Test Sportstiefel (Archivversion) Rennmaterial

Sportfahrer stechen gern möglichst schräg ums Eck. Dazu braucht’s nicht nur haftfähige Reifen, sondern auch zum Heizen geeignete Stiefel. MOTORRAD hat zehn Pärchen durch den Testparcours gescheucht.

Wie der ideale Sportstiefel aussieht? Ganz einfach: super-
stabil und absolut sicher, Protektoren für jeden Bereich des Fußes, trotzdem weich, anschmiegsam und sehr beweglich, außer-
dem ultraleicht, aus besten Materialien und spottbillig. Und schon wird klar, dass diesen vielfältigen, zum Teil gegensätzlichen Anforderungen kein Stiefel der Welt gerecht werden kann. Hier sind Kompromisse gefragt. Beispielsweise: möglichst stabil und sicher, dabei dennoch ausreichend beweglich. MOTORRAD hat von den zehn Marken Alpinestars, Dainese, Daytona, Diadora, Gaerne, Ixs, Oxtar, Sidi, Spidi und Styl Martin Top-Rennsportstiefel einem Praxistest unterzogen, um zu prüfen, wie den Herstellern der schwierige Kompromiss gelingt. Zur Beurteilung unterteilt MOTORRAD dabei in fünf unterschiedlich gewichtete Test-Kategorien.
Verarbeitung und Ausstattung: Wie sauber sind die Kandi-
daten verarbeitet? Bestehen die Protektoren aus hochwertigem Karbon oder Kevlar oder sind’s nur billige Kunststoff-Spritzteile? Stimmt die Qualität von Reiß- und Klettverschlüssen? Sehen die Stiefel auch im Inneren sauber aus? Dieses Kriterium ist mit zehn Prozent an der Endnote beteiligt.
An- und Ausziehen: Mit fünf Prozent fließt die Handhabung beim An- und Ausziehen der Stiefel in die Gesamtnote ein. Wie (zeit)aufwendig ist das Procedere? Beispielsweise benötigt man für die Alpinestars-Stiefel rund viermal so lange zum An- und Ausziehen wie für die Kandidaten von Ixs oder Spidi.
Praxistest Gehen: Der eine oder andere kurze Spaziergang mit den Stiefeln wird sich nicht vermeiden lassen. Und sei es nur der Weg beim Tanken von der Zapfsäule zur Kasse und wieder zurück. Allerdings erwartet kein Mensch von den Rennsportstiefeln, dass sie für ausgedehnte Spaziergänge taugen. Deshalb hat der Gehtest nur mit fünf Prozent Einfluss auf die Endwertung.
Praxistest Fahren: Das wichtigste Kriterium stellt 50 Prozent der Gesamtnote. Wie gut ist die Passform des Stiefels? Erst beim Fahren zeigt sie ihr wahres Gesicht. Sitzt der Stiefel rutschsicher auf der Raste? Wie steht’s um die Beweglichkeit beim Schalten und Bremsen und um das Fahrgefühl auf der Raste? Ein eisenharter Stiefel mit einer steifen Sohle mag prima schützen, verhindert jedoch die nötige Rückmeldung an den Piloten. Sitzen Schaltverstärkung und Schleifer an der richtigen Position?
Sicherheit: 30 Prozent der Endnote ergeben sich aus dem Kriterium Sicherheit. Und Rennsportstiefel sollten besonders sicher sein, da Stürze immer einkalkuliert werden müssen. Macht der Stiefel einen stabilen Gesamteindruck? Welche Bereiche des
Fußes sind mit Protektoren geschützt? Wie sind die Protektoren ausgeführt? Sind sie aus weichem Kunststoff oder aus hartem Karbon oder Kevlar? Sind die Stiefel im Außenbereich extrem kantig, und besteht deshalb die Gefahr, dass sich der Stürzende irgendwo verhakt? Ist der Knöchel durch eine entsprechende Stabilisierung vor ungewollten Drehbewegungen geschützt?
Fazit: Zunächst einmal gibt es keinen Testkandidaten, der komplett enttäuscht. Den Testsieg erkämpft sich der Security Evo von Daytona durch seine überragende Verarbeitung und den
mit Abstand besten Unfallschutz. Da stört es auch nicht, dass
er durch seine stabile Konstruktion beim »Praxistest Gehen« nur
einen von fünf möglichen Punkten ergattert. Dass durch angenehmen Tragekomfort viele Punkte zu holen sind, zeigt der XP5 von Spidi, der zwar in puncto Sicherheit mit am schlechtesten abschneidet, jedoch dieses Manko durch seine tollen Praxis-
eigenschaften wettmacht. So bleibt es dem Kunden überlassen, welche Kriterien für ihn am wichtigsten sind: maximale Sicherheit und Einbußen beim Komfort oder Abstriche beim Unfallschutz und dafür angenehmes Trageverhalten.

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