Test: Schadstoffe in Motorradjacken (Archivversion)

Mitgift?

Wer Leder trägt, fährt sicherer! Wer Leder trägt, lebt gefährlicher? Wie giftig ist das Naturprodukt? Ein Schadstofftest klärt auf.

Jeder trägt Leder. Benutzt der Normalbürger es hauptsächlich, um seine Füße zu schützen, besitzt die gegerbte Tierhaut bei gesellschaftlichen Randgruppen mehr Fetischcharakter. Direkt auf der Haut ist geil, und sogar Leder-Kopfkissen mit eingestickten Namen sollen manch ein Bett zieren.Auch in Motorradfahrerkreisen bestimmen nicht allein sicherheitsrelevante Aspekte die Kleiderwahl. Eine Kombi aus Leder gibt ein Feeling, das Kunstfasertextilien vermissen lassen. Oder einfach: Natur tut gut.Ein klarer Fall von Denkste, sagen kritische Lederfachleute wie beispielsweise die Autoren der Broschüre »Betrifft: Leder« von der Verbraucherzentrale Hamburg. Ihrer Ansicht nach sind nur 80 Prozent des Bekleidungsleders noch Natur, der Rest besteht aus chemischen Substanzen. So verwundert es kaum, daß diese nicht alle unbedenklich für den menschlichen Körper sein sollen. Farbstoffe, die bekanntermaßen Krebs erregen können, Konservierungsmittel, die möglicherweise Mißbildungen bei Embryos verursachen, Schwermetalle, die vielleicht Allergien und Asthma auslösen, all dies kann sich im geschmeidigen Naturprodukt verbergen.Der Motorradmarkt blieb bis dato von Skandalen über gesundheitsschädigende Substanzen verschont. Aber gerade Motorradfahrer schwitzen oft im Sommer in ihren Handschuhen, Stiefeln und Kombis, müssen von Regengüssen durchweicht manch unerwünschte Färbung über sich ergehen lassen - sie stehen in einem sehr engen Kontakt zu ihrer Lederkleidung.Nur ein Test kann Aufschluß geben, wie unbedenklich Motorradbekleidung wirklich ist. Daher kaufte MOTORRAD sieben Lederjacken aktueller Kollektion und ein älteres Modell stichprobenartig und inkognito bei ganz normalen Verkaufsstellen. Wichtig war dabei, daß die Spanne von der 250-Mark-Jacke bis zum 1100-Mark-Produkt reichte.Alle Lederjacken wanderten zum Lederinstitut Gerberschule Reutlingen, eine Institution, die neben Ausbildungen und Forschungsvorhaben auch Schadstoffprüfungen übernimmt. Hier läßt sich gleich noch eine Antwort auf die Frage finden, wie eigentlich die ganze Chemie ins Leder kommt.Der Weg vom friedlich auf der Wiese grasenden Rind bis zur geschmeidigen Lederjacke ist lang, drei Stationen geraten dabei aus gesundheitlichen und umweltpolitischen Gründen immer wieder in die Kritik: Das Konservieren, das Gerben und das Färben.Damit die Tierhaut zwischen Schlachtung und Gerben nicht fault, muß sie geschützt werden. Neben Salz und Eis sind vor allem in sogenannten Billiglohnländern chemische Konservierungsmittel sehr beliebt, dabei gelten viele dieser Substanzen wie beispielsweise Formaldehyd als gesundheitlich nicht unbedenklich. Das bekannteste, Pentachlorphenol (PCP), ist seit 1989 in Deutschland verboten. Es besitzt nicht nur toxische Wirkung auf Menschen, sondern schadet wegen seiner geringen biologischen Abbaubarkeit in großem Maße der Umwelt.Problematisch für unser Ökosystem sind auch die Rückstände des Gerbens mit dem Schwermetall Chrom, was deutsche Betriebe zu verschärften und entsprechend teuren Entsorgungsmaßnahmen zwingt. Da aber 90 Prozent des weltweit produzierten Leders durch Chromgerbung entsteht, wurde ein Großteil der Produktion in Länder mit geringerer staatlicher Reglementierung verlegt.Gegerbt wird heutzutage fast ausschließlich mit Chrom (III)-Salzen, die für den Menschen ungiftig sind, während sechswertiges Chrom, das sich als krebserregend und erbgutschädigend herausgestellt hat, so gut wie nicht mehr eingesetzt wird. Vorteile der Chromgerbung: Sie liefert geschmeidige, leichte, helle, temperaturbeständige und reißfeste Leder bei kurzen Herstellungszeiten.Als nennenswerte Alternative kommt nur die pflanzliche Gerbung in Frage. Sie belastet Mensch und Umwelt weniger, dauert aber mehrere Monate. Das dabei entstehende Leder ist hart, schwer und dunkel, doch seine Abriebwerte sind besser als die des chromgegerbten. Es wird hauptsächlich in der Schuhproduktion eingesetzt. Eine Umstellung von mineralischer zu pflanzlicher Gerbung hätte allerdings gravierende ökologische Auswirkungen: Um den weltweiten Bedarf an Leder garantieren zu können, würde die benötigte Menge an pflanzlichen Gerbstoffen in kürzester Zeit den Tod der Regenwälder bedeuten, die einen großen Teil der benötigten Gerbstoffe lieferen. Ökologen schlagen deshalb vor, schon erprobte Kombinationen beider Methoden zu verbessern und auszubauen.Der letzte kritische Punkt der Lederproduktion ist die Färbung: Der Großteil der dabei verwendeten synthetischen Farbstoffe gehört zur Gruppe der Azo-Farbstoffe. Azo-Farbstoffe selbst gelten für den Menschen als ungefährlich, denn sie sind nicht bioverfügbar. 