Service Spezial (Archivversion)

Helme

Stets wohl behütet – auf den Kopfschutz will heutzutage kein Motorradfahrer mehr verzichten. Aber ist ein Helm so gut wie der andere? Und was bringt die neue ECE-Norm 22.05?

Großer HelmtestElf Helme der Oberklasse mit preisen von 500 bis 750 Mark im Vergleich. Welcher ist der sicherste Helm, welche der beste im Alltag?258HelmpflegeSo bleibt der Hut innen und außen frisch276HelmnormWas bringt die neue ECE-Prüfung 22.05? 278MaterialkundeAlles über Plaste und Elaste280InfothekAdressen und MOTORRAD-Artikel zum Thema Helm281
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Helmtest (Archivversion) - Präsentation

Wer einen halben Tausender und mehr für den neuen Helm ausgibt, stellt hohe Anforderungen an die Qualität. Welchen Gegenwert bieten Integralhelme der Oberklasse fürs Geld?
Was die Sicherheit betrifft, kann man beim Kauf eines neuen Helms kaum große Fehler machen. Alle Modelle - abgesehen von einigen exotischen Streetfighter- oder Chopper-Hüten - sind ECE-geprüft, ein ordentlicher Schutz sollte im Falle eines Falles also gewährleistet sein. Wirklich schlechte Helme gibt es praktisch nicht mehr, das bestätigten auch die Ergebnisse der Helmtests von MOTORRAD in den letzten zehn Jahren. Aber – das ist in den Tests ebenfalls nachzulesen – große Unterschiede gibt es schon, etwa in der Verarbeitungsqualität, in Handhabung, Ausstattung oder Funktionalität. Schon für 300 Mark (Helmtest MOTORRAD 15/1997) gibt es ganz ordentliche Schutzhüte, die Testsieger konnten auch in der Praxis überzeugen. Wer einen Hunderter drauflegt (Helmtest MOTORRAD 10/1999), bekommt zwar bei vielen Herstellern statt der gespritzten Thermoplast-Schalen schon laminierte Duroplast-Helme, im Durchschnitt bietet die 400-Mark-Klasse aber kaum mehr fürs Geld. Denn gelegentlich entsteht der Eindruck, dass die Kosten für die aufwendige Schale durch Einsparungen in Ausstattung und Verarbeitung wieder hereingeholt werden müssen. Vielleicht gibt es ja das Optimum erst in der Oberklasse ab 500 Mark aufwärts? Dies sollte der große Helmtest zeigen, bei dem MOTORRAD in bewährter Manier mit dem ADAC kooperierte.

