Stossdämpfung

Eines der wichtigsten Testkriterien, den Unfallschutz, nahm MOTORRAD in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland in Köln unter die Lupe

Es klingt paradox, doch Klapphelme müssen sich laut momentan gültiger Prüfnorm ECE-R 22.05 nicht zwingend einer Kinnteilprüfung unterziehen. Wird darauf verzichtet, muss dies am entsprechenden Modell auf dem vorgeschriebenen ECE-Sticker (meist am Kinnriemen angebracht) gekennzeichnet sein. Am Ende der mehrstelligen Prüfnummer steht dann statt einem „P“ für „Kinnteil geprüft“ ein „NP“ für „Kinnteil nicht geprüft“. Die zwölf Testkandidaten weisen alle das wünschenswerte „P“ auf. Folglich zählte bei den durchgeführten Stoßdämpfungsmessungen auf dem Fallprüfstand des TÜV in Köln außer Stirn, linker und rechter Seite, Scheitel und Hinterkopf auch das Kinnteil zu den Prüfpunkten.
Was die Prüfparameter anbelangt, entschied sich MOTORRAD für den Temperaturbereich von minus 20 Grad Celsius sowie den laut ECE vorgeschriebenen flachen Amboss. Bei diesen Bedingungen sind die Anforderungen an die Helme höher als bei der zweiten nach ECE zulässigen Temperatur von 50 Grad Celsius und einem Kantenamboss. Generell prallen die Probanden mit einer Geschwindigkeit von 7,5 m/s (beim Kinnteil 5,5 m/s) auf den Amboss. Der im Helm steckende und mit Sensoren ausgestattete Prüfkopf zeichnet dabei die auftretenden Beschleunigungen auf (Grenzwert laut ECE: 275 g) und leitet sie an einen Rechner weiter. Dieser berechnet daraus den HIC-Wert (Head Injury Criterion; Grenzwert: 2400), ein Maß für die zu erwartenden Schädel-Hirn-Verletzungen.
Die Helmexperten des TÜV prüften die Helme in enger Anlehnung an die ECE. Die ermittelten Daten der Probanden sind in untenstehender Tabelle aufgelistet – inklusive der MOTORRAD-Punktewertung. Das Überschreiten des Beschleunigungs- oder HIC-Grenzwerts an einem einzelnen der insgesamt sechs Prüfpunkte wird grundsätzlich mit jeweils einem Punkt Abzug geahndet.
Zum Gesamteindruck Stoßdämpfung/Sicherheit gehört außerdem die Bewertung des Kinnteilverschlusses vor und nach den Stoßdämpfungsprüfungen. Ein Kinnteil, das sich nach einem Unfall nicht mehr öffnen lässt, ist ein klares Sicherheitsrisiko.

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