Test Regenkombis bis 50 Mark (Archivversion)

Naßzelle

Und der freundliche Verkäufer meinte noch: »Bei einer Regenkombi für weniger als 50 Mark dürfen Sie aber keine Wunder erwarten.“

Auch im Zeitalter der als wasserdicht angepriesenen Textilanzüge mit Funktionsmembran hat die gute alte Regenkombi noch immer eine Existenzberechtigung. Wem Textil in puncto Sicherheit fragwürdig erscheint oder wer Textilklamotten einfach nicht mag, fährt in Leder - und Lederkombis sind nun mal auf Dauer bekanntlich nicht wasserdicht.Das sollte eine Regenkombi dagegen schon sein. Hat man ein dichtes Exemplar erwischt, sitzt man auch nach vielen Stunden Regenfahrt noch im Trockenen, da sich eine Regenkombi nicht wie mancher Textilanzug mit Wasser vollsaugt, das dann früher oder später dann doch einen Weg ins Innere finden kann.Aus leidvoller Erfahrung weiß aber wohl jeder: Leider ist nicht jede Regenkombi dicht. Daher mußten sich fünf Regenkombis in der Preisklasse bis 50 Mark einem Vergleichstest stellen, um die Frage zu klären, ob es für so wenig Geld vernünftige Ware geben kann. Schön wär’s zumindest, denn eine Kombi für 200 Mark ist genausoschnell am Auspuff durchgekokelt wie der Billigheimer für unter 50 Mark (siehe dazu auch Kasten auf Seite 194).Neben einem ausgiebigen Nässetest zur Überprüfung der Wasserdichtigkeit mußten die Kandidaten in Fahrtests Flatterneigung und Reißfestigkeit unter Beweis stellen. Fahr- und Nässeversuche wurden mit den jeweils größten und kleinsten erhältlichen Kombis durchgeführt. Die Länge der Testpersonen betrug 195 und 160 Zentimeter.Die Beinweiten sämtlicher Kombis ermöglichen ohne Probleme das An- und Ausziehen mit Motorradstiefeln - selbst über dicke Cross-Stiefel funktioniert’s. Die Fahrversuche zeigten jedoch, daß die Beinabschlüsse im Fahrbetrieb nicht eng genug eingestellt werden können und daher bei höheren Geschwindigkeiten hochrutschen. Einzig die Kombis von Motoport und Hein Gericke zeichnen sich durch eine großzügig bemessene Beinlänge aus, die vor Wassereintritt in die Stiefel schützt. Ein stufenlos verstellbarer Klettverschluß am Knöchel - anstatt der fummeligen Druckknöpfe - wäre hier wünschenswert.Die Armbündchen aller Kombis sind mit elastischen Gummizügen ausgestattet und bei allen Kandidaten eng genug. Die Ärmel der Kombis von Polo, Louis und Schuh dürften allerdings etwas länger ausfallen: Bei höheren Geschwindigkeiten, wenn sich die Kombis im Wind aufblähen, rutschen sie ein gutes Stück in Richtung Ellenbogen.Vom Aufblähen sind bis auf die Motoport-Kombi alle Kandidaten betroffen. Spätestens ab 150 km/h wird es ungemütlich - das Äußere des Fahrers erinnert dann fatal an das Michelin-Männchen. Bei den Fahrtests mußten die Kombis jeweils 20 Kilometer mit 200 km/h überstehen, ohne sich in ihre Einzelteile aufzulösen. Diesen Härtetest überstanden alle Kandidaten ohne Probleme - der Tester weniger: Der Kampf mit dem Winddruck (in aufrechter Sitzposition) war enorm. Den größten Luftwiderstand bot die Norex-Kombi von Motoport, die sich zwar als einzige nicht aufblähte, dafür aber wie ein Segel im Wind stand. Vom Material her erinnert sie ein wenig an ein Schlauchboot: Relativ dickes PVC, ohne eine gewebeartige Innenbeschichtung, wie sie bei allen anderen Kombis verwendet wird. Die Gummisohlen der Stiefel rutschen deshalb auch nicht ganz so leicht durch die Beinöffnungen, und das Tragegefühl ist im Vergleich zu den anderen eher unangenehm.Doch wer zieht seine Regenkombi schon an, weil sie sich angenehm trägt - dicht muß sie sein, und sonst gar nichts. Und genau das sollte sich bei den Nässetests herausstellen. Die Testperson saß auf einem Tourenmotorrad und ließ sich ausgiebig von einem sadistischen Menschen von vorn nach einem festgelegten Zyklus mit einem Hochdruck-Wasserschlauch bespritzen. Die gute Nachricht: Fast alle Kombis hielten dicht. Nur Hein Gerickes Standard-Kombi ließ schon nach wenigen Minuten in Schritthöhe etliche Tropfen ins Innere. Schuld an diesem Dilemma hat anscheinend der Diagonal-Reißverschluß, an dem das Wasser in Leistenhöhe seitlich eindringen kann. Alle anderen Kandidaten sind mit einem Frontreißverschluß versehen, der kurz unter Bauchnabelhöhe endet. Vom Einstiegskomfort her sind beide Verschlußsysteme gleichwertig. Mit Diagonal-Reißverschluß bietet sich zwar eine größere Einstiegsluke, gleichzeitig besteht aber auch die Gefahr, beim Anziehen das falsche Hosenbein zu erwischen.Nun aber zu den Problemzonen, mit denen alle Kombis zu kämpfen hatten. Daß im Test weder an den Frontreißverschlüssen noch am Halsbereich Wasser eindringen konnte, war nur der starren Haltung der Testpersonen zuzuschreiben. Durch eine Sitzhaltung, wie sie im Fahrbetrieb auftritt, kann sich ohne weiteres der Frontverschluß in ungünstige Falten legen, in denen sich das Wasser sammelt. Bei den Nässetests wurde diese Faltenbildung bewußt vermieden. Denn früher oder später findet sonst das Wasser einen Weg um die Abdeckleisten und durch den Reißverschluß ins Innere der Kombi. Für diesen Fall sind zwar alle Kombis mit einem Innenlatz ausgestattet, doch an irgendeiner Nahtstelle findet sich immer ein Loch, auch wenn es noch so klein ist - und dann wird es unangenehm.Ein zweiter, nicht viel weniger unangenehmer Punkt, an dem das Wasser mit Vorliebe eindringt, ist der Kragenbereich. Aus welchen Gründen auch immer, es gelang keinem der Hersteller, einen vernünftigen und vor allen Dingen dichten Halsabschluß zu konstruieren - eine Preisfrage? Bei allen Kombis waren die Kragenabschlüsse nicht eng genug einstellbar - Spritzwasser hat leichtes Spiel, an diesen Stellen einzudringen und den Fahrer zu ärgern. Den besten Kragen bietet noch der Standard-Kombi von Schuh: Der ist zwar auch nicht eng genug einzustellen, aber wenigstens hoch geschnitten.Aber wer weiß, vielleicht haben die Testpersonen ja keine Normfigur, deshalb: Die beste Möglichkeit, Mängel in der Paßform auszuschließen, ist immer noch die, sich das Modell seiner Wahl überzustreifen und eine Sitzprobe auf dem Motorrad zu machen. Wenn’s dann nichts auzusetzen gibt, reichen weniger als 50 Mark für eine Regenkombi allemal aus.
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Regenkombis bis 50 Mark: Test (Archivversion) - Motoport