Helmtest (Archivversion) - Sicherheit

Erst wenn´s richtig kracht und scheppert, zeigt sich, was ein Helm wert ist. Was leisten die Nobelhüte im Falle eines Falles?
Bei Sicherheit darf auf keinen Fall gespart werden, da ist jede Mark gut angelegt. Diesen Satz bringen Verkäufer allzu gerne an, um teure Ware an den Mann oder die Frau zu bringen. Wer will schon Abstriche machen, wenn es um Kopf und Kragen geht? Allerdings zeigte sich bereits bei vergangenen Helmtests, dass preisgünstige Helme im passiven Unfallschutz keineswegs schlechter abschneiden müssen. Die Entwicklung steht jedoch nicht still, in der neuen ECE R 22.05 sind weitere Prüfungen hinzugekommen (siehe Seite xxx). Einige der getesteten Modelle sind bereits nach der neuen Norm geprüft (Agv, HJC, IXS, Nolan, Shoei, Uvex), bei anderen ist der Wechsel im Laufe des Jahres oder zur nächsten Saison zu erwarten. Das bedeutet für die Hersteller nicht zwangsläufig technische Veränderungen am Helm, schaffen doch viele die 05er-Homologation ohne Modifikationen.Stoßdämpfung. Bei den Falltests ist bei der ECE 22.05 alles beim Alten geblieben. Nach wie vor fällt der Helm samt Prüfkopf auf einen flachen oder kantigen Amboss, das soll einen Aufprall auf die Fahrbahn oder eine Bordsteinkante (Kerbstone-Test) simulieren. Beim flachen Aufprall werden deutlich höhere Werten in der Kopfbeschleunigung gemessen, den Kanten-Crash verdaut die Schale besser. Die ECE-Grenzwerte für Beschleunigung (275 g) und HIC (2400) werden von allen Prüflingen eingehalten, einzelne Ausreisser wie bei vergangenen Helmtests waren diesmal nicht zu notieren. Das spricht für einen guten Standard in dieser Preisklasse. Dennoch können selbst gering erscheinende Verbesserungen der Dämpfung im Ernstfall über Gehirnerschütterung oder bleibende Schäden entscheiden. FM und Shoei heben sich in der Stoßdämpfung mit durchweg guten Zensuren ein wenig von der Konkurrenz ab, auch Nolan und Uvex verbuchen ein paar Punkte mehr als der Rest. Kinnteildämpfung. Dies ist ein neuer Prüfpunkt der ECE 22.05. MOTORRAD spielte hier eine Vorreiterrolle, denn das Kinnteil wurde schon seit vielen Jahren in den Helmtests beim TÜV Rheinland geprüft. Interessant ist, ob sich der Fortschritt im aufwendigen MOTORRAD-Testverfahren, das sich von der relativ simplen ECE-Messung unterscheidet, widerspiegelt. Und in der Tat, die 05er-Helme sind wie erwartet im Schnitt etwas besser, der Shoei Raid fällt hier wiederum positiv auf. Nachholbedarf besteht vor allem bei den 04-geprüften Helme von Arai, FM und Vemar. Abstreiftest. Für den Schutz ist das Wichtigste, dass der Helm beim Unfall nicht vom Kopf geschleudert wird. Dazu darf der Kinnriemen nicht zu locker durchhängen, und der Helm muss fest und stramm auf dem Kopf sitzen. Daher beim Kauf auf jeden Fall neben verschiedenen Modellen mehrere Größen probieren und im Zweifel zur engeren Variante greifen. Leute mit kleinen Köpfe haben übrigens die größten Probleme, da die meisten Hersteller für die gesamte Größenstaffel Außenschalen in zwei Größen (manchmal sogar nur eine) verwenden und folglich reichlich gepolstert werden muss. Abgesehen vom 54er-FM