoren an Schultern, Ellbogen und im Brustbereich sowie integriertem Nierengurt; lieferbare Größen S bis XXL. Anbieter: Dainese, Telefon 089/27370808(2) Acerbis-Brustpanzer Fusion: Preis 154,90 Euro; integrierter Nierenschutz; einstellbare Arm- und Seitenspannbänder; für zwei Euro mehr auch als Damenmodell erhältlich. Anbieter: Büse, Telefon 02471/12690 (3) Thor-Knieprotektoren: Preis 16,90 Euro; zwei Klettbänder zur Fixierung; Knie- und Schienbeinschutz; außen zweiteilige Kunststoffschalen, innen Schaumstoff-Polsterung; Einheitsgröße, Anbieter: Götz, Telefon 07476/933150(4) Held-Rückenprotektor 9870: Preis 67,50 Euro; inklusive integrierten Hosenträgern und Nierengurt; lieferbare Größen S, M und L. Anbieter: Held, Telefon 08321/66460(5) Sinisalo-Ellbogenprotektoren: Preis 28,50 Euro; mit Hartschalen aus Kunststoff und elastischen Befestigungsbändern. Anbieter: Zupin, Telefon 08669/8480(6) Wintex-Unteranzug: Preis 135 Euro; CE-Protektoren an Schultern, Ellbogen und Knien; Schaumprotektoren an der Hüfte; Fußschlaufen; lieferbare Größen 48 bis 58. Anbieter: Teka Racing, Telefon 07761/57213

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