Modell: NorexAnbieter: Motoport, Telefon 04451/915350Preis: 39,50 MarkLieferbare Größen: S-XXXLFarben: Schwarz/Rot, LeuchtorangeMaterial: verschweißtes PVCGewicht: 1360 Gramm (XXXL), 1074 Gramm (S)Extras: gefütterter KragenGeeignet für Körpergröße: 205 cm (XXXL), 165 cm (S)Paßform: sehr weit geschnitten, Arm- und Beinlänge gut, Kragen viel zu weitAn- und Ausziehen: wegen der fehlenden Innenbeschichtung der Kombi rutscht diese nur schwer über die StiefelWasserdichtigkeit: völlig dichtFazit: wasserdichte, viel zu weit geschnittene Kombi, vor allem am Kragen, Druckknöpfe am Frontreißverschluß, größtes Packmaß aller Kombis, Flatterneigung bei hohen Geschwindigkeiten

Regenkombis bis 50 Mark: Test (Archivversion) - Louis

Modell: BasicAnbieter: Louis, Telefon 040/73419360Preis: 39 MarkLieferbare Größen: XS-XXLFarben: RotMaterial: verschweißtes Polyester, innen NylongewebeGewicht: 896 Gramm (XXL), 707 Gramm (S)Geeignet für Körpergröße: 200 cm (XXL), 160 (S)Extras: Brusttasche, gefütterter KragenPaßform: etwas zu weit geschnitten, vor allem am Kragen, die Beinlänge ist gerade noch ausreichend, die Arme sind rund fünf Zentimeter zu kurzAn- und Ausziehen: problemlos mit Stiefeln möglichWasserdichtigkeit: völlig dichtFazit: wasserdichte Regenkombi mit etwas zu kurzen Armen und zu weitem Kragen, ausreichend überlappender Labyrinthverschluß vorn, zusätzlich mit durchgehender Klettleiste im Frontbereich