schaffen jedoch alle die Norm, wenn auch mit relativ großen Verdrehwinkeln. Optimal wäre es, wenn die Testhüte beim Abstreiftest nicht mit dem Kinnteil am Prüfkopf anstossen, das tun jedoch alle. Visierfestigkeit. Formel-1-Fahrer verlangen extrem feste, dicke Visiere, warum sollten sich Motorradfahrer mit dünnen Scheiben begnügen? Schließlich ist das Gesicht keine Knautschzone. Daher testete Motorrad nicht nur mit der in der Norm verlangten Fallhöhe von einem Meter, sondern zusätzlich mit der doppelten. Erstaunlicherweise bereitet auch die zweifache Energie den meisten Testkandidaten keinerlei Kopfzerbrechen. Nur bei Shoei gab es bei zwei von vier Versuchen Rissbildung, Arai patzte in einem Fall.Reflexion. Auffällige Bekleidung hat heute, da grundsätzlich mit Licht gefahren wird, nicht mehr die Bedeutung wie in früheren Zeiten, kann aber dennoch zur frühzeitigen Erkennung beitragen. MOTORRAD empfiehlt helle, kontrastreiche Dekore - das bieten fast alle Hersteller, reflektierendes Material jedoch kaum. Dabei ist es in Frankreich sogar vorgeschrieben. Die Testhelme des neuen Shoei Raid hatten noch keine Reflexstreifen, ab sofort sollen sie aber allen Helmen beiliegen. Helmabnahme beim Unfall. Helm ab, das fordern Unfallforscher heutzutage generell bei einem Bewusstlosen. Denn die Gefahr des Erstickens ist höher als die einer Wirbelsäulenschädigung durch Helmabnahme. Trotzdem sollen natürlich sehr vorsichtig vorgegangen werden (siehe Helm Speziell 10/1999). Wichtig ist, dass der Verschluss sich in der Stresssituation leicht öffnen lässt und der Helm leicht vom Kopf zu ziehen ist. Abzüge gab es für einige Helme (etwa Uvex und Ixs), wenn der Verschluss sich bei straffem Kinnriemen verhaken kann. Am einfachsten flutscht der Agv vom Kopf, der außerdem ein leicht zu öffnendes Tastenschloss besitzt. Helmgewicht. Das Gewicht ist der Sicherheit zugeordnet, weil es beim Unfall eine größere Bedeutung hat als in der Handhabung. Überraschend: Die Nobelhüte liegen im Schnitt nur knapp unter den preisgünstigen Modellen früherer Tests. Allein der AGV bekommt eine gute Note, der HJC sollte unbedingt abspecken. Wer weniger Gewicht will, muss offensichtlich noch tiefer in die Tasche greifen. Sichtfeld. Hier gab es wenig Anlass zu Kritik. Nur bei Ixs schränkt der schmale Sehschlitz und der verklebte Nasenspoiler den Blick auf die Instrumente stark ein. Bei Uvex und Vemar stört das Futter bei sportlicher Sitzposition am oberen Bildrand. Visier-Verzerrungen. Große Ausreißer wie beim letzten Helmtest waren hier nicht zu vermelden, nur die FM-Scheibe ist etwas wellig geraten.Kratzfestigkeit. Schon lange ein Bestandteil der ECE, den Grenzwert hielten aber erstaunlicherweise sieben der Helme nicht ein. Beschlagverhalten. Antibeschlag-Beschichtungen proklamieren Agv, FM, Ixs, Kiwi, Uvex und Vemar. Mit sehr unterschiedlicher Wirkung, wie Labortests und Fahrversuche zeigten. Rundum überzeugend ist allein die Uvex-Beschichtung. Vemar, Kiwi und FM bekamen zumindest bei den Praxistests noch befriedigende Bewertungen. Das Nolan-Visier ist für Pinlock-Innenscheiben vorbereitet, die müssen jedoch dazu gekauft werden.