150 davon enthalten aber als Stoffgruppen krebserregende Amine, die von Enzymen der Leber abgespalten werden. Diese können dann, wie beispielsweise das Benzidin in der Harnblase, bösartige Tumore bilden.Die deutsche Regierung reagierte schon 1994 mit einem Verbot, beugte sich aber immer wieder der Lederlobby mit einem Aufschub. Heute gilt die Auflage, daß seit 31. März 1997 keine mit jenen 150 Azo-Farbstoffe gefärbten Produkte in Deutschland hergestellt oder importiert werden dürfen, ihr Verkauf ist noch bis Ende diesen Jahres erlaubt, der von Second Hand-Kleidung unbegrenzt.Untersucht werden sollte nun, ob das Verbot von Azo-Farbstoffen und PCP auch eingehalten wird und ob die Lederjacken Formaldehyd und Chrom (VI) enthalten. Auch wenn es für letztere Substanzen keine speziellen Verbote gibt, so gilt doch, daß keine toxischen Substanzen in Bedarfsgegenständen enthalten sein dürfen.Entwarnung kann nach den Ergebnissen der PCP-Untersuchung gegeben werden: Das Verbot hat offensichtlich gegriffen, die Industrie ihre Produktionsverfahren umgestellt. Auch Formaldehyd wurde nur in sehr geringer Dosierung gefunden.Bei den Azo-Farbstoffen kam die Gerberschule zunächst ebenfalls zu einem erfreulichen Resultat. Die neuen Jacken sind alle frei von den verbotenen Azo-Farbstoffen. Besorgniserregend ist hingegen die hohe Konzentration krebserregender Amine in der Dainese-Jacke Tosa, als Referenzmodell für alte Modelle gedacht. Um zu klären, ob »alte« Bekleidung generell hoch mit Schadstoffen belastet ist, hat MOTORRAD eine Untersuchung von Produkten verschiedener Hersteller bereits in Auftrag gegeben.Leider wiesen drei der neuen Jacken (Louis, Furygan und Schwabenleder) und die Dainese Tosa Bestandteile an sechswertigem Chrom auf. Bei der billigen, in Indien hergestellen Louis-Jacke könnte man noch vermuten, daß neben dem unschädlichen Chrom (III) doch Chrom (VI) zum Gerben eingesetzt wurde. Doch was ist mit der teuren Schwabenleder Performance Evolution? Immerhin wirbt diese Firma damit, daß ihre Produkte ausschließlich aus Deutschland kommen.Dr. habil. Kellert, Leiter der Abteilung Materialprüfung in Reutlingen, ist das Phänomen nicht unbekannt. Seit zirka zwei Jahren findet sich immer wieder Chrom (VI) in Leder, bei dessen Herstellung nur Chrom (III) verwendet wurde. Unbekannte chemische Prozesse? Die Forschung darüber läuft, erklärt Kellert, doch das nützt den Motorradfahrern derzeit wenig. Die Verbraucherverbände fordern unter anderem eine Kennzeichnungspflicht des Herstellungslands, in diesem Fall keine große Hilfe. Sie fordern weiterhin eine Kennzeichnungspflicht aller Chemikalien, die bei der Lederherstellung eingesetzt wurden. Angesichts der Masse an Stoffen ein unmögliches Unterfangen, ganz davon abgesehen, daß nicht jeder Mensch ein Chemie-Lexikon zu Hause hat. Wirksamere staatliche Kontrollen wären natürlich wünschenswert, mehr Handeln im Interesse der Verbraucher als im Interesse von Industrie und Handel ebenfalls. Die Industrie selbst bestückt ihre Produkte gerne mit Anhängern wie »Echt Leder« oder gar »PCP frei«, doch diese besitzen allenfalls Marketingwert. Einen gewissen Schutz gegen die verbotenen Azo-Farbstoffe und PCP, gegen Formaldehyd und Chrom (VI) versprechen die Prüfsiegel für Schadstoffe renommierter Institute wie Forschungsinstitut Hohenstein, TÜV Rheinland oder der Gerberschule Reutlingen, um nur drei zu nennen - auch wenn nicht jede einzelne Jacke, die dann solch ein Zertifikat trägt, selbst geprüft wurde. Aber deren Kontrolle überliegt dannZeitschriften wie MOTORRAD, der vierten Gewalt.
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Lederjacken und Gift: Test der Schadstoffe (Archivversion)

