Produkttest Integralhelme mit integrierter Sonnenblende (Archivversion) Ausgeblendet

Eine Fahrt gegen die tief stehende Sonne, womöglich noch bei nasser Straße, gleicht einem Blindflug ohne Autopilot. Außer man nennt einen Helm mit integrierter Sonnenblende sein Eigen. MOTORRAD hat zehn aktuelle Modelle in Labor und Praxis getestet.

Und wieder einmal tanzen sekundenlang grüne Punkte im Sichtfeld herum, weil der Straßen-verlauf hinter der Kuppe genau in Richtung aufgehende Sonne führt. Da hilft nur Gas zudrehen, Augen zusammenkneifen und hoffen, dass der Spuk bald ein Ende hat. Besitzern von Helmen mit integrierter Sonnenblende genügt ein rechtzeitiger Griff zum Bedienungsschieber, und sie können die Fahrt mit unverminderter Geschwindigkeit und vor allem ohne Sichtbehinderung fortsetzen.
Während integrierte Sonnenblenden bei Klapphelmen fast schon zur Standardausstattung gehören, verwenden bislang nur wenige Integralhelm-Hersteller dieses Feature. MOTORRAD hat sich alle Anfang des Jahres erhältlichen Modelle besorgt und nach bewährtem Muster getestet. Die insgesamt zehn Probanden verteilen sich auf die sechs Hersteller Akira, Caberg, Givi, HJC, Schuberth und Scorpion.
Maximal 20 Punkte von insgesamt 100 Punkten konnten die Kandidaten im Krite­rium Stoßdämpfung sammeln, das beim TÜV Rheinland überprüft wurde (siehe Kasten auf Seite 165).
Die restlichen 80 Punkte verteilen sich wie folgt auf die überwiegend im Fahrbetrieb untersuchten Testkriterien.
Passform/Trageverhalten (20 Punkte): Sitzt der Helm auch bei hohen Geschwindigkeiten fest und stabil auf dem Kopf? Kommt es zu unangenehmen Druckstellen? Außerdem zählen Sichtfeld und Brillen­eignung zu diesem Kriterium.
Aerodynamik (10 Punkte): Die Testfahrer bewerteten bei 150 und 200 km/h die auftretenden Kräfte bei gerader Kopfhaltung und beim Kopfdrehen.
Akustik (10 Punkte): Wie hoch ist die Geräuschbelastung beim Fahren? Im unteren Bereich offene Helme wie der Givi X01 schneiden hier sehr schlecht ab, die gut gekapselten Modelle R1 und S1 Pro von Schuberth sind dagegen geradezu himmlisch leise.
Belüftung (10 Punkte): Unverständlich, dass es einige Hersteller nicht schaffen, für ausreichend Frischluftzufuhr und Kopf­kühlung zu sorgen. Auch die Bedientasten sind teilweise völlig inakzep­tabel. Vorbildfunktion haben hier ebenfalls die beiden Helme von Schuberth, die mit hervorragender Durchlüftung glän­zen und deren große Tasten sich perfekt bedienen lassen.
Handhabung (10 Punkte): Wie komfortabel lassen sich die Kandidaten an- und ausziehen, wie gut funk­tio­nie­ren Bedienung und Justage der Kinnriemenverschlüsse? Ebenfalls zur Handhabung zählen Visierbedienung und -wechsel. Für eine schwergängige Rastung wie beim Akira gibt’s ebenso Abzug wie für einen Visierwechsel, der wie beim Givi X01 nur mit Werkzeug möglich ist.
Funktion Sonnenblende (5 Punkte): Wie gut lässt sie sich bedienen? Sind auch Zwischenstellungen möglich? Wie groß ist die Abdeckung des Sichtbereichs? Ist die Sonnenblende beschlagfrei? Volle Punktzahl erreichen die Modelle von Schuberth und Scorpion. Die Mechanik der HJC-Helme erlaubt keine Zwischenstellung, das führt zu Punktabzug.
Verarbeitung/Ausstattung (10 Punkte): Hierzu zählt in erster Linie eine saubere Verarbeitung der Helme. Außerdem gibt’s für ein beschlagfreies Visier, ein herausnehmbares Innenfutter und Reflexmaterial Punkte.
Gewicht (5 Punkte): Dass Helme mit integrierter Sonnenblende erstaunlich leicht sein können, zeigen der Givi H40.1 und der HJC FS-10 Carbon, die beide deutlich weniger als 1400 Gramm auf die Waage bringen – ein Wert, den viele herkömmliche Integralhelme überschreiten.
Fazit: Bis auf wenige Abstriche präsentieren sich die Testkandidaten als praktische und sichere Begleiter beim Motorradfahren. Und eines haben alle gemeinsam: Bei heruntergeklapptem Sonnenvisier hat sich’s endlich ausgeblendet.

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