Schwache Vorstellung (Archivversion)

Kommentar von Holger
Hertneck, Ressortleiter
Service, zu den ernüchternden Stoßdämpfungsergebnissen.

Wozu, frage ich mich nach diesem Test, wurde die ECE-R 22.05 ins Leben gerufen? Sie soll eigentlich garantieren, dass nach dieser Norm geprüfte Helme bei einem möglichen
Unfall Mindestanforderungen Stand halten. Unabhängig davon, wie sinnvoll die Prüfungsprozedur nach ECE-R sein mag oder wie praxisrelevant (Prüfung bei minus 20 Grad Celsius), müssen Helme mit dem begehrten ECE-Sticker die Grenzwerte einhalten. Schließlich verlassen sich die Käufer auf den versprochenen Schutz.
Und jetzt diese alarmierenden Stoßdämpfungsergebnisse.
Liebe Helmhersteller, es darf doch wohl nicht sein, dass Sie
Modelle anbieten, die die Norm mal bestehen und mal nicht. Es muss doch möglich sein, gleich bleibende Qualität zu liefern und die nach Ansicht etlicher Unfallforscher ohnehin viel zu hohen Grenzwerte einzuhalten. Wer diese Hürde nicht schafft, der hat auf dem Motorrad-Helmmarkt meiner Meinung nach nichts verloren. Und ich frage mich, inwieweit ich mich auf die Tests der Prüf-
institute verlassen kann. Denn eigentlich kann es nicht sein, dass ein Helm einen ECE-Sticker besitzt und dann die Stoßdämpfungsprüfungen nicht besteht.
Sind zu hohe Werte in Einzelfällen noch mit Messtoleranzen oder ungenauen Einstellungen bei der Prüfungsanordnung zu erklären, so dürfte bei Kandidaten, die vermehrt mit »Ausrutschern« auf sich aufmerksam machen, konstruktiv was faul sein. Sollten sich die schlechten Ergebnisse bei den in Kürze von MOTORRAD durchgeführten Nachtests bestätigen, muss gehandelt werden. Generell gilt: Komplette Produktionschargen, bei denen Stich-
proben fehlerhafte Helme ergeben, müssen vom Markt.
Im Autobereich hat öffentlicher Druck längst dazu geführt, dass bei dem geringsten Verdacht auf Probleme mit der Fahrsicherheit ganze Flotten zur Überprüfung oder Umrüstung in die Werkstätten gerufen werden. Höchste Zeit auch für uns Zweiradfahrer, sich mehr Gedanken über die Sicherheit zu machen – denn kein anderer Verkehrsteilnehmer ist gefährdeter. Und der Motorradhelm ist nun mal Sicherheitsausstattung Nummer eins. Fehlerhafte Produkte sind nicht zu tolerieren. MOTORRAD bleibt dran und hält Sie, liebe Leserinnen und Leser, auf dem Laufenden.

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