Protektoren in der Praxis FALLBEISPIELE

Keine Frage, die Prüfstandswerte sind rein theoretischer Natur. Und die Kräfte, die gemes-sen werden, würden ohnehin jeden mensch-lichen Körper überfordern. Nur als Anhaltspunkt: 35 Kilonewton beträgt die maximal zulässige Restkraft, die ein Protektor durchlassen darf. Ein menschlicher Knochen bricht bereits bei sechs bis neun Kilonewton. Die Prüfstandsdaten helfen aber vor allem, die Protektoren zu typi-sieren und durch die Reproduzierbarkeit der Werte vergleichbar zu machen.
MOTORRAD wollte es genauer wissen und hat den TÜV Rheinland beauftragt, ausgewählte Protektoren zusätzlich zur Prüfung gemäß EN 1621-1 im eingebauten Zustand zu messen. Was bringen Leder, Materialdopplungen oder zusätzlich aufgebrachte Schaumpolsterungen auf der Außenhaut?
Die Ergebnisse zeigen: Je nach Konstruktion der Umgebung des Protektors kann die Rest-kraft teils drastisch reduziert werden. Auch die Kraftverteilung kann, wie in der Grafik ersichtlich, deutlich positiver verlaufen. Aus einer steilen Kurve mit hoher Kraftspitze (Protektor solo) wird im eingebauten Zustand eine weiche, flach ansteigende Welle. Um wirklich effektiv zu schüt-zen, darf sich der Protektor beim Sturz nicht verschieben oder verdrehen. Ansonsten liegt der Knochen frei, die Kräfte können nahezu ungefiltert einwirken, ein Bruch ist programmiert. Besonders am Arm (Schulter, Ellbogen), aber auch im Knie-bereich zeigten unsere Testkombis immer wieder Schwächen. Und dann hat selbst das gute Ergeb-nis bei der Aufschlagsprüfung wenig Wert. Auf den Punkt bringt es Lederexperte Stefan Röttger: »Das wäre genauso, als würde man einen Airbag im Kofferraum verbauen.“

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