Helmtest (Archivversion) - Praxis

Verarbeitung, Ausstattung, Funktion – das sind die Stärken der Oberklasse. Welche Vorzüge bieten die Testkandidaten im Alltag?
Nach der Pflicht, dem Sicherheits-Check, folgt die Kür: Auf unzähligen Testkilometern konnten die Oberklasse-Mützen zeigen, ob sie rundum einen soliden Gegenwert fürs Geld bieten. Aerodynamik. Wie ein Ei dem anderen gleichen sich Helme nur auf den ersten Blick. Feinheiten machen den Unterschied, etwa Abrisskanten oder Spoiler. Klassenbester in Sachen Luftwiderstand ist im Windkanal der wuchtig wirkende Ixs, bei ihm liegen die Kräfte um gut 20 Prozent unter dem Shoei. Bei höherem Tempo ist Auftrieb unangenehm. HJC und Ixs glänzen mit guten Messwerten und wurden auch von den Fahrern recht gut beurteilt. In der Praxis spielt auch der Sitz eine Rolle. Helme, die an Nacken und Kinn gut fixiert sind, zum Beispiel HJC und Arai, sitzen neutral. Fast alle Testfahrer monierten die lästige Auftriebsneigung von Vemar und FM. Bei über 150 km/h »hängen« sie quasi am Kinngurt, in der Heizerfraktion kommt wenig Freude auf. Geräusche. Das Ohr ist immer noch das sensibelste Messinstrument, daher verließ sich das Testteam auf subjektive Eindrücke. Positiv – wenn man auch nicht wirklich von leise sprechen kann – beurteilten alle Testern den Arait, HJC und Shoei folgen. Auf der anderen Seite entpuppt sich der Dainese mit seiner turbulenten Geräuschkulisse als echter Radaubruder. Wenig spektakulär dagegen die Wahrnehmung der Umweltgeräusche, nur der HJC bezahlt seine geschlossene Bauweise im Ohrbereich mit gedämpfter Wahrnehmung. Passform. Zunächst eine Frage der individuellen Kopfform.Trotzdem gibt es Helme, die immer komfortabel und fest sitzen, andere bereiten eher Kopfzerbrechen. Top sind Arai mit eher sattem und Shoei mit straffem Sitz. Der Agv sitzt nur oben am Kopf stramm. Biker mit Größe M haben mit dem Nolan N 92 ein Problem: Die Italiener verwenden bei den kleineren Versionen eine Schale mit extrem engem Einstieg, fast alle M-Tester mussten zwangsläufig auf Größe L ausweichen. Auf-/Absetzen. Grundsätzlich ist ein straffer Sitz, etwa bei HJC oder Shoei, vorteilhaft, das gilt besonders für Schnellfahrer. Der Nachteil: Solche Helme sind meist rundum gut gepolstert und dementsprechend eng beim Aufsetzen, was heisse Ohren verursacht. Für den Kurzstreckenverkehr sind die unten offener gepolsterten Helme von Agv oder FM praktischer. Das Problem des Nolan wurde bereits erwähnt, aber auch bei der L-Version ist der Einstieg recht eng.Zugluft. Hier gab es durchweg wenig Anlass zu Beanstandungen. Viele Testhelme haben beigelegte Kinnspoiler. Die helfen gegen Zugluft und mindern die Geräusche ein wenig, bei den Fahrten wurden sie daher stets eingesetzt. Regendichtheit. Früher war das Problem immer die Visierabdichtung, bei aktuellen Helmen kommen die Belüftungsöffnungen hinzu. Tipp: Visiermechanik am neuen Helme justieren, so dass die Scheibe bei geschlossenem Visier rundum an der Dichtlippe anliegt. Beim Arai ist die Kopfbelüftung ungünstig im Visier angebracht und unzureichend abgedichtet, so dass dort schnell Wasser eindringt und innen am Visier herunterläuft. Kopfbelüftung. Die Wirkung der vielen Knöpfchen, Schieber oder Hutzen ist begrenzt, da die Kanäle oft an der Innenpolsterung enden, die Luft kann nicht weitergeleitet werden. Wirklich spürbare Abkühlung bieten die Helme von Dainese und FM. Pflegemöglichkeit. An teuren Helmen will sich der Besitzer langfristig erfeuen. Umso wichtiger ist die Reinigung des Innenlebens. Herausnehmbare Polster besitzen Agv, Dainese, FM, HJC, Kiwi, Uvex und Vemar. Wie praktisch, denkt