Praxistest: Lederkombis um 500 Euro (Archivversion) Zipp-Gemeinschaft

Gibt es einen sicheren Tipp bei der Auswahl eines zweiteiligen Lederkombis der Mittelklasse? MOTORRAD testete acht Modelle um 500 Euro auf ihre Gewinnchancen – damit der Kauf nicht zum Lotteriespiel wird.

Mit der Abriebfestigkeit der menschlichen Haut ist es nicht weit her, wie schon so mancher Biker unfreiwillig feststellen musste. Wer nicht erst durch Schaden klug werden möchte, fährt deshalb in Sachen Sicherheit mit einer gut sitzenden Protektoren-Lederkombi nach wie vor am besten. Speziell in der Preisklasse um 500 Euro sind die tierischen Lederhäute hinsichtlich Schleifschutz und Reißfestigkeit ähnlich teuren Textilmaterialien in der Regel überlegen.Für einige Kandidaten des MOTORRAD-Praxistests von acht zweiteiligen Lederkombis zwischen 449 und 524 Euro gilt diese Aussage jedoch nur mit Einschränkung, weil sie ausgerechnet bei der Zusammenführung von Jacke und Hose patzen. Die Verbindungsreißverschlüsse der Zweiteiler von BF, Hein Gericke und Held sind nämlich nur am dünnen Innenfutter der Jacke befestigt. Im Falle eines Falles besteht angesichts solch labiler Verbindungen die Gefahr, dass das Futter bereits beim ersten Asphaltkontakt reißt und somit die Schutzwirkung des Lederanzugs verpufft. Logisch, dass es hierfür deutliche Punktabzüge gibt. Der prima geschnittene und gut verarbeitete Tribal-Evo-Anzug von Hein Gericke verspielt auf diese Weise eine Top-Platzierung.Wie man es besser macht, demonstriert der FLM-Race-Anzug von Polo, der absolute Überflieger dieses Vergleichs. Bei ihm stimmt fast alles, angefangen von der überzeugenden Sicherheitsausstattung mit stabilem Verbindungsreißverschluss über die gute Verarbeitung, der praxisgerechten Ausstattung bis hin zum prima Tragekomfort. Letzterer ist das Resultat einer exzellenten Passform, welche die typische Fahrerhaltung durch einen Schnitt mit stark vorgekrümmten Ärmeln und Beinen berücksichtigt. Im Vergleich dazu fallen die anderen Kandidaten mehr oder weniger deutlich ab. Unter ergonomischen Gesichtspunkten liegen vor allem die Anzüge von BF, Cima und Vanucci drastisch daneben. Sie wurden vermutlich niemals auf einem Bike ausprobiert (siehe Kastentexte). Lederkombis von der Stange sollten deshalb immer bei einer Sitzprobe auf der eigenen Maschine getestet werden. Dabei darf es weder im Rücken oder an den Knien spannen, noch zu übermäßiger Faltenbildung im Brustbereich kommen. Außerdem darauf achten, dass die Protektoren in Fahrposition richtig platziert sind, der Kragenausschnitt passt, kein Druck auf dem Kehlkopf lastet und die Oberarme nicht zu weit ausfallen. Sind die Stretcheinsätze ergonomisch richtig eingesetzt, behindert selbst eine sportlich eng geschnittene Lederhaut die Bewegungsfreiheit auf dem Motorrad kaum.Sinnvoll ist eine solche Sitzprobe natürlich nur mit der gewöhnlich getragenen Unterbekleidung. Bei stark perforierten Kombis daran denken, dass diese an kühleren Tagen nur mit entsprechend winddichter Funktionsbekleidung gefahren werden können, um nicht sofort auszukühlen. Empfehlenswert ist darüber hinaus das Tragen und somit auch die Anprobe mit einem separaten, bis zum Steiß reichenden Rückenprotektor, da in dieser Preisklasse entweder nur Schaumpolster oder relativ kurz ausfallende CE-Rückenprotektoren zum Einsatz kommen. Zuletzt noch darauf achten, dass neben einer verschließbaren Innentasche auch eine Außentasche an der Hose, beispielsweise für den Zündschlüssel, vorhanden ist.

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