Praxistest Thermokombis bis 300 Mark (Archivversion)

Ein Wintermärchen

Es waren einmal sechs Anzüge. Die sprachen: »Hallo, wir sind günstige Thermokombis und halten ganz toll warm.« Doch MOTORRAD glaubte das nicht und prüfte nach.

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: eine robuste Thermokombi, die natürlich mollig warm hält, selbstverständlich wasserdicht sowie gut ausgestattet ist und die außerdem hohen Tragekomfort bietet für unter 300 Mark - zu einem Preis also, für den sonst noch nicht einmal gute, motorradtaugliche Textiljacken zu bekommen sind. Gibt’s das? Die klare Antwort lautet jein. Wer vorhat, in den Wintermonaten zum Nordkap zu fahren, der sollte die Billigheimer ganz schnell vergessen. Sobald die Außentemperaturen deutlich unter den Gefrierpunkt sinken, stoßen die Sonderangebote an ihre Grenzen. Variabilität (austauschbare Futter), Atmungsaktivität (Klimamembrane wie zum Beispiel Gore-Tex oder Sympatex), hochwertige Stoffe, die auch mal einen Auspuffkontakt vertragen (zum Beispiel Cordura) und vor allem isolierende Füllstoffe mit einem extrem hohen Lufteinschluß sind für maximal 300 Mark nicht zu bekommen.Soweit die schlechte Nachricht. Nun knallt der deutsche Ganzjahresfahrer aber nicht unbedingt jedes zweite Wochenende nach Norwegen. Der »normale« Wintereinsatz beschränkt sich oft genug auf den täglichen Weg zur Arbeit. Und dafür taugt ein Teil der getesteten Discountangebote allemal. Als Obermaterial kommt bei den getesteten Kombis immer ein Polyamid, das heißt ein fadenbildender Kunststoff, zum Einsatz. Nylon, Oxford-Nylon und Tasland sind nur Bezeichnungen für unterschiedliche Bindungen, das heißt die Art der Fadenverkreuzungen. Für die Wasserdichtigkeit sorgen ausnahmslos Beschichtungen - schweres PVC oder leichtes Polyurethan. Als Füllmaterial und somit zur Isolierung dienen Hohlfasern, kleine Röhren mit viel Luft drin. Das Futter ist bis auf eine Ausnahme immer aus Kunstfasern. Mit dem Einsatzgebiet »Arbeitsweg« kommt man fast zwangsläufig auf das größte Problem aller Thermokombis: Stichwort »Sicherheit«. In der Natur einer Thermokombi liegt es nämlich, möglichst viel Luft einzuschließen, denn das, was isoliert, ist nun mal erwärmte Luft. Luft hat aber ziemlich miese Schlagdämpfungswerte. Erschwerend kommt hinzu, daß es in der Natur des Arbeitnehmers liegt, sich den Arbeitsweg so bequem wie möglich zu machen. Konkret: Er wird wenig Lust verspüren, sich morgens und abends umzuziehen und steigt mit seiner textilen Bekleidung in die Thermokombi.Natürlich ist das sehr riskant, natürlich ist eine Protektoren-Lederkombi die viel sicherere Unterbekleidung, aber natürlich macht das in der Praxis kaum ein Mensch. MOTORRAD machte aus der Sicherheits-Not eine Test-Tugend: Das Ein- und Aussteigen absolvierten die Tester »in vollem Wichs«, das heißt mit kompletter Sicherheitsbekleidung. Eine Kombi, die in diesem Prüfpunkt gut abschneidet, wird mit normaler Oberbekleidung erst recht genug Platz und Bequemlichkeit bieten. Die Fahrversuche wiederum fuhr MOTORRAD mit der »unsicheren« Freizeit- und Arbeitsbekleidung unter der Kombi. Ein Anzug, der eine Jeans warmhält, wird eine Lederhose auch nicht auskühlen.Einen ganz interessanten Mittelweg in Sachen Sicherheit bestreiten übrigens Hein Gericke und Polo. Ihre Thermokombis sind serienmäßig mit Protektorentaschen an Rücken, Schultern, Ellbogen, und Knien versehen, die Protektoren lassen sich nachrüsten. Das ist fast schon märchenhaft, doch auch ein paar andere Anbieter haben gute Kombi-Geschichten im Angebot.So testete MOTORRAD: Von jeder Kombi wurden zwei Exemplare getestet, eins in Konfektionsgröße 52 (entspricht L), eins in Größe 54 (XL). Für die Anprobe (»Bedienung«) diente eine zweiteilige Protektoren-Lederkombi als Unterbekleidung. Das Ein- und Aussteigen wurde mit normalen Motorradstiefeln geprüft. Bei der Dichtigkeitsprüfung wurde die angezogene Kombi und dabei speziell die Nähte und Reißverschlüsse drei Minuten lang mit einem scharfen Wasserstrahl bespritzt. Die Fahrversuche fanden bei einer Außentemperatur von vier Grad Celsius auf einer BMW F 650 und einer Suzuki GSX-R 750 statt. Die gefahrene Gesamtstrecke betrug je Kombi 100 Kilometer, davon 80 Kilometer Autobahn und 20 Kilometer Stadtverkehr. Auf der Autobahn betrug die Geschwindigkeit größtenteils 120 bis 140 km/h, kurzzeitig wurde auf 160 km/h erhöht. Als Unterbekleidung für die Fahrversuche wurde eine »normale« Freizeit-/Arbeitskleidung gewählt, das heißt Jeans und Hemd getragen. Die Füße steckten wiederum in Motorradstiefeln, die Hände in gefütterten Lederhandschuhen für die Übergangszeit.
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Husky (Archivversion)