man zunächst, leider ist die Idee meist nur unzureichend umgesetzt. Die Futter sind manchmal nicht gut fixiert, die Polster nur teilweise herausnehmbar, oder der Besitzer steht nach dem Zerlegen ratlos vor einem Puzzlespiel. Gebrauchsanleitung. Gute Kenntnisse setzen viele Hersteller beim Käufer voraus und verzichten auf ausführliche Erläuterungen zu ihrem Produkt. Eine wirklich überzeugende Lösung, wie sie etwa Schuberth oder BMW in Form eines umfangreichen Handbuchs in deutscher Sprache anbieten, ist in diesem Testfeld nicht zu finden. Wer sich durch das vielsprachige Wirrwarr arbeitet, findet bei Agv, Arai, Dainese und Nolan die wesentlichen Infos und/oder gute Illustrationen.Verarbeitung. Eine aufwendige Austattung und Topverarbeitung bis ins Detail sollte bei Preisen von 500 Mark und mehr selbstverständlich sein. Doch mancher Kunde wäre wohl enttäuscht: Bei den FM-Helmen löste sich die Nackenpolsterung, bei Uvex und Vemar waren die Polster im Stirnbereich schlecht fixiert. Ixs nimmt es mit der Symmetrie nicht so genau, Agv könnte das Kinnpolster besser verkleben. Der Shoei gibt keinen Grund zu Beanstandungen - ein herausnehmbares Futter wäre das Tüpfelchen auf dem i -, auch Dainese, HJC, Kiwi und Nolan sind akurat zusammengebaut. Beim sonst sehr gediegenen Arai könnte der Lack etwas robuster sein. Eignung für Brillenträger. Prinzipiell bekommt man jede Brille unter die Polster gefummelt, gelegentlich ist vor allem bei sperrigen Sehhilfen Geschick gefordert. Wirklich eng wird es allerdings beim HJC, robuste Bügel und etwas sanfte Gewalt sind unabdingbar. Verschluss/Kinnriemen. Ein ewiger Diskussionspunkt, der in letzter Zeit zu einer Renaissance des guten alten Doppel-D-Rings geführt hat. Diese sind leicht und vor allem sicher, denn der Kinnriemen wird beim Schließen automatisch stramm gezogen. Das ist bei Steckschlössern nicht immer der Fall. Da die Einstellung der Kinnriemenlänge meistens eine fummelige Angelegenheit ist, verzichten viele auf eine Anpassung und fahren lieber mit laschem Gurt – die Folgen könnten bei einem Sturz oder Unfall fatal sein. In der Bedienung sind Steckschlösser grundsätzlich praktischer – Zunge einfädeln und fertig. Gefährlich wird es, wenn das Schloss nicht richtig einrastet. Bei den meisten Schlössern fällt die Zunge dann wieder heraus. Beim Kiwi bleibt sie hängen, Fehlbedienung ist möglich. Unzureichend ist bei Kiwi auch die Sicherung des Kinnriemens, der sich nicht zuverlässig fixieren lässt. Bei den Doppel-D-Ringen von Arai und Dainese muss das Ende an einem Druckknopf befestigt werden, dazu gehört reichlich Fingerspitzengefühl. Visierwechsel. Die Zeiten, da man zum Abbau der Scheibe mit Schraubendreher oder Münze hantieren musste, sind endgültig passé. Bei modernen Helmen reicht ein Tastendruck oder der richtige Dreh, und schon ist das Visier zum Reinigen an der Tankstelle abgenommen. Nicht mehr zeitgemäß ist, wenn einem dann Deckel oder Mechanikteile in die Hände fallen (Dainese, FM, Nolan), da lässt manch einer das Visier zum Säubern doch lieber am Helm.Visierbetätigung. Breite, hervorstehende Nasen erleichtern das Öffnen und Schließen auch mit dicken Handschuhen. Die Betätigung an der Seite wurde von den Testern favorisiert, bei mittiger Betätigung gerät die Hand ins Blickfeld. Wichtig ist ein steifes Visier, das nicht wie beim Agv verkantet und mit einem kurzen Druck fest schließt. Visierrastung. Dabei kommt es nicht auf die Vielzahl der Stufen an, sondern auf sinnvolle Positionen. Bei fast allen Helmen ist die erste Position zu weit offen, da bläst einem schon bei Stadttempo der Wind in die Augen.

