Test neue Helme (Archivversion) Guter Wurf?

Wie gut sind den Helmherstellern ihre Modelle für die Saison 2003 gelungen? MOTORRAD unterzog 13 brandneue Integralhelme aus ganz unterschiedlichen Preisklassen einem ersten Praxistest.

Alljährlich versuchen sich die Helmhersteller mit neuen Kreationen gegenseitig zu übertrumpfen. Neue Formen, neue Designs, neue Werkstoffe, ausgefeilte Visiermechaniken und verbesserte Belüftungen sollen die Motorradfahrer vom jeweiligen Produkt überzeugen. Stellvertretend für die riesige Anzahl an Modellen griff sich MOTORRAD 13 neue Integralhelme für einen ersten Test.Doch vorab die Frage: Was kennzeichnet eigentlich den idealen Helm? Zunächst sollte er möglichst leicht sein, um die Belastungen der Halsmuskulatur zu minimieren. Außerdem sollte er leise sein und eine gute Aerodynamik besitzen, also im Fahrbetrieb weder Auftrieb – durch ansteigende Zugkraft am Kinnriemen spürbar – noch allzu viel Abtrieb entwickeln. Ein weiterer Punkt ist der Luftwiderstand. Ganz klar, dass ein kleiner Helm tendenziell weniger Widerstand bietet als einer mit großer Außenschale.Zum idealen Kopfschutz gehört natürlich auch eine wirksame Belüftung. Die Belüftungsöffnungen sollten alle verschließbar und selbst mit dicken Handschuhen leicht zu bedienen sein. Nächstes Kriterium: das Visier. Oberste Priorität hat nach Meinung von MOTORRAD die Beschlagfreiheit der Scheibe. Bei kühlen Temperaturen, Regen- oder Nebelfahrten beschlagende Exemplare sind nicht nur ärgerlich, sondern schlichtweg gefährlich. Weitere positive Merkmale eines Visiers sind ein einfacher Wechsel ohne Werkzeug sowie eine klare Rastung und Arretiermöglichkeit in geschlossener Stellung, die verhindert, dass das Visier bei höheren Geschwindigkeiten urplötzlich aufreißt, sobald der Fahrer den Kopf dreht.Kommen wir zum wichtigsten Merkmal überhaupt, der Passform. Auch wenn kein Kopf exakt einem anderen gleicht, hier ein paar allgemeingültige Tipps für eine gute Passform. Der Helm sollte straff und fest sitzen, ohne zu drücken. Einzelne Druckstellen kommen nach längerer Fahrt oft einer Folter gleich. Helme, die im Wangenbereich straff anliegen, sitzen bei höheren Geschwindigkeiten stabiler als welche ohne derartige Polsterungen. Ein enger Einstieg ist darüber hinaus zwar beim An- und Ausziehen gewöhnungsbedürftig, sorgt aber für niedrigere Fahrgeräusche.Bleibt zu guter letzt noch der Helmverschluss. Was ist denn nun praktischer oder besser, ein Klick-Verschluss oder ein Doppel-D-Ring? Für den Klick-Verschluss spricht das einfache Öffnen und Schließen. Das Nachjustieren der Gurtlänge, wenn beispielsweise zur Abwechslung mit Schal gefahren wird, ist meist sehr aufwendig und gelingt nur bei abgesetztem Helm. Hinzu kommen meist recht voluminöse Schlösser, die bei ungünstiger Lage auf den Unterkiefer drücken können. Diese Gefahr ist bei den Doppel-D-Ringen wesentlich geringer. Außerdem lassen sie sich auch während der Fahrt mit einer Hand nachjustieren. Zwar müssen sie bei jedem Aufsetzen neu eingestellt werden, doch zum einen geht das mit etwas Übung sogar mit Handschuhen, und zum anderen ist dadurch gewährleistet, dass der Helm immer straff sitzt. Eine weitere Alternative bietet beispielsweise Nolan mit dem getesteten N61-Helm. Als Verschlussmechanismus dient ein Ratschenschloss (Microlock), das sich ebenfalls beim Fahren nachjustieren lässt und ebenso schnell geschlossen werden kann wie ein Klick-System.Doch nun genug Theorie, kommen wir zum eigentlichenTest. Da es sich um Helme aus verschiedenen Preisklassen handelt, gibt es am Ende keinen Sieger – das wäre mehr als ungerecht. Jeder Kasten ist als separater Einzeltest zu sehen, auch wenn die Helme nach denselben Kriterien geprüft wurden. Und die bestanden aus einem ausgiebigen »Trockentest« im Konferenzraum von MOTORRAD, bei dem sich über zehn Testerinnen und Tester stundenlang die verschiedenene Modelle überstülpten, und natürlich einem Fahrtest auf Autobahn und Landstraße. Dort zeigte sich, wie gut die Entwickler Aerodynamik, Belüftung und Geräusche in den Griff bekommen haben.Fazit: Nicht jeder Wurf in 2003 ist ein absoluter Volltreffer. Und dennoch: Auch dieses Jahr findet sicherlich jeder Biker einen seinen Ansprüchen und finanziellen Möglichkeiten entsprechenden Helm.

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