Anbieter: Difi Dierk Filmer GmbH, Telefon 0 44 51/91 50Preis: 269 MarkGrößen: S bis XXXL, fällt groß ausFarben: Schwarz, Bordeaux/SchwarzGewicht: 1720 GrammMaterial: Obermaterial Taslan, PU-beschichtet, (80% Polyamid, 20% Polyurethan), Nylon-Steppfutter, Fiberfill-Füllung (250 g)Ausstattung: Drei Außentaschen mit Druckknöpfen, eine Innentasche mit Reißverschluß, Frontreißverschluß, Latz mit zusätzlichem Reißverschluß, Armabschluß mit Strickbündchen und Gummizug, Beinabschluß mit Reißverschluß und Klettriegel, Taillengurt mit Schnellverschluß, Gummizug im Rücken, Schultern mit Reflexbesatz, Cord-Kragen mit KlettriegelPflegehinweis: Handwäsche 30 GradBedienung: Ein- und Ausstieg mit Stiefeln etwas erschwert (Bein relativ eng geschnitten), ansonsten bequem, Reißverschluß im gefütterten Latz sehr praktisch, für »PP« (Pinkelpausen) aber nicht lang genug, Klettverschlüsse anstelle der Druckknöpfe an den Taschen wären praktischer, sehr gute PaßformTragekomfort: Sehr gut, trägt sich wie eine gut geschnittene Lederkombi, angenehmer Griff, sehr leicht und kaum zu spüren, »raschelt« nicht beim GehenFahrverhalten: Flattert nicht, Ärmel zieht es bei 160 km/h etwas nach obenIsolierung: Sehr gut, keine Auskühlung, keine Kältebrücken, guter HalsabschlußWasserdichtigkeit: Leichter Wassereinbruch am Reißverschluß Beinabschluß linksVerarbeitung: Gut bis sehr gutFazit: Bester Tragekomfort im Test und wirksame Isolierung, mit kleiner Modellpflege (Klett statt Gummizug am Armabschluß und Taschen mit Klett- statt Druckknopfverschluß) und ohne den kleinen Ausreißer bei der Dichtigkeitsprüfung hätte es ein »sehr gut« gegebenUrteil: Gut

Shelter (Archivversion)

Anbieter: Hein Gericke GmbH, Telefon 02 11/9 89 89Preis: 299 Mark MarkGrößen: S bis XXL, fällt normal ausFarben: Schwarz/Grau, Schwarz/RotGewicht: 2720 GrammMaterial: Obermaterial Oxford-Nylon, PVC-beschichtet, Polyamid-Steppfutter, Polyester-Staple-Fiber-FüllungAusstattung: Vier Außentaschen (zwei mit Reißverschluß, zwei mit Klettverschluß), eine Innentasche mit Reißverschluß, Frontreißverschluß, Abdeckung mit Klettverschluß und Druckknopf, Armabschluß mit Klettriegel, Beinabschluß mit Reißverschluß und Gummizug, Taillengurt mit zwei Schnellspannern, seitlicher Gummizug, Reflex-Streifen, -Dreiecke und -Druck, Webpelz an Gesäß und Knien, herausnehmbare PU-Schaumeinlagen an Rücken, Schultern, Ellbogen und KnienPflegehinweis: Handwäsche 30 Grad mit NeutralreinigerBedienung: Bequemer Ein- und Ausstieg, langer Reißverschluß am Beinabschluß, aber Schließen etwas fummelig, da er unter Spannung steht, das gleiche gilt für den Frontreißverschluß, Halsabschluß unbefriedigend (kein Klettverschluß), praktische Verstellmöglichkeiten am Oberarm, Schnellverstellung des Taillengurts sehr praktisch, gute PaßformTragekomfort: Gut, aber sehr massige und voluminöse Kombi, verursacht »Teddybär-Auftritt«Fahrverhalten: Ärmel am Unterarm flattert ab 140 km/hIsolierung: Gut bis sehr gut, an den Knien sogar hervorragend (Webpelz und Schaumeinlagen), insgesamt etwas kühler als im Difi- oder Polo-Anzug, aber keinerlei Auskühlung, ohne Tuch zieht’s am HalsWasserdichtigkeit: TrockenVerarbeitung: Gut bis sehr gutFazit: Schwerer Anzug mit guten Detaillösungen (Innentasche, Webpelz-Einsätze), etwas Modellpflege (Halsabschluß, Strickbündchen am Armschluß), und es hätte ein »Sehr gut« gegebenUrteil: Gut