Helmtest (Archivversion) - Fazit

Die Zeit der Abrechnung ist gekommen: Welches Modell konnte unterm Strich die meisten Punkte ergattern?
Zunächst die grundsätzliche Frage: Lohnt es sich, 500 Mark und mehr für einen Helm auszugeben? Wenn es um die Sicherheitsfunktion geht, kaum, denn hier lassen die Labortests keinen Vorsprung gegenüber früher getesteten Modellen aus niedrigeren Preisklassen erkennen. In Sachen Praxisfunktion rentiert sich der Aufpreis schon eher: Die teureren Modelle sind im Schnitt besser verarbeitet und bieten mehr Ausstattung, viele zum Beispiel herausnehmbare Polster. Ein Helm ohne jegliche Schwachpunkte war auch unter den getesteten nicht zu finden. . Nun zu den Einzelergebnissen: Hervorzuheben sind der Shoei und Uvex. Der Shoei überzeugt mit sehr guter Verarbeitung und Passform. Es fehlt jedoch ein Antibeschlag-Visier, er könnte noch etwas leichter sein, und außerdem stünde eine herausnehmbare Innenausstattung auf der Wunschliste. Der Uvex glänzt hingegen mit einem hervorragenden Visier, zeigt aber beim Sitz und in der Verarbeitung Schwächen. Der Arai hätte locker in dieser Liga mitspielen können, wies aber außer den gleichen Defiziten wie der Shoei Schwächen bei der Kinnteildämpfung auf.Die getesteten Helme der japanischen Herstellern sind jedoch »nur« die Einstiegsmodelle, wer höchste Ansprüche stellt, muss wohl oder übel noch deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Test-Info (Archivversion)

Unterstützung bei den Labortests bekamen MOTORRAD und ADAC von renommiertenTestpartnern.
Die ECE R 22 setzt den Sicherheitsstandard für Helme und ist auch die Messlatte bei den meisten Tests von MOTORRAD und ADAC. Zentraler Punkt der Norm sind die Stoßdämpfungsprüfungen. Ein Helm fällt dabei mitsamt einem etwa fünf Kilogramm schweren Prüfkopf aus 2,87 Meter Höhe auf einen Metallamboss, die Aufprallgeschwindigkeit liegt bei 7,5 m/s (27 km/h). Im Prüfkopf sitzt ein Messaufnehmer, der die Verzögerung misst. Aus dem zeitlichen Verlauf der Verzögerung ergibt sich der HIC-Wert (Head Injury Criteria), ein Maß für die einwirkende Energie. Gut ist es, wenn die Energie über einen größeren Zeitraum einwirkt und somit der Spitzenwert der Beschleunigung gering gehalten werden kann. Der Grenzwert für die Beschleunigung beträgt 275 g, der HIC-Wert darf 2400 nicht überschreiten. Als Aufschlagstellen wählte MOTORRAD drei Punkte, die im realen Unfallgeschehen recht häufig sind: Stirn, Ohrbereich und Hinterkopf. Von jedem Helm wurden zwei Größen getestet, 54 und 60. Unterschiede sind wegen der unterschiedlichen Polsterungen wahrscheinlich. Die Dämpfung des Kinnteils wurde in die ECE 22.05 aufgenommen. Zur Vereinfachung wird sie mit dem üblichen Dummykopf gemessen. MOTORRAD verwendet ein aufwendigeres Testverfahren, das der TÜV Rheinland entwickelt hat. Dabei kommt ein so genannter Hybrid-II-Dummy zu Einsatz, das ermöglicht außer der Messung der Kopfbeschleunigung die Ermittlung der Kräfte, die über das Kinnteil des Helms und den Kinnriemen auf den Prüfkopf übertragen werden. Aufprallgeschwindigkeit ist 5 m/s. Ebenfalls durch einen Fallversuch testet der TÜV Rheinland die Festigkeit der Visiere. Eine drei Kilogramm schwere Kugel fällt auf einen Kegel, der somit in das Visier einzudringen versucht. Die Norm sieht eine Fallhöhe von einem Meter vor. MOTORRAD stellt höhere Anforderungen und steigerte in einer zweiten Versuchsreihe die Fallhöhe auf zwei Meter. Die weiteren Visierprüfungen übernahm die PTB (Physikalisch-Technische Bundesanstalt) inBraunschweig, darunter die in der ECE verankerte Prüfung der Kratzfestigkeit. Dazu wird eine Visierprobe nach einem definierten Zyklus mit Sand berieselt, das Streulicht darf nach dem Versuch 5 cd/m² lx nicht überschreiten. Die Brechwerte werden wie bei einer Brille in Dioptrien vermessen, sie sind ein Maß für die optische Qualität und müssen nach ECE 22.05 unter 0,12 Dioptrien liegen. Auch für das Beschlagverhalten gibt es einen Laborversuch. Liegt die beschlagfreie Zeit unter einer Sekunde, ist entweder gar keine oder eine unzureichende Beschichtung vorhanden. Die ECE stellt hier bisher keine Anforderungen, es wird aber ein freiwillige Prüfung angeboten.