Modell(Reihenfolge nach Verkaufspreis) Detlev Louis Highway II Hein Gericke Classic Gear Chopper Jacke Harley-Davidson Classic Skin Furygan BL 27 Alne Highway 100 Dainese Rock Schwabenleder EvoPreis 198 Mark 349 Mark 463,70 Mark 689 Mark 714 Mark 749 Mark 1098 MarkMaterial Rindleder Rindleder Rindleder Rindleder Känguruhleder Rindleder RindlederHerkunftland Indien Indonesien USA Frankreich??? Australien Italien??? Deutschlandgekauft bei: Detlev Louis-Shop Stuttgart Hein Gericke-Shop Freiburg Harley-Davidson Stuttgart Honda Sütterlin, Freiburg-Merzhausen Alne Fabrikverkauf, Niedernberg Honda Sütterlin, Freiburg-Merzhausen Micha’s 4 U, FreiburgSchadstoffe: Formaldehyd (ppm) weit unter Nachweisgrenze weit unter Nachweisgrenze weit unter Nachweisgrenze weit unter Nachweisgrenze weit unter Nachweisgrenze weit unter Nachweisgrenze weit unter NachweisgrenzeChrom (VI) (ppm) 8,4 nn nn 5,1 nn nn 4,3Amine aus Azo-Farbstoffen (ppm) nn nn nn nn nn nn nnPCP (ppm) nn nn nn nn nn nn nnGeruch (Note) 2,5 2,9 3,4 2,6 2,0 2,8 2,8Fazit nicht empfehlenswert empfehlenswert empfehlenswert nicht empfehlenswert empfehlenswert empfehlenswert nicht empfehlenswert

Lederjacken und Gift: Test der Schadstoffe (Archivversion)