Alaska (Archivversion)

Anbieter: Wilhelm Krawehl GmbH, Telefon 0 40/78 91 94 50Preis: 249 MarkGrößen: XS bis XL, fällt als L klein, als XL normal ausFarbe: SchwarzGewicht: 2300 GrammMaterial: Obermaterial Oxford-Nylon, PVC-beschichtet (74% PVC, 26% Nylon), Baumwoll-Steppfutter, Polyester-FüllungAusstattung: Vier Außentaschen mit Klettverschluß, eine Innentasche mit Klettverschluß, geteilter Frontreißverschluß, Abdeckung mit Klettverschluß, Latz mit zusätzlichem Reißverschluß, Armabschluß mit Gummizug und Klettriegel, Beinabschluß mit Reißverschluß und Gummizug, Abdeckung mit Klettverschluß, Taille mit zwei Klettriegeln, Gummizug im Rücken, Reflexstreifen, Cord-Kragen mit KlettriegelPflegehinweis: Keine AngabenBedienung: Ein- und Ausstieg erschwert, mit Stiefeln fast unmöglich, Baumwollfutter ist »stumpf« und erlaubt kein Gleiten, geteilter Latz sehr praktisch, Reißverschluß ausreichend lang, für »PP« (Pinkelpausen) ideal, geteilter Frontreißverschluß beim Schließen etwas fummelig, sehr gute Verstellung der Taillenweite, gute PaßformTragekomfort: Gut bis sehr gut, wenn man erst mal drin ist; Rücken könnte für eine sportliche Sitzposition etwas länger seinFahrverhalten: Ärmel flattern starkIsolierung: Gut, Kälte an Knien und Oberkörper nur minimal spürbar, guter HalsabschlußWasserdichtigkeit: TrockenVerarbeitung: GutFazit: Unauffällige Standard-Kombi, das störrische Baumwollfutter kostet beim Ein- und Ausstieg allerdings Nerven, »gut« knapp erreichtUrteil: Gut

Sopo (Archivversion)

Anbieter: Detlev Louis GmbH, Telefon 0 40/73 41 93 60Preis: 129 MarkGrößen: XS bis XXXL, fällt normal bis groß ausFarbe: Schwarz/Rot/Weiß/GrauGewicht: 1700 GrammMaterial: Obermaterial Nylon, PVC-beschichtet (74% PVC, 26% Nylon), Nylon-Steppfutter, Polyester-FüllungAusstattung: Eine Außentasche mit Klettverschluß, eine offene Innentasche, geteilter Frontreißverschluß, Abdeckung mit Klettverschluß, Armabschluß mit Gummizug, Beinabschluß mit Reißverschluß, Taille mit Gummizug, Cord-Kragen mit KlettriegelPflegehinweis: Feucht abreibenBedienung: Sehr bequemer Ein- und Ausstieg, Reißverschluß am Beinabschluß verhakt sich leicht mit dem Stoff, geteilter Frontreißverschluß fummelig zu schließen, Taillenweite nicht verstellbar, nur Gummizug, befriedigende PaßformTragekomfort: Befriedigend, sehr leichte und weit geschnittene Kombi, Gummizug schnürt am HandgelenkFahrverhalten: Flattert stark, bläht sich auf, ab 150 km/h zieht es die Ärmel nach obenIsolierung: Mäßig, Oberkörper, Arme und Knie kühlen beim Autobahnbetrieb schnell aus, unter 80 km/h noch ausreichendWasserdichtigkeit: TrockenVerarbeitung: Befriedigend bis gut, ZiehfädenFazit: Keine Thermokombi, sondern ein gefütterter Regenanzug; auf der Autobahn und für längere Strecken ungeeignet, für den Stadt- und Vorortverkehr und den Einsatz auf Motorrollern aber eine Überlegung wert, größte Stärken sind der Preis und der sehr bequeme EinstiegUrteil: Befriedigend

