Test CE-Nachrüstprotektoren Schutzschicht

Nachrüstprotektoren für Textil- und Lederbekleidung sorgen für zusätzliche Sicherheit. MOTORRAD hat 14 universell
passende Sets für Schultern, Ellbogen und Knie getestet.

Foto: Bilski
Eines gleich vorneweg: Protektoren können Verletzungen nicht verhindern, doch sie mildern zumindest die Auswirkungen eines Sturzes, indem sie die Aufprallenergie dämpfen.
Um sich überhaupt Protektor nennen zu dürfen, müssen die Produkte den Richtlinien des Europäischen Komitees für Normung (CEN) entsprechen. Zu den einzu-
haltenden Kriterien gehören Grenzwerte für die zulässige Restkraft bei den vor-
geschriebenen Stoßdämpfungsprüfungen, eine eindeutige Kennzeichnung des Protektors (siehe unten) sowie entsprechend den jeweiligen Gelenken vorgeschriebene Mindestschutzzonengrößen. So muss die Schutzfläche eines Knieprotektors beispielsweise größer ausfallen als die eines Ellbogenprotektors. Für jedes Gelenk existieren Schablonen, die bei der Normierung auf den Protektor gelegt werden, um die Konformität mit den Vorgaben zu prüfen.
Dass Protektoren schützen, wissen längst alle Motorradfahrerinnen und -fah-
rer. Nur wenige Textil- oder Lederanzüge
gehen heutzutage ohne geprüfte Protektoren über die Ladentheke. Und wenn doch, ist das Nachrüsten kein Problem, da so
gut wie jede Motorrad-Jacke oder -Hose
entsprechende Einschubtaschen besitzt. Außerdem kommt es nicht selten vor, dass unbequeme Protektoren gegen angenehmer zu tragende Nachrüstexemplare getauscht werden.
Wichtig für den Käufer ist, auf die Bezeichnung (CE-)»Protektor« zu achten und nicht auf ungeprüfte Nachrüstprodukte
zurückzugreifen, die sich meist »Schutz-
polster«, »Matte« oder »Schaumeinlage« nennen. Somit sollte ein gewisser Mindestschutz gewährleistet sein. Zu erkennen sind geprüfte Protektoren an Aufdrucken, Prägungen oder Aufnähern. Beispielsweise muss die Nummer der Europäischen Norm, bei Gelenkprotektoren ist das die EN 1621-1, darauf verzeichnet sein. Außerdem die
Angabe, für welche Gelenke sich der Pro-
tektor eignet (S für Schulter, E für Ellbogen, K für Knie) und welchem Größentyp er entspricht (die Angabe A steht für eine kleine Schutzfläche, wie sie bei kleinen Damen- und Kindergrößen Sinn macht, die Angabe B steht für eine große Schutzfläche am
betreffenden Gelenk).
MOTORRAD hat nachgeprüft, wie gut die angebotenen Protektoren-Sets auf dem Markt wirklich sind und 14 Satz Schulter-, Ellbogen- und Knieprotektoren unter an-
derem auf ihre Stoßdämpfungsfähigkeit hin untersucht (siehe Kasten Testablauf auf Seite 73). Der laut CE zulässige Grenzwert liegt mit 35 kN (Kilonewton) weit über dem von menschlichen Knochen aushaltbaren Wert – diese brechen bereits bei rund sechs kN Belastung. Als K.-o.-Kriterium
für ein CE-Prüfsiegel macht er unter den vorgegebenen Prüfbedingungen dennoch Sinn. Außer für die sehr wichtige Stoßdämpfung vergab MOTORRAD noch in den Kriterien Gewicht, Schutzfläche, Trage-
komfort, vorschriftsmäßige Kennzeichung und Zweitschlagtauglichkeit Punkte. Die Zweitschlagtauglichkeit gibt an, ob Krafteinwirkungen zu bleibenden Verformungen des Protektors führen. Dadurch verliert dieser seine Dämpfungseigenschaften und muss nach einem Sturz unbedingt ausgewechselt werden.
Protektoren gibt es in vielen Ausführungen. Prinzipiell unterscheidet man zwischen Hartschalen-, EPS-(Styropor-) und Schaumprotektoren, zu denen auch die Gummiprotektoren zählen. Schaumprotektoren können aus viscoelastischem, gummiartig anmutendem Material oder Kombinationen daraus bestehen. Jede Bau-
art hat ihre Vor- und Nachteile (siehe
Anmerkungen in den Datenkästen). Ein
ganz entscheidendes Auswahlkriterium für Käufer von Nachrüstprotektoren sollte die Passform sein. Also samt Fahrer-
ausstattung in den Laden marschieren und ausprobieren, ob die ausgewählten Modelle in die dafür vorgesehenen Einschubtaschen passen und in Fahrhaltung nicht drücken.
Wer die Nachrüstteile per Versand
ordert, sollte zuvor die Abmessungen der Einschubtaschen ermitteln und anhand der Größenangaben in der Tabelle auf Seite 72 prüfen, ob die Wunschprotek-
toren hineinpassen – zu diesem Zweck aus Pappe angefertigte Schablonen sind sehr hilfreich. Prinzipiell lässt sich jeder Protektorentyp gegen einen anderen
tauschen. Allzu viel »Luft« sollte in den
Taschen jedoch nicht herrschen, denn Protektoren können nur dann effektiv schützen, wenn sie verrutschsicher an der richtigen Stelle sitzen.
Was den Tragekomfort anbelangt,
haben unflexible Hartschalen gegenüber weichen Schaumprotektoren klare Nachteile. Schaumprotektoren passen sich wesentlich besser an die Gelenkform
an und lassen ihrem Träger mehr Be-
wegungsfreiheit. EPS-Protektoren passen
sich durch ihre Segmentierung zwar ebenfalls den Gelenkformen an, sie sind jedoch im Vergleich zu Schaumprotektoren deutlich härter und daher ebenfalls nicht so tragefreundlich.
Vorgeformte Protektoren machen nur dann wirklich Sinn, wenn die Formen
für jedes Gelenk (Schulter, Ellbogen und Knie) unterschiedlich ausfallen. Identisch geformte Produkte können lediglich einen Kompromiss darstellen, denn dass ein perfekt geformter Knieprotektor weder am schlanken Ellbogen noch an der Schulter richtig sitzen kann, dürfte selbst Anatomie-Laien klar sein.
Übrigens: Da Protektoren im Ernst-
fall fast ausschließlich als Schutz beim Aufprall auf ebene Flächen fungieren und nicht auf spitze Gegenstände, stellen Ein-
kerbungen, Segmentierungen oder Belüftungsbohrungen kein besonderes Sicherheitsrisiko dar.
Für Crosser oder Offroader, die abseits geteerter Wege unterwegs sind und sich vor Felskontakt schützen wollen, sind Hartschalenprotektoren nach wie vor eine gute Wahl, denn sie bieten
den besten Durchschlagschutz. Für die 99 Prozent der straßenorientierten Biker überwiegen die Vorteile der Schaumprotektoren, die aufgrund enormer Entwicklungssprünge in den letzten zwei Jahren den zuvor noch als ideal angesehenen Hartschalen- und Styropormodellen den Rang ablaufen. Gute Stoßdämpfung und prima Tragekomfort sprechen für sich.

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