Die Schadstoffe tragen für Laien kryptische Namen. Was verbirgt sich dahinter? Ein kleiner Ausflug in das Reich der Chemie macht klüger.
Azo-Farbstoffe: Unter diesen Begriff fällt die größte Stoffklasse des weltweiten Farbmittelmarktes, chemisch zu erkennen an der Stickstoff-Stickstoff-Doppelbindung, im Fachjargon Azo-Verbindung genannt. 150 dieser Farbstoffe enthalten krebserregende Amine, die in der Leber durch Enzyme abgespalten werden können. Eines davon, das Benzidin, verursacht Harnblasenkrebs. Die Herstellung und der Import von Azo-Farbstoffen ist seit dem 31. März 1997 in Deutschland verboten, aber der Verkauf von damit gefärbter Kleidung noch bis Ende Dezember 1998 zulässig, von Second Hand-Bekleidung unbefristet.Chrom: 90 Prozent des weltweit produzierten Leders wird mit Chrom-Salzen gegerbt. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um das ungiftige Chrom der Oxidationsstufe III, das in Spurenelementen sogar essentiell für den menschlichen Stoffwechsel ist. Sechswertiges Chrom dagegen verursacht nicht nur Asthma und Allergien, sondern ist giftig, krebserregend und erbgutschädigend. Obwohl Chrom (VI) selbst vor allem in Europa nicht mehr in der Gerbung eingesetzt wird, läßt es sich seit einigen Jahren in den Lederprodukten immer wieder nachweisen. Es gibt keinen Grenzwert vom Gesetzgeben, es fällt aber unter die Verbotsverordnung: Keine toxischen Substanzen in Bedarfsgegenständen.Formaldehyd: In reinem, wasserfreien Zustand ist Formaldehyd ein farbloses, stechend riechendes Gas. Es wird unter anderem als Hilfsmittel in der Textil-, Leder-, Pelz-, Papier- und Holzindustrie eingesetzt und dient als Konservierungs- und Desinfektionsmittel. Zweifelhafte Berühmtheit als Umweltgift erlangte Formaldehyd darüber, daß es aus Spanplatten, Isolierschaumstoffen und anderen Baumaterial in Wohnräume verdunstet und Allergien und andere Krankheiten auslöst. Formaldehyd gilt als Stoff mit begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potential. Pentachlorphenol (PCP): PCP ist ein farbloses, weißes, nadelförmiges Kristall, das zur Konservierung und Desinfektion von Holz, Leder und Textil eingesetzt wurde. Es gilt auf der einen Seite als embryotoxisch und führt zu Mißbildungen, ist auf der anderen Seite wegen seiner geringen Abbaubarkeit gefährlich. Hohe Produktions- und Anwendungsmengen über Jahnrzehnte führten zu lokalen, territorialen und vermutlich globalen Kontaminationen der Umwelt. PCP ist in Deutschland verboten.(alle Angaben entstammen: Römpp Lexikon Chemie, 9./10. Auflage; Lehrbuch der Toxikologie von Marquardt/Schäfer)

Lederjacken und Gift: Test der Schadstoffe (Archivversion) - Im Test-Labor

Schadstoffe sind nicht offensichtlich. Nur eine exakte Laboranalyse entscheidet über »giftig oder nicht giftig«.
Selbst der Geruch sei kein Indiz, sagen die Laborantinnen der Gerberschule Reutlingen, für das Vorhandensein von Giftstoffen. Sie bewerten ihn trotzdem, kann er doch das subjektive Wohlbefinden beeinträchtigen. Zur Schadstoffanalyse selbst gehört einiges Fingerspitzengefühl, denn nicht einmal die modernsten Methoden können immer jedes Molekül eines Stoffes entdecken. Erkennungsschwellenwert nennen die Fachleute die Grenze, unter der sie nichts mehr finden. Immerhin suchen sie in Regionen des ppm-Bereichs, soll heißen: parts per million, ein Milligramm des gesuchten Stoffes in einem Kilogramm Leder. Auch wenn dem Laien diese Konzentrationen verdammt gering vorkommen mögen, behaupten vorsichtige Fachleute, daß ein Molekül einer krebserregenden Substanz am richtigen Ort im Körper vollkommen genügt...Also gehen die Laborantinnen penibelst ans Werk. Dazu zerschneiden sie die Jacken, nehmen auch Teile von Futter, Protektoren, Reißverschlüssen und Druckknöpfen. Nach der Zerkleinerung - die Leder- und Textilstücke werden in einer speziellen Mühle gemahlen - müssen die vermeintlichen Schadstoffe herausgelöst, besser gesagt extrahiert werden. Die jeweiligen Vorgehensweisen sind von der DIN vorgeschrieben (DIN 533-16 Azo-Farbstoffe, -15 Formaldehyd, -14 Chrom-6, -13 PCP).Azo-Farbstoffe finden sich in einer Pufferlösung wieder, Formaldehyd und Chrom-6 in Wasser, PCP in Aceton. Nach der Reinigung der Extrakte folgt die Analyse, wiederum nach der obengenannten DIN. Was die Chromatographen oder Photometer dann ergeben, wird mittels geeigneter Software ausgewertet.

