Test: Lederkombis der oberen Mittelklasse (Archivversion) Sportsgeist

Jacke und Hose, eins und eins im Verein, farblich aufeinander abgestimmt – fertig ist der sportliche Zweiteiler. MOTORRAD prüfte bei zehn Angeboten um 700 Euro, was noch dazu gehört, eine gelungene Kombination aus Leder zusammenzustellen.

Allein für die Kombi rund 700 Euro hinblättern, das ist mehr als nur Kleingeld. Doch wer den Grenzbereich beim Fahren unter Umständen auch mal überschreitet, ist froh, nicht an der Ausstattung gegeizt zu haben. Nach wie vor bietet Leder die größte Sicherheit und empfiehlt sich unbedingt für alle, die sich gerne sportlich bewegen. MOTORRAD ließ zehn interessante Zweiteiler der oberen Mittelklasse im Test gegeneinander antreten.
Die Alpinestars glänzt wie die Kon-
kurrentin von Dainese mit hervorragender Passform sowie sehr hohem Tragekomfort und trägt knapp den Testsieg davon. Mit beiden Zweiteilern möchte man am liebsten sofort aus der Boxengasse rollen. Die Verarbeitung der in Osteuropa gefertigten Kombis stimmt, und bis auf kleinere Nachlässigkeiten in der Ausstattung wie etwa ein fummeliger Verbindungsreißverschluss (Alpinestars) taugen sie mit gut zugänglichen Taschen und bequemen Schnitten auch für Touren, bei denen öfters mal eine Pause eingeplant ist. Eigentlich beste Voraussetzungen für eine Top-Wertung.
Die scheitert leider an nur mittelmäßig schlagdämpfenden CE-Protektoren beziehungsweise daran, dass diese an Hüften und Rücken ganz fehlen und, anders als
bei Büse, Harro und Ixs, nicht einmal nachgerüstet werden können. Doch auch bei der eher tourenorientierten, superbequemen Harro mit guten Schlagdämpfungswerten, die von vornherein auf Knieschleifer verzichtet (nur gegen Aufpreis erhältlich), gehört bei einem Einstandpreis von knapp unter 800 Euro nicht einmal ein ordentlicher Rückenprotektor zur Ausstattung. Sicherlich kann man taugliche Rückenpanzer, wie sie auch MOTORRAD im Test benutzte, extra kaufen. Aber dadurch erhöht sich
der ohnehin schon stattliche Preis auf ein Niveau, auf dem sich Oberklasse-Kombis mit Protektoren-Vollausstattung bewegen.
Mehr als tapfer schlägt sich in dieser trotzdem noch guten Gesellschaft die Büse, die zwar in keinem Kriterium top bewertet wurde, aber fleißig Punkt für Punkt sammelt – und mit 600 Euro die preis-
günstigste Kombi des Tests ist, so dass noch Geld zum Nachrüsten von passenden CE-Protektoren übrig bleibt.
Das Augenmerk allein auf die Protektorenausstattung zu richten reicht in puncto Sicherheit allerdings nicht aus. Eine weitere wichtige Rolle spielt das Außenmaterial, in das der Protektor eingebunden ist. Als Käufer sollte man zum Beispiel darauf
achten, wo die Kombi Lederdoppelungen aufweist – am Gesäß schon fast Standard, sind diese an Ellenbogen und Knien als
zusätzlicher Schutz von Vorteil.
Etwas schade ist, dass die anderen Kombis des Test ihr teilweise gutes Potenzial durch nur mittelmäßigen Tragekomfort nicht ausreizen. Trotz eigentlich passen-
der Konfektionsgrößen (die Tester probierten auch jeweils eine Nummer größer und
kleiner) konnten manche Zweiteiler im
Praxistest nur wenig begeistern, weil sie nötige Bewegungsabläufe auf dem Motorrad stark einschränken. Sie reichen aus zum Motorradfahren – mehr aber nicht.
Richtig durchgefallen ist indes ledig-
lich die italienische Suomy-Lederkombi, die sich mit mangelndem Tragekomfort und groben Patzern bei Verarbeitung und praxistauglicher Ausstattung sowie durch instabile, wenig abriebfeste Textil-Stretcheinsätze in Sturzzonen wie der Schulter disqualifiziert. So jedenfalls sollte ein sportlicher Zweiteiler aus Leder in dieser Preisklasse nicht aussehen.

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