Praxistest Textiljacken bis 200 Mark (Archivversion) Noch ganz dicht?

Nein, diese Frage zielt nicht auf die Männer von der Feuerwehr, sondern gilt zehn preisgünstigen Textiljacken im MOTORRAD-Praxistest.

Winddicht, atmungsaktiv, variabel und bequem - Textiljacken aus abriebfestem High-Tech-Gewebe mit eingearbeiteter Funktionsmembran haben sich in den letzten Jahren als Alternative zum Leder etabliert. Im Windschatten dieses Erfolgs werden in den Bekleidungskatalogen mittlerweile sogar Exemplare der textilen Einsteigerklasse als vollwertige Motorradjacken angepriesen. Zehn dieser als wasserdicht beworbenen Pellen unter 200 Mark mußten im Praxistest von MOTORRAD beweisen, ob sie den Ansprüchen des harten Motorrad-Alltags tatsächlich gewachsen sind. Auf den ersten Blick sieht man den Billigheimern den günstigen Preis nicht an. Sie können zwar nicht mit Klimamembran oder abriebfestem Obermaterial aufwarten, aber mit herausnehmbarem Innenfutter, Protektorentaschen, hoch schließendem, weich gepolstertem Kragen sowie mindestens zwei geräumigen Außentaschen muß man hinsichtlich der Ausstattung keine gravierenden Abstriche machen. Angesichts der Preisklasse geht auch die Verarbeitung in Ordnung. Die Takai Course von Hein Gericke, Götz Insize Protection sowie die Louis-Outdoor Tourenjacke punkten darüber hinaus mit ihrem angenehmen und hochwertig wirkenden Außenmaterial, das sich wohltuend vom plastikhaften Look der anderen Probanden abhebt. Die Abriebfestigkeit und somit passive Sicherheit profitieren davon allerdings nicht: Egal, ob das Obermaterial Taslan, Koslan, Oxford-Nylon oder Nylon heißt, es handelt sich dabei immer um ein Kunstfasergeflecht auf Basis von Polyamid; die verschiedenen Namen bezeichnen lediglich die unterschiedlichen Arten der Fadenverkreuzungen. Und die Reiß- und Abriebfestigkeit von Nylon ist nicht so gut wie bei Cordura, das bei teureren Textiljacken verwendet wird. Schon gar nicht läßt es sich vergleichen mit kevlarverstärkten High-Tech-Geweben wie Keprotec oder Dynatec. Unter dem Gesichtspunkt der passiven Sicherheit sind alle getesteten Jacken also nur bedingt biketauglich. Wie die Erfahrungen aus früheren Tests von MOTORRAD zeigen, relativiert sich auch die Schutzwirkung der nachrüstbaren, bei Schuh sowie der Takai Course von Hein Gericke sogar serienmäßigen CE-Protektoren - was nützen diese, wenn sie wegen des rasch reißenden Materials verrutschen oder gar verloren gehen? MOTORRAD klammerte daher die passive Sicherheit bei diesem Test aus. Leider hatten einige Modelle auch Probleme mit ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Wind- und Wetterschutz. Dies beginnt schon mit der unbefriedigenden Paßform mancher Jacken, die zwar im Katalog eine gute Figur abgeben, aber offensichtlich nicht für einen auf dem Motorrad sitzenden Fahrer geschneidert wurden. Resultat: Die Ärmel sind zu kurz, außerdem bläht sich die Jacke im Brustbereich auf und neigt zum Flattern. Diese Symptome zeigten die Büse Lucca, Hein Gerickes Takai Swipe, die Louis Textil-Tourenjacke sowie ganz extrem das Götz-Modell. Einzig die Hein Gericke Takai Course und die Schuh Polar überzeugten mit einer optimalen Paßform. Eine Sonderstellung nimmt die Polo Transit ein: Sie taugt mit ihrem sehr dünnen Außenmaterial sowie dem überaus großzügigen Schnitt eigentlich nur als Überjacke. Beim entscheidenden 20minütigen Prüfzyklus der Wasserdichtigkeit (siehe Kasten Seite 161) lagen die die Schuh Polar und die Takai Course ebenfalls vorn: Sie hielten dicht, wie auch die beiden Louis-Jacken und die Eurox Texox. Die anderen Testexemplare blamierten sich mit mehr (Büse, Götz) oder weniger (Motoline, Polo, Takai Swipe) starkem Wassereintritt. Letztlich konnten nur die prima passende, absolut wasserdichte und gut ausgestattete Hein GerickeTakai Course sowie die ebenfalls sehr bequeme Schuh Polar zumindest als Wind- und Wetterschutz überzeugen, dicht gefolgt von der Eurox Texox. Bei der passiven Sicherheit ist jedoch auch bei den Spitzenreistern im Falle eines Falles nicht auszuschließen, daß der Biker schmerzhaft daran erinnert wird, daß er mit einer der preisgünstigen Textiljacken an der falschen Stelle gespart hat.

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