Lederjacken und Gift: Test der Schadstoffe (Archivversion)

Stücke alter Kollektionen locken Käufer mit günstigen Preisen. Doch die Dainese Tosa-Jacke erwies sich als zweifelhaftes Schnäppchen.
Normalerweise geht man in einen Laden, schaut, was zu Motorrad und Geldbeutel paßt und kauft entsprechend. Deshalb wurde auch die aus älterer Produktion stammende Dainese-Jacke Tosa in der Freiburger Verkaufsstelle (Kauf 22. November 1997) ausgesucht und ins Testlabor gebracht. Das Fazit von Dr. Ing. habil. H.-J. Kellert, Leiter der Abteilung Materialprüfung/Analytik in Reutlingen, lautete knapp: »Diese Dainese-Jacke ist untragbar.«Krebserregende Amine aus Azo-Farbstoffen wurden bis zum Hundertfachen des Grenzwertes gefunden (Benzidin in schwarzem Leder 3661 ppm, Grenzwert 30 ppm). Dennoch: Weder Dainese noch die deutsche Vertriebsagentur Rallye Sport, noch der lokale Händler handeln gesetzeswidrig. Sie dürfen bis zum 31. März 1997 hergestellte Waren wie die Tosa bis Ende 1998 legal verkaufen. Rallye Sport-Geschäftsführer Harald Süssl versichert in einer Stellungnahme, daß Dainese schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt, nämlich im Juli 1995, auf das damals angekündigte Verbot bestimmter Azo-Farbstoffe reagiert habe. Die Produktion wurde umgestellt und das Leder immer wieder von unabhängigen Instituten geprüft (Kopien liegen teilweise der Redaktion vor).Süssl: »Die Tosa Lederjacke, die Sie bei einem Händler erworben haben, stammt aus der Produktion vor dem 31.7.1995. Produziert wurde das Modell Tosa ausschließlich in Italien ab März 1994. Es ist unwahrscheinlich, daß alle vor dem 31.7.95 hergestellten Teile (andere Modelle der Kollektion, die Red.) mit belastetem Leder gefertigt wurden, da Dainese seine Rohmaterialien von mehreren Lieferanten bezieht und nicht alle identische Verfahren verwendeten. Dainese hat noch nie über ein nennenswertes Lager verfügt und konnte deshalb auch schnell auf diese zu diesem Zeitpunkt neuen Erkenntnisse reagieren.«Wie verhält es sich bei älteren Modellen anderer Hersteller? Eine zweiter Schadstoff-Test erscheint voraussichtlich in MOTORRAD XXXXXXX/1998.

Lederjacken und Gift: Test der Schadstoffe (Archivversion) - Expertenmeinung

Unbedenklich oder ungesund? Über das Gefährdungs-Potential von Schadstoffen in Leder gehen die Meinungen der Fachleute weit auseinander.

Peter Cornelius Dartsch ist Professor Dr. rer. nat. Diplom Biochemiker am Institut für Arbeits- und Sozialmedizin der Universität Tübingen. Er forscht über die Toxizität von drei- und sechswertigen Chromverbindungen und von Azofarbstoffen
»Amine wie das nachgewiesenermaßen krebserzeugende Benzidin liegen nicht in freier Form im Leder vor, sondern in der gebundenen Form des Azo-Farbstoffs. Dieser muß beim Tragen der Jacke sowohl das textile Innenfutter durchdringen als auch durch die Haut aufgenommen und in der Leber gespalten werden.Wieviel des Azo-Farbstoffs nun durch das (manchmal jahrelange) Tragen einer solchen Jacke und durch Schwitzen aufgenommen wird, ist noch weitgehend ungeklärt. Der Nachweis der Menge an aromatischen Aminen im Leder wird entsprechend der DIN-Vorschrift durch sehr aggressive Analyseverfahren ermittelt, die nicht unbedingt den realistischen Schwitzbedingungen entsprechen.Nicht viel anders verhält es sich mit den gefundenen Mengen an sechswertigem Chrom. Dieses kann nur bei sehr empfindlichen Personen Hautschäden wie Dermatosen, Verätzungen und Allergien hervorrufen. Dies kann bei den in den Lederjacken gefundenen Chromkonzentrationen nahezu ausgeschlossen werden.Abschließend bleibt festzuhalten, daß bei Motorradjacken neben dem textilen Innenfutter ein zusätzliches T-Shirt oder Hemd zuverlässig hilft, den Schweiß aufzusaugen und die in der Jacke vorhandenen Chemikalien nicht einer Aufnahme durch die Haut zugänglich zu machen.Als ehemaliger Motorradfahrer gefragt, ob ich heute Motorradkleidung aus chromgegerbtem Leder anziehen würde, kann ich dies nicht nur bejahen, sondern daran erinnern, daß vor rund 20 Jahren sich kaum jemand Gedanken über mögliche Schadstoffe oder Chemikalien im Leder gemacht hat, daß es weder entsprechende restriktive Vorschriften zur Gerbung und Färbung noch die heutigen empfindlichen Analysemethoden gab.

