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Regenkombi vor dem Aus?

Die wasserdichte Lederkombi kommt. MOTORRAD konnte den Prototyp von Gore-Tex bereits in der Praxis testen.

Eine für alles oder auf gut englisch: one leather, all weather. Mit diesem vollmundigen Statement will der Klimaexperte Gore-Tex künftig die Lederszene aufmischen. Mit einem wasserdichten Lederlaminat soll es der Regenkombi an den Kragen gehen.
MOTORRAD konnte nun dem neuen Material mit einem nicht käuflichen Gore-Versuchsanzug bei Fahrtests auf der Rennstrecke von Calafat/Spanien ausgiebig auf den Zahn fühlen. Die ersten Eindrücke sind überzeugend: Wasser perlt anstandlos an der komplett perforierten Außenhaut ab, und selbst bei gemäßigten Temperaturen um zehn Grad Celsius treten keine Auskühlungserscheinungen auf. Auch bei sportlich forcierter Gangart bleibt ein behagliches Gefühl. Hätte man Gleiches mit konventioneller Rennkombi und übergestreifer Regenhaut absolviert, wäre man ganz schön ins Schwitzen gekommen. Damit wird das Lederlaminat, das zunächst sieben Firmen (siehe Kasten rechts) für ihre Bekleidung ver­wen-den werden, auch für den Motorradsport interessant. So ließ BMW­Sportchef Berti Hauser bei den Fahrtests verlauten, dass man die Langstrecken-Teams mit dem neuen Gore-Leder ausrüsten werde.

Alles Auf einen Blick ...
Um das Leder wasserdicht und gleich­zeitig atmungsaktiv zu machen, wird die bewährte Klimamembrane von Gore-Tex zwischen Leder und Futter verklebt.
Für den sportlichen Einsatz gibt es das Laminat auch mit perforiertem Leder.
Der erste MOTORRAD-Praxistest mit einem Prototyp von Gore-Tex war vielversprechend.
Sieben Hersteller werden das neue Lederlaminat anbieten. Die Preise beginnen bei rund 1000 Euro.
BMW Motorsport plant, Langstrecken-Teams mit Gore-Lederkombis auszurüsten.

Kaufbar
Sieben Marken wollen das neue Lederlaminat von Gore verar-beiten. Teuerster Spitzenreiter ist bislang Rukka mit der Kombi Lancelot (Jacke 1200, Hose 999 Euro). Deutlich günstiger dagegen das Angebot von Hein Gericke. Allerdings wird das neue Lederlaminat bei der PSX-Kombination (Jacke 599,95, Hose 449,95 Euro) nur in den Sturzzonen eingesetzt, ansonsten besteht der Zweiteiler aus einem wasserdichten Textillaminat von Gore-Tex. Dainese hat bereits 2002 Erfahrungen mit einem Vorläufer des Gore-Lederlaminats gesammelt. Wann allerdings ein neues Modell kommt, ist noch offen. Außerdem raucht es noch kräftig in den Entwicklungsabteilungen von Alpinestars, Ixs, Kushitani und Stadler. Vieles wird voraus-sichtlich auf der Messe Intermot im Herbst 2008 in Köln präsentiert.
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»Durch alle Wetterkapriolen Der Welt“ (Archivversion)

Gore-Tex-Produktmanager Dieter Grotjohann im Gespräch mit MOTORRAD über die Zukunft von wasserdichten Lederkombis.
Bei der momentanen Preisgestaltung ist die einfache Regenkombi für 12,95 Euro durch das neue Gore-Lederlaminat doch nicht wirklich gefährdet?
Schon. Denn eigentlich zielen wir genau auf die Regenkombi ab. Natürlich wird es weiterhin den Motorradfahrer geben, für den es okay ist, bei Regen anzuhalten und den PVC-Anzug überzustreifen. Andererseits ist es natürlich äußerst komfortabel, zukünftig nicht mehr stoppen zu müssen, um die Regenkombi je nach Wetterlage an- oder ausziehen zu müssen.

Hydrophobes, also wasserabweisendes Leder ist eigentlich ein alter Hut. Was ist denn das wirklich Revolutionäre am Gore-Leder?
Auch hydrophobes Leder lässt Wasser durch. Es dauert zwar länger, aber das Leder saugt sich bei Regen voll, und irgendwann ist man nass. Das passiert beim Gore-Tex Pro-Shell-Leder nicht. Außerdem haben wir die Atmungsaktivität des Leders auf Textilniveau gehoben. Und das ist sensationell. Für uns ist es wichtig, dass wir den Motorradfahrer bestmöglich schützen. Und wenn es um die Sicherheit geht, ist Leder auch für uns die Nummer eins.

Gore-Tex steht gemeinhin für Tourenbekleidung. Wann wird es denn die erste Rennkombi mit Gore-Tex geben?
Grundsätzlich werden die meisten Firmen das Gore-Tex Pro-Shell-Lederlaminat für tourensportliche Anzüge verwenden. Die Produktion von Rennkombis ist mit vielen versiegelten Nähten sehr aufwendig, die Stückzahlen wären hier verschwindend gering. Allerdings macht es durchaus Sinn, die Technik in der Langstrecken-WM einzusetzen. Bei einem 24-Stunden-Rennen fährt man durch alle Wetterkapriolen der Welt. Mit der Gore-Tex-Lederkombi bleibt der Fahrer trocken und kann außerdem von der Atmungsaktivität profitieren – was die Leistungsfähigkeit erhöht. Mit den Gummipellen, die Rennfahrer bei Regen über-ziehen, schwitzt man sich ja zu Tode.

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