Verschlüsse (Archivversion)

Vieles ist bereits genormt, bei den Verschlüssen herrscht jedoch immer noch Artenvielfalt
Doppel-D-RingDer Klassiker, einfach, zuverlässig, leicht und bequem. Nur das Einfädeln erfordert mehr Zeit (Arai, Dainese)SchiebetasteTypisch italienisches Steckschloss. Schließt zuverlässig, Öffnen ist wegen des kleinen Schiebers nicht optimal (Agv, FM, Ixs, Uvex, Vemar)DoppeltasteDas klassische Steckschloss von Shoei kommt wieder. Ganz aus Metall, flach und schön einfach zu betätigenDrucktasteDank großer Taste einfach zu bedienen. Wichtig: Beim Schließen sorgfältig einrasten lassen (Kiwi, HJC)ZahnriemenVorteil: Riemenlänge variierbar, schließt zuverlässig. Nachteil: relativ klobig und schwer (Nolan)

Testinfo (Archivversion) - Praxis

Einen Kilometer hin, einen Kilometer her – und das viele hundert Mal. Jeder Helm kombiniert mit verschiedenen Maschinen, Fahrern, Sitzpositionen. Hut auf, Hut ab, so sieht der Testalltag aus. Subjektive Beurteilungen erfordern kurze Testintervalle, um einzelne Kriterien im direkten Vergleich beurteilen und Unterschiede herausfiltern zu können. Insgesamt acht Fahrer bewerteten die Helme, um zu einem repräsentativen Ergebnis zu kommen. Dabei waren Motorräder mit und ohne Verkleidung im Einsatz, von der Suzuki GSF 600 Bandit bis zur Yamaha YZF-R1. Besonders schwierig ist die Beurteilung der Windgeräusche, da das Gehirn akustische Eindrücke nur eine halbe Minute speichern kann. Ein Vergleich ist nur bei fliegendem Wechsel der Helme möglich. Bei der subjektiven Bewertung spielt nicht nur der Geräuschpegel eine Rolle, sondern auch das Frequenzspektrum. Eine gleichmäßige Geräuschkulisse wird oft angenehmer empfunden als ungleichmäßige Zisch- oder Poltergeräusche. Für die Bewertung ist also viel Erfahrung nötig. Der Laie beurteilt oft relativ leise Helme als laut, da bei denen Turbulenzen durch Verkleidungen deutlicher zu hören sind. Bei hohem Lärmpegel gehen solche Nebengeräusche dagegen völlig unter. Für die aerodynamischen Messungen konnten MOTORRAD und ADAC den Windkanal von Schuberth in Braunschweig nutzen. Dabei wurde nicht nur die Strömungsgeschwindigkeit (100 und 160 km/h) variiert, sondern auch die Position des Helms (Neigung 8 und 18,5 Grad zur Senkrechten). Die Wasserdichtheit ermittelte der ADAC auf dem hauseigenen Prüfstand. Der besteht aus einer Turbine, die Luft gegen einen auf dem Motorrad sitzenden Dummy bläst, feine Düsen sorgen jeweils zwanzig Minuten lang für einen kräftigen Landregen.

