Test: gefütterte Regenbekleidung Trocken und warm im Regen?

Winter und Niederschlag – für Motorradfahrer eine äußerst unangenehme Kombination. Außer sie besitzen ein probates Hilfsmittel gegen Kälte und Nässe. Beispielsweise Regenbekleidung mit Thermo-Futter.

Foto: Sdun

Dass Regenkleidung auch gut vor Fahrtwind und somit vor Kälte schützt, weiß jeder, der sich schon mal im Sommer bei Niederschlag eine entsprechende Pelle übergezogen hat. Bereits nach wenigen Minuten schmort man im eigenen Saft. Bei den niedrigen Temperaturen des Winterhalbjahrs reicht das Isolationsvermögen ungefütterter Regenkleidung freilich nicht. Hier ist zusätzlich mit Thermo-Inserts ausgestattete Kleidung gefragt. MOTORRAD hat sich auf dem Markt umgeschaut und sich von allen im Produktionszeitraum lieferfähigen Marken entsprechende Regenkombis und -hosen besorgt.

Und für wen eignen sich die Modelle nun besonders? Die gefütterten Regenkombis taugen sowohl für die nässe- und kältegeschützte Fahrt ins Büro als auch für abgehärtete Motorradfahrer, die auch an kalten Wintertagen ihrem Hobby frönen wollen. Über die Lederkombi oder die Funktionsbekleidung gezogen, ermöglichen die "Futtermittel" auch längere Etappen, ohne dass der Körper auskühlt. Die ebenfalls getesteten Regenüberhosen mit Thermofutter sind nur in Kombination mit einer wasserdichten, warmen Textiljacke sinnvoll. Vor allem Rollerfahrer nutzen die praktischen und schnell übergezogenen Hosen für die tägliche Fahrt zur Arbeit. Doch auch Motorradfahrer, die an den Beinen schnell auskühlen, werden sich über die teilweise kuschelig warmen Beinkleider freuen.

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Test-Kriterien

Insgesamt stellen sich vier gefütterte Regenkombis und sechs gefütterte Regenhosen dem MOTORRAD-Test und zwar nach folgenden Kriterien.

Wasserdichtigkeit (30 Punkte): äußerst wichtig, um Auskühlen zu verhindern. Denn schon geringste Nässespuren auf der Haut entziehen dem Körper bei niedrigen Temperaturen in Kombination mit dem Fahrtwind innerhalb kürzester Zeit extrem viel Wärme. Für den Praxistest musste sich ein MOTORRAD-Mitarbeiter in typischer Fahrhaltung mit einem großflächigen Wasserstrahl abspritzen lassen. Anzüge und Hosen, die zehn Minuten trocken hielten, bekommen die volle Punktzahl. Während alle Hosen den Test bestanden, kam es bei den Kombis von Germas und Rev’it zu Ausfallerscheinungen. Ursache: der nicht durchdacht konstruierte Diagonalreißverschluss, in dessen Abdeckung sich im Sitzen Wasser sammelt. Im Bereich des Oberschenkels und am Schritt sickert es früher oder später durch den Reißverschluss. Wie es trotz Diagonalreißverschluss klappt, zeigt Louis, bei dem die Abdeckleiste so konstruiert ist, dass das Wasser auch im Sitzen abfließen kann.

Isolierung (30 Punkte): Bei Temperaturen nur knapp über null ging es mit einer unverkleideten Suzuki Bandit 1200 auf Testfahrt. Für eine bessere Beurteilung des Isolationsvermögens trug der Tester nur Jeans und Pulli unter der gefütterten Regenkleidung. Um keine Lungenentzündung einzufangen, fuhr er den Hosentest in Kombination mit einer warmen Funktionsjacke.

Passform (5 Punkte): Arm- und Beinlängen sowie der Körperschnitt sollten ausreichend lang beziehungsweise weit ausfallen, damit die Regenkleidung bequem über die Fahrerausstattung passt. Häufige Schwachstelle: zu kurze Beinlängen. In Sitzhaltung rutscht der Beinabschluss teilweise über die Stiefel, was zu Kältebrücken führt und außerdem Regenwasser durchlässt. Negativ auffällig sind hierbei Kombi und Hose von Germas sowie der Rev’it-Anzug – vor allem bei dicker Unterkleidung.Mit der besten Passform überzeugt die Spidi-Gargoil-Hose, die satt sitzt und ein hoch reichendes Rückenteil besitzt.

Verarbeitung/Ausstattung (15 Punkte): Wie sauber sind die Kandidaten verarbeitet, und welche Ausstattungsmerkmale besitzen sie? Dazu zählen Protektorenausstattung, Taschen, Reflexmaterial, Ausführung sämtlicher Verschlüsse, Weitenversteller und vieles mehr. Bei den Kombis liegt der mit vorbereiteten Protektorentaschen versehene Polo Snowtrooper vorn, bei den Hosen die Spidi Gargoil mit Protektoren an Knien und Hüfte sowie auffälligem Reflexmaterial.

Handhabung (10 Punkte): An- und ausziehen mit Stiefel sollten schon möglich sein, falls es einem erst unterwegs zu kühl wird. Mit etwas Übung und Raffen der Hosenbeine gelingt das mit allen Modellen. Außerdem bewertet: das Fixieren von Arm- und Beinabschlüssen, Frontverschluss beziehungsweise Hosenbund.

Fahrverhalten (10 Punkte): Auf der Testrunde über Landstraße und Autobahn (bis 150 km/h) mussten die Kombis und Hosen ihre Fahrtauglichkeit beweisen. Bei den Hosen verbucht die absolut flatterfrei und verrutschsicher sitzende Spidi Gargoil die volle Punktzahl für sich. Bei den Kombis liegt die robuste Polo Snowtrooper vorn. Insgesamt konnten alle Kandidaten mit ordentlichem Fahrverhalten überzeugen.

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