Iceland (Archivversion)

Anbieter: Modeka, Beckumer Leder-Bekleidungswerk GmbH, Telefon 0 25 21/1 70 84Preis: 199 MarkGrößen: S bis XXXL, fällt normal ausFarbe: Schwarz/GrauGewicht: 2200 GrammMaterial: Obermaterial Oxford-Nylon, PVC-beschichtet (74% PVC, 26% Nylon), Nylon-Steppfutter, »Thermofutter«-Füllung (230 g)Ausstattung: Drei Außentaschen mit Klettverschluß, eine offene Innentasche, geteilter Frontreißverschluß, Armabschluß mit Strickbündchen und Gummizug, Beinabschluß mit Reißverschluß und Gummizug, Taille mit Gummizug, Reflexstreifen, Cord-Kragen mit KlettriegelPflegehinweis: Feucht abreibenBedienung: Etwas erschwerter Ein- und Ausstieg, da Latz sehr weit hochgezogen und nicht geteilt ist, der Latz muß beim fummeligen Schließen des geteilten Frontreißverschlusses etwas umständlich verstaut werden, Taillenweite läßt sich nicht verstellen, nur Gummizug, befriedigende PaßformTragekomfort: Befriedigend, Rücken für eine sportliche Sitzposition etwas kurz, der gefütterte Latz trägt stark auf, Gummizug schnürt am Handgelenk, Klettriegel am Hals zu kurzFahrverhalten: Flattert kaum, bläht sich aber etwas aufIsolierung: Ausreichend bis befriedigend, Knie kühlen relativ schnell aus, Kälte ist auch an Oberkörper und Armen spürbar, führt aber zu keiner starken AuskühlungWasserdichtigkeit: TrockenVerarbeitung: Befriedigend bis gut, Ziehfäden, bei einer Kombi löste sich der unsauber genähte Klettverschluß einer TascheFazit: Mittelding zwischen einem gefüttertem Regenanzug und einer Thermokombi, keine besonderen Stärken und keine gravierenden Schwächen, für Gelegenheitsfahrer auf nicht allzu langen Strecken durchaus geeignetUrteil: Befriedigend

Warm Up (Archivversion)

Anbieter: Polo Expressversand GmbH & Co.KG, Telefon 02 11/97 96 96Preis: 299 MarkGrößen: S bis XXL, fällt normal ausFarbe: Blau/GrauGewicht: 2440 GrammMaterial: Obermaterial Taslan, PU-beschichtet, Nylon-Steppfutter, Polyester-Staple-Fiber-FüllungAusstattung: Vier Außentaschen (zwei mit Klettverschluß, zwei offen), eine Innentasche mit Reißverschluß, Frontreißverschluß, Abdeckung mit Klettverschluß, Armabschluß mit Strickbündchen, Gummizug, zwei Reißverschlüssen und Klettriegel, Beinabschluß mit zwei Reißverschlüssen und Gummizug, Taillengurt mit Schnellverschluß, Reflex-Streifen und -Druck, Webpelz an Gesäß und Knien, Protektorentaschen an Rücken, Schultern, Ellbogen und Knien, Kragen mit KlettriegelPflegehinweis: Handwäsche in warmen SeifenwasserBedienung: Bequemer Ein- und Ausstieg, die Reißverschlüsse am Beinabschluß könnten aber länger sein - ein langer wäre besser als zwei kurze, viele Verstellmöglichkeiten, sehr gute PaßformTragekomfort: Sehr gut, knapp hinter der Difi-Kombi, angenehmer Griff, trägt nicht auf und »raschelt« beim Gehen nur wenig, Armabschluß etwas klobig, muß etwas aufwendig unterm Handschuh verstaut werdenFahrverhalten: Flattert nicht, bläht sich nicht auf - sehr gutIsolierung: Sehr gut, an den Knien hervorragend (Webpelz), guter HalsabschlußWasserdichtigkeit: TrockenVerarbeitung: Gut bis sehr gutFazit: Auffällige »Designer-Kombi« mit sehr gutem Preis/Leistungs-Verhältnis; bei einigen Details »übergagt« (Arm- und Beinabschluß unnötig aufwendig, zwei offene Taschen sind im Fahrbetrieb nutzlos)Urteil: Sehr gut

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