Regenkombis bis 50 Mark: Test (Archivversion) - Polo

Modell: StandardAnbieter: Polo GmbH, Telefon 0211/979696Preis: 29,90 MarkLieferbare Größen: S-XXLFarben: Schwarz, RotMaterial: verschweißtes Polyester, innen mit NylongewebeGewicht: 814 Gramm (XXL), 712 (S)Geeignet für Körpergröße: 200 cm (XXL), 160 cm (XS)Extras: Brusttasche, gefütterter KragenPaßform: relativ schlanker Schnitt, Kragen etwas zu weit, Beine etwas zu kurz, Arme etwa fünf Zentimeter zu kurzAn- und Ausziehen: problemlos mit Stiefeln möglichWasserdichtigkeit: völlig dichtFazit: äußerst preiswerte, wasserdichte und angenehm zu tragende Kombi mit etwas zu kurzen Armen und Beinen und vergleichsweise schlanker Paßform, Frontreißverschluß mit durchgehender Klettleiste

Regenkombis bis 50 Mark: Test (Archivversion) - Schuh

Modell: StandardAnbieter: Schuh GmbH, Telefon 06851/89010Preis: 49 MarkLieferbare Größen: XS-XXLFarben: RotMaterial: verschweißtes PVC, innen NylongewebeGewicht: 951 Gramm (XXL), 667 Gramm (XS)Geeignet für Körpergröße: 200 cm (XXL), 155 cm (XS)Extras: Brusttasche, gefütterter KragenPaßform: weiter Schnitt, mit etwas zu langem Oberkörper, etwas zu kurzen Beinen und gut fünf Zentimeter zu kurzen Armen, sehr hoher, etwas zu weiter KragenAn- und Ausziehen: problemlos mit Stiefeln möglichWasserdichtigkeit: völlig dichtFazit: wasserdichte, etwas eigenartig geschnittene Kombi mit zu kurzen Armen und zu kurzen Beinen, Frontreißverschluß mit zusätzlicher, durchgehender Klettleiste

Regenkombis bis 50 Mark: Test (Archivversion) - Hein Gericke

Modell: StandardAnbieter: Hein Gericke, Telefon 0211/979696Preis: 39,90 MarkLieferbare Größen: XS-XXLFarben: NeongelbMaterial: PVC, verschweißt und teilweise vernäht, innen NylongewebeGewicht: 960 Gramm (XXL), 702 Gramm (XS)Geeignet für Körpergröße: 200 cm (XXL), 155 cm (XS)Extras: Brust- und Beintasche, gefütterter KragenPaßform: etwas zu weit geschnitten, Kragen zu weit, Arme ausreichend lang, Beine schön langAn- und Ausziehen: problemlos mit Stiefeln möglichWasserdichtigkeit: Wassereintritt über den Diagonal-Reißverschluß im SchrittbereichFazit: nicht völlig wasserdichte, angenehm zu tragende Kombi mit langen Beinen, Diagonal-Reißverschluß mit durchgehender Klettleiste

Regenkombis bis 50 Mark: Test (Archivversion) - Lohnen sich teure Regenkombis?

Regenkombis für mehr als 50 Mark vollbringen auch keine Wunder
Die Nähte von teuren Regenkombis sind meist vernäht und zusätzlich verschweißt und halten höhere Geschwindigkeiten aus als die nur verschweißten Nähte der Billig-Kombis. Aufwendigere Fertigungstechniken und Schnittmuster ermöglichen eine freiere Farbgebung. Teure Kombis haben ein Innenfutter, das verhindern soll, daß Leder- und Regenkombi zusammenkleben.Auf den ersten Blick viele Vorteile gegenüber den billigen Kombis - aber: Daß die teuren Kombis höhere Geschwindigkeiten aushalten, ist zwar beruhigend, doch wer fährt im Regen schon schneller als 150 km/h, eine Geschwindigkeit, die auch billige Kombis ohne weiteres aushalten. Die aufwendigeren Schnittmuster mögen hübsch aussehen, haben aber den Nachteil, daß die vielen Nähte abgedichtet werden müssen - was oft nicht völlig gelingt. Innenfutter bergen die Gefahr, daß man in der Hektik des Anziehens den falschen Eingang erwischt und sich hoffnungslos darin verheddert.Für den Puristen also alles nur unnötiger Schnickschnack, der an der eigentlichen Aufgabe einer Regenkombi, nämlich der, wasserdicht zu sein, nichts ändert.Und wie der Vergleichstest zeigt, gelingt dies bereits Kombis für weniger als 50 Mark. Warum also sollte man sich eine teurere Regenkombi kaufen? Ein unachtsamer Moment beim Be- oder Entladen der Maschine, ein kurzes Hängenbleiben am Krümmer oder einer scharfen Kante - und schon ist die Wasserdichtigkeit passé. Dabei macht der Krümmer keinen Unterschied zwischen einer 30- und einer 150-Mark-Kombi.Deshalb: Hauptsache die neue Regenkombi ist dicht, auch wenn sie für weniger als 50 Mark zu haben ist.Wer aber unbedingt bunt wie ein Papagei mit 250 im Regen über die Autobahn blasen will, ist mit einer höheren Investition sicherlich besser beraten.

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