Lederjacken und Gift: Test der Schadstoffe (Archivversion)

Bernhard Rosenkranz ist Diplom-Oekotrophologe und Leiter der Abteilung Umwelt, Ernährung, Energie der Verbraucher-Zentrale Hamburg und zeichnet als Autor verschiedener Publikationen zum Thema Leder.
Insgesamt sind vier der acht untersuchten Lederjacken als »nicht empfehlenswert« einzustufen. Begründung: In diesen Proben wurde das krebserregende, erbgutschädigende und stark allergieauslösende Schwermetall Chrom (VI) nachgewiesen. Aufgrund des Gefahrenpotentials sollte sechswertiges Chrom nicht in Leder enthalten sein. Denn für krebserregende Substanzen gibt es keine unschädliche Konzentration. Unter Umständen genügt bereits ein einziges Molekül, um die Gesundheit zu schädigen.Die Dainese-Jacke Tosa ist außerdem untragbar, weil sie auch drei krebserregende aromatische Amine aus der Färbung mit Azofarbstoffen enthält, der Wert für Benzidin lag sogar um das 122fache über dem Erkennungsschwellenwert. Alle vier Jacken wären nicht mit einem Gütesiegel für »schadstoffgeprüftes Leder«, zum Beispiel vom TÜV Rheinland, der Deutschen Gerberschule Reutlingen oder vom Forschungsinstitut Hohenstein, ausgezeichnet worden. Obwohl die Lederjacken mit einem Futter versehen sind und somit das Leder nicht großflächig direkt mit der Haut Berührung kommt - außer am Kragen und an den Manschetten -, ist insbesondere im Sommer, wenn MotorradfahrerInnen unter der warmen Schutzkleidung stark schwitzen, nicht auszuschließen, daß sich bedenkliche Substanzen aus dem Leder herauslösen und über das Futter oder sogar direkt mit der Haut in Berührung kommen. Bei Lederkleidung, die nach einem Regenguß stark abfärbt, werden nicht nur die Farbe, sondern auch gesundheitsgefährdende Substanzen aus dem Leder herausgespült. Wenn also ältere Lederjacken, -kombis oder -hosen in diese Kategorie gehören, sollte von einem weiteren Gebrauch abgesehen werden.

Fazit––––– (Archivversion) - Viel Rauch um nichts?–––––

Die Gefahr sei gering, daß giftige, krebserregende Schadstoffe überhaupt aus dem Leder in den Körper gelangen, meinen einige Experten. Da müsse man schon am Leder lutschen, besänftigen sie die verunsicherten Gemüter. Innenfutter, zusätzlich ein T-Shirt darunter, und der Schutz sei perfekt.Verharmlosung, meinen kritischere Experten. Nachweisbar krebserregende Stoffe gehörten nicht in Bekleidung. Denn das berühmte eine Molekül reiche möglicherweise aus, um bösartige Geschwulste in unseren Körpern zu verursachen. Zwei völlig konträre Meinungen stehen sich gegenüber und die armen Verbraucher im Regen. Aber einmal anders herum gefragt: Wer kann garantieren, daß Schweiß und Regen nicht in der Lage sind, diese giftigen Stoffe aus dem Leder herauszulösen? Natürlich niemand. Dennoch sollte das Ergebnis differenziert gesehen werden. Ob nun alte Ledersachen generell mit den inzwischen verbotenen Azo-Farbstoffen gefärbt sind und von einer weiteren Nutzung abgesehen werden sollte, klärt MOTORRAD in Ausgabe 6/1998.Das Ergebnis der Chrom (VI)-Untersuchung sollte kein Anlaß zur Panik sein. Es ist ohne Frage gesünder, beim Kauf darauf zu achten, Produkte ohne Schadstoffbelastung auszusuchen. Aber gleich die eventuell neue Louis-, Furygan- oder Schwabenleder-Jacke wegzuwerfen, wäre doch übertrieben.

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