Spezial: Helme (Archivversion)

Shoei RaidPreis ab 599 MarkBewertung+ sehr gute Verarbeitung; gute Handhabung von Visier und Schloss; komfortable Passform und fester Sitz; gute Stoßdämpfung; für Brillenträger sehr gut geeignet; leichter Visierwechsel- Visier nicht beschlaghemmend und kratzfest; geminderte Durchdringungsfestigkeit des Visiers MOTORRAD-UrteilempfehlenswertUvex V1Preis 549 MarkBewertung+ sehr gute Antifog-Beschichtung; herausnehmbares Futter; einfacher Visierwechsel; gute Regendichtheit- Auftrieb bei hohen Geschwindigkeiten; mäßige Aerodynamik-WerteMOTORRAD-UrteilempfehlenswertArai NR-5Preis ab 749 MarkBewertung+ sehr gute Passform; gute Verarbeitung; ordentliches Geräuschverhalten- Visier beschlägt leicht; mäßige Dämpfung des Kinnteils; nicht gut gegen Wasser abgedichtet; Futter nicht herausnehmbarMOTORRAD-UrteilempfehlenswertAgv BoltPreis ab 649 MarkBewertung+ leichtester Helm im Test; leichtes Auf-/Absetzenherausnehmbares Futter; einfacher Visierwechselgute Waserdichtheit- Passform und Sitz nicht besonders optimal; keine wirksame Antibeschlag-Beschichtung; Visier nicht kratzfestMOTORRAD-UrteilempfehlenswertKiwi K 500Preis ab 499 MarkBewertung+ ordentliche Verarbeitung; herausnehmbares Futter; Visier mit wirksamer Antibeschlag-Beschichtung; gegen Wasser gut abgedichtet; für Brillenträger gut geeignet- mangelhafte Sicherung des Kinnriemens; Steckschloss nicht sicher gegen Fehlbedienung; Visier nicht kratzfestMOTORRAD-UrteilempfehlenswertNolan N 92Preis ab 499 MarkBewertung+ ordentliche Verarbeitung; gute Stoßdämpfungswerte; praktische Einstellung des Kinnriemens durch Zahnriemenverschluss; sinnvolle Visierrastung- Helmschale Größe M extrem eng; serienmäßig keine Antibeschlag-Beschichtung; relativ laut; eingeschränkte Regendichtheit; Visierwechsel MOTORRAD-UrteilempfehlenswertHJC AC-10Preis ab 550 MarkBewertung+ gute Verarbeitung; straffer Sitz; geringer Luftwiderstand; herausnehmbares Futter; einfacher Visierwechsel; noch akzeptables Geräuschverhalten- schwerster Helm im Test; Visier nicht beschlaghemmend und kratzfest; Auf-Absetzen unkomfortabel; für Brillenträger wenig geeignet; nicht gut gegen Wasser abgedichtet; dürftige GebrauchsanleitungMOTORRAD-UrteilempfehlenswertFM F 101Preis ab 499 MarkBewertung+ herausnehmbares Futter; gute Stoßdämpfungswerte; Gewicht relativ gering; Kopfbelüftung spürbar- Abstreiftest nicht bestanden (Größe 54); Visier nicht beschlaghemmend und kratzfest; viel Auftrieb bei hoher Geschwindigkeit; dürftige GebrauchsanleitungMOTORRAD-Urteilnoch empfehlenswertIxs HX 290Preis ab 549 MarkBewertung+ relativ niedriger Luftwiderstand; Visier mit Antibeschlag-Beschichtung; einfacher Visierwechsel- mäßige Verarbeitung; Visier nicht kratzfest; eingeschränktes Sichtfeld; dürftige GebrauchsanleitungMOTORRAD-Urteilnoch empfehlenswertDainese Ergon Evo 1Preis ab 649 MarkBewertung+ herausnehmbares Futter; gut für Brillenträger geeignet; ordentliche Kinnteildämpfung- sehr hoher Geräuschpegel; Zugluft im Gesichtsbereich; Visier nicht beschlaghemmend und kratzfest; nicht optimal gegen Wasser abgedichtetMOTORRAD-Urteilnoch empfehlenswertVemar VSSPreis ab 499 MarkBewertung+ herausnehmbares Futter; einfacher Visierwechsel; zufriedenstellende Regendichtheit; Visier beschlaghemmend- Visier nicht kratzfest; Stoßdämpfung nicht optimal; hoher GeräuschpegelMOTORRAD-Urteilempfehlenswert

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